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Millionengrab Elbphilharmonie : Der große Eisberg über der Stadt

Größtes Penthouse aller Zeiten: Die Elbphilharmonie gehört zu den zehn teuersten Hochhäusern der Welt. Was ging schief beim Bau? Wofür steht das Ergebnis? Bild: dpa

Die Explosion der Baukosten für die Elbphilharmonie hält Hamburg in Atem. Das neue Wahrzeichen der Stadt sollte längst fertig sein – und ist mittlerweile eines der teuersten Hochhäuser der Welt. War es das wert?

          An diesem Februarmorgen in der vergangenen Woche, als ein matter Nebel über dem Hafen hing und die sogenannte Elbphilharmonie, der rote alte Speicher auf der Kaispitze mit seinem turbulenten Semifreddo-Aufbau, in dem sich der große Konzertsaal, die Wohnungen mit ihren Eisblasenfenstern, die Restaurants und das Hotel befinden, im Dunst verschwand – an diesem Morgen stand vor der neuen Elbphilharmonie mit eingezogenen Hälsen eine Schulklasse, deren Lehrer feierlich mit einem rotgefrorenen Finger auf das Bauwerk zeigte. „Also, das ist die Elbphilharmonie.“ Schweigen. „Was denkt ihr?“ Schweigen. Ein kleineres Boot tuckerte vorbei, weiter hinten bewegte sich in Zeitlupe, als müsste es heimlich geschehen, ein Kran, auf einem Poller hockte eine reglose Möwe. „Sieht krass aus“, sagte schließlich einer. Mattes Nicken der Klasse, der Lehrer mochte sich mit der Einschätzung des Gebildes als krass aber nicht zufriedengeben: krass, ja, aha – was er damit genau meine? Woran denke man denn da?

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Tja. Woran denkt man? An eine schockgefrorene Nordseewelle, eine künstliche Skipiste, ein aus dem Gletscher herausgesägtes, leicht angetautes Alpenstück? Die Architekten Herzog&de Meuron, die den Aufbau vor mehr als zehn Jahren für den Initiator der Elbphilharmonie, den Projektentwickler Alexander Gérard, entwarfen, kommen immerhin aus der Schweiz. Ist das da ein abstrakter Eisberg? Es gab hier tatsächlich einmal Eisberge, das Elbe-Urstromtal entstand, als die Gletscher, die über Norddeutschland lagen, vor etwa 14500 Jahren schmolzen und das Schmelzwasser dort, wo heute die Elbe ist, zum Meer floss. Oder stellt das Ganze einen Geldspeicher dar, aus dem oben die Bündel herausquellen, die man hineinstopfen musste, bildet die scharf nach oben schießende, gezackte Dachlinie die Baukostenkurve ab?

          Magische Milliardengrenze bald erreicht

          Vor nicht einmal zehn Jahren kam eine sogenannte Machbarkeitsstudie zu dem Ergebnis, dass sich die Elbphilharmonie mit Nettokosten von 186 Millionen Euro bauen lasse. 2010 wollte man fertig sein. Seitdem ist einiges schiefgegangen. Die Baukosten liegen aktuell bei voraussichtlich 865 Millionen Euro und haben damit bald die magische Milliarden-Dollar-Grenze durchbrochen, was dem Prestigeprojekt einen Platz im Ranking der zehn teuersten Hochhäuser der Welt des Immobiliendienstleisters Emporis beschert – wobei die Hamburger auch noch dadurch brillieren, dass sie unter den teuersten Häusern das verhältnismäßig kleinste besitzen: Die Elbphilharmonie ist an ihrer höchsten Zacke gerade mal 110 Meter hoch, viel flacher als der Londoner Turm „The Shard“, der wie ein gieriger Schnabel in den Himmel über der Themse ragt und mit 310 Metern deutlich höher ist, und beim New Yorker „One World Trade Center“, dem teuersten Hochhaus der Welt, geht ein guter Teil der 3,9 Milliarden Dollar in die Sicherheitsvorkehrungen.

          Woran denkt man? Für viele Hamburger, denen als Bewohner einer Kaufmannsstadt ja ein Gefühl für den Umgang mit Geld nachgesagt wird, wirkt die Elbphilharmonie mittlerweile wie ein hinterhältiger Magnet, ein böses Dementorenhaus, das die Schweizer mitten in die Handelsstadt gestellt haben und das nun alle Geldreserven aus den Kontorhäusern und den Geldbeuteln der Hanseaten heraussaugt.

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