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Mode und Politik Letztes Hemd

11.08.2009 ·  Der italienische Luxus- und Ex-Kanzlerausstatter Brioni reagiert auf die Krise und lässt neben Anzügen jetzt auch T-Shirts mit Aufdruck schneidern. Das sieht doch schon mehr nach Arbeiterklasse und Sozialdemokratie aus. Aber würde sich Gerhard Schröder darin wohlfühlen?

Von Tobias Rüther
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Während viele noch auf den Ausschnitt der Bundeskanzlerin und ihrer Parteifreundin Vera Lengsfeld starren, Seite an Seite verewigt auf einem Wahlplakat der CDU, widmen wir uns hier dem Thema Politik und Herrenmode. Der italienische Ausstatter Brioni, so meldet die „New York Times“, stellt neuerdings auch T-Shirts her. Das kommt etwas spät für die SPD. Wer weiß, vielleicht hätte sich dann alles anders entwickelt, hätte Schröder damals nicht im Anzug von Brioni posiert, sondern in so einem T-Shirt: kurzärmlig, zupackend, arbeiterklassig. Andererseits ist auf dem T-Shirt ziemlich viel Gedöns zu sehen, unter anderem eine große, blaue Blume. Ob Schröder das gefallen hätte? (Oder, viel wichtiger, der Arbeiterklasse?)

Brioni, ein Familienbetrieb und bekannt für seine große Tradition, muss offenbar auf schwindende Zahlen in der Krise reagieren – und verhält sich damit auch nicht anders als die SPD, die jetzt nicht mehr so recht tragen will, was sie vor ein paar Jahren durchgesetzt hat. Der Artikel in der „Times“ zählt eine ganze Reihe bekannter Männer auf, für die Brioni geschneidert hat, Nelson Mandela, Donald Trump, Prince Andrew, James Bond wird neuerdings leider von Tom Ford eingekleidet. Schröder wiederum fehlt in der Liste. Und irgendwie macht einen das wehmütig. Weil die junge Berliner Republik die Bilder, die Schröder als „Brioni-Kanzler“ etikettierten, so beschäftigt haben, damals, vor fast zehn Jahren. Offenbar aber nur die Berliner Republik, von der man inzwischen ungefähr so oft redet wie die SPD von der Agenda 2010. Haben wir zu viel hineingelesen in den Kanzler im Anzug?

Wer mag, kann auch jetzt Schlüsse ziehen über den Sozialdemokraten, der damals gut betucht wirken wollte, und den Herrenausstatter, der heute mit teuren Jeans und T-Shirts demokratischer aussehen will. Und aus dem Satz, Brioni versuche „über seine traditionelle Klientel hinauszugehen“: Der Plan sei nämlich, eines Tages mit dem neuen Stil die absolute Mehrheit zu erreichen – fünfzig Prozent des Umsatzes. Für Brioni scheint dieser Erfolg jedenfalls wahrscheinlicher als für die SPD. Vielleicht besteht aber die einzige Übereinstimmung zwischen Politik und Mode nur darin, dass beides zu den Menschen passen muss.

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