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Mode „Cool Britannia“ in Image-Nöten: Die „London Fashion Week“

20.02.2001 ·  Gerade war sie noch das Symbol von „Cool Britannia“ . In diesem Jahr haben viele Designer der „London Fashion Week“ den Rücken zugekehrt. Sie zeigen ihre Kollektionen lieber in Mailand und New York.

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„Patriotismus ist das Gebot der Stunde“, schrieb der „Guardian“. Zur Zeit kann die „London Fashion Week“ Aufmunterung gut gebrauchen. Die große Hoffnung der britischen Mode, Hussein Chalayan, musste die Messe absagen, weil er finanzielle Probleme hat. Der Verlust überschattet die Modewoche, und der „Independent“ rief eine Schweigeminute für den Jungstar aus.

Zu schaffen macht die „Fashion Week“, bis vor einigen Jahren noch Symbol der „Cool Britannia“, auch so manche freiwillige Absage. Die Designerin Luella Bartley, eine ehemalige Modejournalistin, zog es in letzter Minute vor, diesmal ihre Kollektion in Mailand zu zeigen. Vorher hatte schon Antonio Berardi London zugunsten von Mailand abgesagt. Die großen Modemacher aus London wie der Hutmacher Philip Treacy und Dior-Designer John Galliano zeigen ihre Mode ebenfalls lieber woanders. Und die wenigen Großen der Branche, die London die Treue halten - Alexander McQueen oder Paul Smith etwa -, gehen auf Distanz: Sie überlassen die weißen Zelte rund um das Natural History Museum dem Nachwuchs und halten ihre Shows an selbstgewählten Plätzen. Auf manche Beobachter wirkte das einstmals frechste Modeforum der Welt deshalb mit einem Schlag geradezu provinziell.

Der nicht mehr ganz so junge Smith, Jahrgang 1946, zeigte seine Mode in der „Royal Horticultural Society“. Er schnürt die Frauen im kommenden Winter in Korsagen. Alles ist eng und taillenbetont. Gefragt sind eher schmale Hüften. Smiths Hosen erinnern an die Skihosen der 60-er Jahre, ebenso die Schnitte der Stickjäckchen im Norwegermuster. Dazu soll man samtene Hotpants und Stiefel tragen. Falscher Pelz bildet die Basis für Smiths Mäntel, Kapuzenanoraks und Bommelkappen. Jeansjacken und Korsagen sind auch damit gefüttert. Diese werden über allem getragen. Blusen, Strickjacken und Rollkragenpullover sind oft knielang, ein paar geschnürte Stiefel mit Stiletto-Absatz - und fertig ist das Outfit für den nächsten Winter. Sehr feminin sind auch Paul Smiths durchgeknöpfte Hemdblusenkleider aus Seide, mal in typischen Streifen - diagonal oder geringelt - dezent in grau-creme oder pink-blau und pink-grün. Die Motive seiner Seidendrucke zeigen Skiläufer aus den 60-er Jahren in sonniger Winterlandschaft oder röhrende Zwölfender.

Maria Chen provozierte das Publikum mit Punk und SM-Outfits, viel Schwarz, vielen Ketten und hauptsächlich Rot als Kontrastfarbe. Schultern und Revers sind asymmetrisch geschnitten, der Hüftgürtel darf nicht fehlen.Ein bisschen Plüsch hier und da und plissierte Falten am Lederrock geben dem ganzen jedoch einen smarten Look. Natürlich sind die 80-er Jahre vertreten, bisher jedoch hauptsächlich mit weißen T-Shirts und Aufdrucken wie „Made in the 80's“ und „Dieses T-Shirt sagt ich bin ein Mädchen“.

Tags zuvor eröffnete Ronit Zilkha, Leib-Designerin von Cherie Blair, der Frau des Premierministers, die „ London Fashion Week“ mit viel britischem Tweed und Wolle. Im übrigen lautete die Botschaft, dass zur Zeit so ziemlich alles „in“ ist: Leder, Pelz, Chiffon, Strick. Glockenartig geschnittene Röcke neben engen Bleistiftformen, Schlaghosen neben Karottenmodellen. Das Farbspektrum allerdings beschränkte sie konsequent auf Sand, Karamell und Braun, kombiniert mit kräftigem Türkis oder sattem Aubergine. Im Kontrast dazu stand ihre Abendgarderobe: ausschließlich Schwarz und Lila. Viel Lurex, viel Chiffon mit Blick auf nackte Haut. Das Publikum war angetan.

Die Hoffnungen der „Fashion Week“ ruhen auf Leuten wie dem 31-jährigen Arkadius Weremczuk, der im vergangenen Herbst zu den Entdeckungen gehörte. Damals sorgte sein Brautkleid mit überreifen sattroten Erdbeeren, eingelassen zwischen zwei weißen Tüllschichten des Reifrocks, für Furore. Dieses Jahr war er mit seiner 60-teiligen Damen- und Herren-Kollektion „Prostitute“ vertreten.

Quelle: hc, mit Material von dpa und ddp
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