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Kommentar : Schutzsuchende?

Nach der Messerattacke von Hamburg: Menschen aus Barmbek danken den Helfern. Bild: dpa

In der Berichterstattung ist nicht mehr von „Flüchtlingen“, sondern von „Schutzsuchenden“ die Rede. Zu welcher Schieflage das führt, sieht man, wenn ein „Schutzsuchender“ ein Attentat begeht.

          Menschen, die in die Bundesrepublik flüchten, können dies aus vielerlei Beweggründen tun: weil sie wegen ihrer Herkunft, Religion oder Ansichten politisch verfolgt werden, weil in ihren Heimatländern Krieg herrscht, oder weil sie sich in Deutschland eine bessere Zukunft erhoffen.

          Bis vor einiger Zeit wurden die Neuankömmlinge, von denen es in den Jahren 2015 und 2016 bekanntermaßen Hunderttausende gab, in der Berichterstattung zumeist als „Flüchtlinge“ bezeichnet. Das entspricht dem Sprachgebrauch der Genfer Flüchtlingskonvention, die von Menschen, welche die begründete Furcht vor Verfolgung aus ihrem Land getrieben hat, als „Flüchtlingen“ spricht, auch wenn diesen in den Staaten, in die sie geflohen sind, der entsprechende juristische Status noch nicht zuerkannt worden ist. Von „Kriegsflüchtlingen“ war seit jeher die Rede.

          Gleichwohl hat sich in der jüngeren Vergangenheit, auch dank des Zutuns von Lobbygruppen, die Ansicht breitgemacht, die Bezeichnung „Flüchtling“ könne als abwertend verstanden werden. Oder sie sei vornehmlich so zu verstehen. Das führte zur Einbürgerung der Zuschreibung „Geflüchtete“ und schließlich der Bezeichnung „Schutzsuchende“.

          Von solchen spricht inzwischen selbst die Deutsche Presse-Agentur in ihren Nachrichtentexten. Die damit einhergehende positive, mutmaßlich antidiskriminierend gemeinte Konnotation ist unverkennbar. Doch schließt sie die Möglichkeit aus, dass Menschen auch aus anderen Gründen einreisen, legal oder illegal.

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          Zu welcher Schieflage das führt, ist spätestens dann zu erkennen, wenn es um Straftäter oder gar Terroristen geht. So sagte nicht nur der Hamburger Innensenator Andy Grote, der Attentäter, der am vergangenen Freitag in der Hansestadt einen Mann erstach und fünf weitere Menschen zum Teil schwer verletzte, sei „als Schutzsuchender in unsere Stadt gekommen“. Auch die dpa schrieb über den aus den Vereinigten Arabischen Emiraten stammenden Täter, er sei „im März 2015 nach Deutschland“ gekommen, „in jenem Jahr also, in dem eine beispiellos hohe Zahl von Schutzsuchenden einreiste“. Wenig später hieß es im Text, der Fall weise „einige traurige Parallelen zu den Geschehnissen des vergangenen Jahres auf. Auch die Attentäter von Würzburg, Ansbach und vom Berliner Weihnachtsmarkt kamen als Schutzsuchende nach Deutschland und entluden hier ihren Hass.“

          Dass jemand, der nach Deutschland kommt, um hier seinen Hass zu entladen, Attentate zu begehen und Menschen zu töten, wohl schwerlich als „Schutzsuchender“ bezeichnet werden kann, sollte sich eigentlich von selbst verstehen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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