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Mit Software gegen Kinderbilder Babyschinken

 ·  Noch nie waren Babyjahre so gut dokumentiert wie heute. Wer sich vor der Flut der Babybilder im Netz schützen will, dem kann mit einem niedlichen kleinen Programm geholfen werden.

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Ist das denn die Möglichkeit? Der Kleine kann schon laufen! Die Große pflückt gerade Blumen! Das Goldstück dreht sich ganz allein auf den Bauch! Er hat sich gerade den ersten Löffel Pastinakenbrei fast ganz allein in den Mund gesteckt! Ist sie nicht süß? Wer eigene Kinder hat, erinnert sich nur zu gut an die Faszination, die jede einzelne Äußerung, jede neue Bewegung, jeder Gesichtsausdruck eines Babys auf junge Eltern ausübt. Und wer mit jungen Eltern befreundet ist, staunt, wie schnell die Gesprächsthemen von Leuten zusammenschnurren, mit denen man zuvor über alles reden konnte: Das Baby ist der Mittelpunkt der Welt. Es ist die Welt. Es ist zum Verrücktwerden.

Schinkenbilder statt Babybilder

In Zeiten sinkender Geburtenzahlen, wirtschaftlicher Unsicherheit und hedonistischer Lebensentwürfe, in denen Kinder eigentlich keinen Platz haben, ist es für viele Paare schon ein Wunder, wenn sie sich doch für Nachwuchs entscheiden. Und Wunder wollen gewürdigt werden: Nie waren Babyjahre so gut dokumentiert wie heute, und nie zuvor wurden diese Dokumente so hemmungslos herumgereicht. Das Internet macht es möglich: Lustige Momente werden getwittert, Anekdoten gebloggt und Babyfotos auf Facebook ausgestellt, wo sie - je nach Freundeskreis - in der Liste der „Neuigkeiten“ durchaus überhandnehmen können. Drei Freunde aus New York, alle um die dreißig Jahre alt, haben jetzt eine Möglichkeit entwickelt, diese Bilder automatisch zu ersetzen: Wer über den Browser Chrome die Facebook-Seite aufruft, muss nur das Zusatzprogramm „unbaby.me“ installieren, und schon werden statt der Kleinkindfotos andere Bilder von Bedeutung gezeigt - Katzen zum Beispiel, Sonnenuntergänge oder kross gebratener Schinken.

Während die Applikation auf Twitter als Entlastung gefeiert wird, diskutieren die klassischen meinungsbildenden Medien Amerikas, ob die Babybilder nicht für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch eine Zumutung gewesen seien und ob andererseits das provokante Programm nicht das Befremden, die Feindseligkeit zwischen Eltern und Kinderlosen vertiefe. Dabei sind die Möglichkeiten von „unbaby.me“ nicht ausgeschöpft: Das Programm sucht nämlich nicht etwa auf den Bildern selbst nach Kindchenschemen, sondern in den Bildunterschriften nach Zeichenfolgen wie „baby“, „cute“ oder „year old“.

Jeder Nutzer kann die Liste ergänzen - je nach Laune um Wörter wie „Sonne“, „Hochzeit“ oder „Katze“ zum Beispiel. Zumindest Katzenfotos nehmen auf Facebook - je nach Freundeskreis - kaum weniger überhand als Babybilder. Nur die Schinkenfreunde sind noch eine Minderheit.

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Jahrgang 1972, Redakteur im Feuilleton.

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