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Mode Paris im Saint-Laurent-Abschiedstaumel

22.01.2002 ·  Die Trauerstimmung im Pariser Modelager hat Yves Saint Laurent selbst angezettelt. Abschied auf dem Laufsteg im Centre Pompidou.

Von Dominique Ageorges
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Die Pariser Modewelt steht an diesem Dienstag ganz im Zeichen des Abschieds von Yves Saint Laurent. Zahlreiche Models und Hunderte Mitarbeiter bereiten das letzte Haute-Couture-Defilee des weltberühmten Modemachers am Abend im Centre Pompidou vor.

Der 65-jährige Modezar, der vor zwei Wochen seinen Rückzug bekannt gegeben hatte, plant sein letztes Defilee als glanzvollen Rückblick auf 40 Jahre seines Schaffens. Auf die 2000 Eintrittskarten hat es einen beispiellosen Ansturm gegeben. Vor dem Centre Pompidou wurden Großleinwände aufgestellt, um die Modenschau zu übertragen.

Sexy Frauen in Herrenschnitten

Der Smoking für Frauen, der Safari-Look, die See-through-Blusen, das Schwarz, das „YSL“ salonfähig machte, oder das Trapezkleid, das den engen Frauenkleidern der Nachkriegszeit ein Ende setzte - das Defilee läßt in den Sälen für Moderne Kunst die großen Kreationen des Couturiers Revue passieren. Auch die Kollektionen, die Saint Laurent Künstlern wie Mondrian, Picasso oder Warhol widmete, sind noch einmal zu sehen.

Zahlreiche alte Freunde und Weggefährten erhielten eine Einladung. Um die restlichen Karten gab es ein Riesengerangel. Angeblich wurden sie auch auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Er wolle einen „Schlusspunkt unter dieses wunderbare Abenteuer setzen“ erklärte Saint Laurent kürzlich.

Der große Wirbel, den Saint Laurents Abschied auslöst, veranlasste mehrere Kollegen bereits zu kritischen Kommentaren. „Seit zwei Wochen hat man den Eindruck, einer nationalen Trauerfeier beizuwohnen“, sagte der etwa Couturier Christian Lacroix. „Er wird uns ja erhalten bleiben. Ich denke, das ist ein bisschen zu viel der Ehre.“ Auch der deutsche Modemacher Karl Lagerfeld empörte sich: „Wir sind doch nicht bei einer Beerdigung. Was für eine Dramatisierung, dieser Rückzug! Er macht zuviel Aufhebens.“

Raketenerfolg und lange Sturzstrecke

Skandale und triumphale Erfolge begleiteten die steile Karriere des homosexuellen Stardesigners. Zusammen mit Coco Chanel, Christian Dior und Hubert de Givenchy prägte Yves Saint Laurent entscheidend die Haute Couture im 20. Jahrhundert. Weltweiten Erfolg erzielte er auch mit den in seinem Haus hergestellten Parfüms, darunter „Opium“. 1999 jedoch wurde sein Modehaus vom italienischen Konkurrenten Gucci übernommen, der zum Kaufhauskonzern PPR des französischen Milliardärs François Pinault gehört. Bei YSL hatten plötzlich andere das Sagen, die gewinnträchtige Prêt-à-porter-Mode entwirft heute der 41-jährige Amerikaner Tom Ford.

Vom Umsatz der großen Modehäuser macht die Haute Couture nur ein paar Prozent aus, der Löwenanteil wird mit der Boutiquen-Mode, Parfüms und anderen Luxusartikeln verdient. Das Kapitel Haute Couture wird bei YSL im Juni beendet, dann gibt es nur noch elf Spitzenmarken im emgsten Club der Pariser Edelschneider. Nur ganz wenige Häuser - wie etwa Chanel mit Lagerfeld - stehen finanziell noch auf eigenen Beinen. Die meisten anderen sind inzwischen in den Händen von Großkonzernen und Finanzmagnaten.

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