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Mit Yamamoto im Café Feinstoffliches Fingerspitzenwissen

Er ist ein Künstler, der im Widerspruch ganz bei sich ist: Eine intensive Begegnung mit der japanischen Mode-Designer-Legende Yohji Yamamoto in Berlin.

© Andreas Pein Vergrößern Sein Blick verrät eine gewisse Traurigkeit, die sich oft auch in seiner Mode spiegelt: Der japanische Couturier Yohji Yamamoto dieser Tage in Berlin

I like your jacket.“ Yohji Yamamoto beugt sich über den Tisch und legt den Kopf ein wenig schief. Wie ein kleiner schwarzer Vogel landet seine Hand auf meinem Arm. Er streicht über den Stoff, nimmt ihn vorsichtig zwischen die Finger, er lächelt, er sagt: „I really like this“ und fragt, wer die Jacke gemacht habe. „Issey Miyake“, der andere große Japaner also, antworte ich etwas verlegen, „vor mehr als zehn Jahren.“

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Die Jacke ist aus schwarzer Wolle mit einem feinen Nadelstreifen, und die Nähte sind mit Tüll versäumt, der nach außen gebügelt ist und sich zunehmend auflöst, so dass überall Fäden heraushängen und die Konturen immer unschärfer werden. Der strenge Schnitt des Jacketts, von Anfang an durch den Tüll ein wenig ins Lächerliche gezogen, ist inzwischen in ein leichtes Flirren übergegangen, vor allem an den Schultern. „Ah, Issey“, wispert Yamamoto und fährt noch einmal eine Naht mit dem zerfetzten Tüll entlang. „Very nice.“

Kleidung als taktiles Element

Wir sitzen seit wenigen Minuten zusammen, er hat in seinem fast unhörbaren Flüstern, das nicht wesentlich kraftvoller als eine träge Sommerbrise aus ihm herausströmt, kaum mehr als zehn Wörter gesagt und eigentlich schon das Wichtigste mitgeteilt. Zuerst kommt die Berührung. Das Material. Man muss es anfassen. Wenn es gut ist und gut zugeschnitten, wird es mit den Jahren besser. Wenn es sich auflöst und doch die Form behält: wunderbar.

Wir sollten uns im Borchardts treffen. Ich war zu früh gekommen, natürlich, ich war nervös, und Yamamoto war schon da. Er saß mitten im Lokal, aß etwas und unterhielt sich mit einem Mann ihm gegenüber und immer wieder kurz mit allen möglichen Mitarbeitern und Betreuern, die an den Tisch traten. Seine Entourage war über das Restaurant verteilt.

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Yamamoto, ein kleiner, zierlicher Mann von bald siebzig Jahren, war in dem vollen, lauten Raum eine unübersehbare Präsenz mit seinem schulterlangen grauen Haar und dem gestutzten Bart in einem Gesicht, dem man schon von Ferne Menschenfreundlichkeit zutraut und das einen dazu verführt, eine gewisse Traurigkeit hineinzulesen, die oft auch von Yamamotos Mode ausgeht.

Die Traurigkeit von einem, der ohne Koketterie „Begräbnis“ und „sexy“ in einem Satz (und einem Hemd) unterbringt. Bis wir uns schließlich in einem abseits gelegenen Raum die Hand schüttelten und ich zum ersten Mal die leise Stimme des großen Modemeisters hörte, war, so fürchtete ich, von meiner knappen Zeit mit ihm nicht mehr viel übrig. Doch Yamamotos Assistentin, eine junge Spanierin aus Paris, war gnädig. Sie hängte die verlorenen Minuten dran, verbot aber jede weitere Verzögerung. Selbstverständlich ließ sie uns nicht allein.

Auf dem Landweg nach Europa

Yamamoto war für einige Veranstaltungen nach Berlin gekommen, darunter eine große Schau mit Beispielen aus vielen seiner Kollektionen aus den letzten mehr als dreißig Jahren in einem Kirchenraum in Kreuzberg, den eine Galerie bespielt. Wer dabei war, erzählte von dem berauschenden Erlebnis und mit staunenden Augen von dem Brautkleid mit dem riesigen Rock voller Reißverschlüsse, die das Model nacheinander öffnete, um erst die Schuhe, dann einen wagenradgroßen Hut, schließlich die Handschuhe herauszuziehen.

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Veröffentlicht: 05.05.2013, 16:50 Uhr

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Von Andreas Rossmann

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