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Millionenschwere Instrumente Das Griechenland der Musikwelt

 ·  Seit Jahrhunderten steigen und steigen sie im Wert: die Instrumente der Meistergeigenbauer Stradivari und Guarneri. Jetzt hat den wagemutigsten Geigenhändler von allen, Dietmar Machold, die Krise erwischt.

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Geigengeschichte ist Menschengeschichte. Setzt man den kleinen, intimen und barock verschachtelten Handel mit altitalienischen Meistergeigen mit Europa gleich, dann ist der Bremer beziehungsweise Wiener Geigenhändler Dietmar Machold zur Zeit Irland beziehungsweise Griechenland. Nur ist in seinem Falle eine internationale Rettungsaktion unwahrscheinlich.

Die Meldung-, die Anfang November im Wiener Wirtschaftsblatt stand, fiel nicht auf: „Eröffnete Insolvenzen, Kadenza GmbH vorm.: Machold Rare Violins Handelsgesellschaft mbH“. Der Aussagewert war jedoch eindeutig. „Schlossherr in Geldnöten“, verkündeten die „Niederösterreichischen Nachrichten“ in einem als Überschrift verkleideten Hinweis auf das siebenhundertjährige Schloss Eichbüchl, das Machold vor etwa zehn Jahren gekauft und auf beispielhaft umweltfreundliche Weise renoviert hatte. In der globalisierten Wirtschaftsnische, in der er seit fast dreißig Jahren aktiv ist, war das Echo dementsprechend. Eine langjährige Mitarbeiterin bestätigt, dass überall in New Yorker Fachkreisen über seine Zwangslage geredet wird. Dass ein Schuss Schadenfreude dabei ist, gesteht sie auch.

Als die Banken anfingen, Druck zu machen

Zumindest aus Macholds Perspektive hätte der Schlag jeden im kleinen Kreis der konkurrierenden Zunftgenossen treffen können. Er habe Verträge, die sich auf 40 Millionen Euro belaufen, mit einem älteren, asketischen, sowohl interessierten als auch zahlungskräftigen Italiener, erklärte er einem Interviewer des Magazins „Der Spiegel“. Nun wolle er dem Klienten die erwünschte Sammlung verkaufen. In einer Branche, in der Liquidität eher die Ausnahme als die Regel ist, und ein Inventar Jahre auf Lager verbringen kann, müsste er die Sammlung aber erst erwerben. Bis Herbst 2008, als die Banken heilfroh waren, ihre Gelder zur Verfügung stellen zu können, und bereit waren, geduldig zu warten, wäre das ohne weiteres gegangen, sagt er. „Dann kam die Finanzkrise, und die Banken machen Druck.“

Beschämend faszinierend wie eine Autokarambolage, weist die Misere des deutschen Bürgers als österreichischen Edelmanns zugleich auf eine bemerkenswerte Karriere, auf die Reize und Risiken eines weltumspannenden Wirtschaftszweigs sowie auf ein paar Jahrhunderte Kulturgeschichte. Allesamt nisten sie ineinander wie Matrjoschka-Puppen.

Das Alter macht den Preis

Der Drehpunkt ist ein Aufgebot von Streichinstrumenten, die die Strapazen von rund zweieinhalb bis viereinhalb Jahrhunderten überstanden haben. Philip Margolis, dessen website cozio.com der Geigenwelt unerlässlich geworden ist, schätzt das heutige Angebot auf etwa fünfzig Exemplare in der Preislage von fünf bis zehn Millionen Dollar, hundert zwischen drei bis fünf Millionen und tausend zwischen einer und drei Millionen Dollar. Wie zu erwarten, stammen die oberen hundertfünfzig ausschließlich von zwei ikonengleich verehrten Meistern: Antonio Stradivari und dem jüngeren Giuseppe Guarneri, der sich del Gesù nannte.

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David Schoenbaum, geboren 1935, emeritierter Professor für Geschichte an der Universität von Iowa, gab mit seiner Pionierarbeit „Die braune Revolution. Eine Sozialgeschichte des Dritten Reiches“ (1966, 1968) den Anstoß zur Erforschung der Modernisierungseffekte des Nationalsozialismus. Derzeit arbeitet er an einer Sozialgeschichte der Geige.

Quelle: F.A.Z.
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