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Montag, 13. Februar 2012
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Migration Draculitalia

10.03.2009 ·  Die italienischen Medien schüren die Angst vor rumänischen oder Roma-Vergewaltigern fast täglich. Gesetzesverschärfungen scheitern jedoch regelmäßig an der Bequemlichkeit der Italiener.

Von Dirk Schümer
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Ein Gespenst geht um in Italien, und es ist gefährlicher als Dracula und alle transsilvanischen Wölfe zusammen: rumänische Migranten. In den Medien vergeht kein Tag, an dem nicht die latente Gefahr durch rumänische oder Roma-Vergewaltiger spürbar würde. In der Tat wirken einige römische Delikte – etwa der Überfall auf ein kampierendes holländisches Ehepaar oder der Mord an einer italienischen Pendlerin oder die Gruppenvergewaltigung eines Mädchens – wie Szenen aus einem Horrordrehbuch.

Unnütz, darauf hinzuweisen, dass diese Verbrechen in der staatlichen Grauzone illegaler Lager und Slums vor den Toren der Metropole stattfanden, wo früher Italiens Zuwanderer aus Sizilien und Kalabrien hausten – und nun eben rumänische Obdachlose, die in den Städten betteln und in den Industriebrachen Müll sortieren. Die Delikte bleiben auch mit dem Wissen um Armut unverzeihlich.

Da helfen keine Statistiken

Die Italiener bekommen in der Hysterie nicht mit, dass in Rumänien die Lage anders geschildert wird. Dort spricht man zwar auch angeekelt von den Delikten, doch weisen hier die Medien auf die mindestens anderthalb Millionen Landsleute hin, die sich ohne soziale Sicherheit und Perspektive jeden Tag verdingen und Italien einen immensen Schub beim Bruttosozialprodukt verschaffen. Die alltägliche Migration der Rumänen lässt sich beim ständigen Pendelverkehr von Buslinien, in blühenden rumänisch-orthodoxen Gemeinden miterleben – wenn man dafür Augen hat.

Drohungen, die Anwesenheit so vieler halblegaler Zuwanderer mit harten Gesetzen zu unterbinden, stießen denn auch beim reichen Bürgertum Norditaliens auf Widerstand. Wer würde hier gerne auf die rumänische Putzfrau oder die moldavische Pflegerin der Oma verzichten? Weil sich das Ventil des Unbehagens dann umso lieber gegen die Verbrecher öffnet, hat sich Umberto Eco mit einer Satire im vermaledeiten Land von Premier „Berluschescu“ zu Wort gemeldet. Eco reiht hier Serienmörder und Mafiosi wie „Provenzanul“ oder „Badalamentu“ aneinander und verweist darauf, dass in Italien statistisch über sechzig Prozent der Vergewaltigungen von Einheimischen begangen werden, meist im Familienkreis. Doch gegen die Angst vor dem und den Fremden helfen Statistiken wenig. Sage niemand, Dracula existiere nur in der Fiktion.

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