27.11.2007 · Noam Chomsky diskutiert mit Michel Foucault. Wenn es je einen Beweis brauchte, dass Denken keine reine Sache des Geistes, sondern sehr vom Aussehen und Verhalten des Gegenübers abhängig ist, liefert ihn dieser Film.
Michel Foucault sitzt hier auf einem Podium, er redet gerade nicht, die Kameras filmen ihn aber trotzdem: Wie er sich dramatisch am Kopf kratzt; im Ohr herumbohrt, als habe er sich verhört; die wildesten Grimassen zieht; schließlich mit dem Zeigefinger sein Gebiss poliert, als sei er ein Raubtier, das gleich seine Reißzähne in den Hals des Opfers rammen wird.
Wen man sich in dieser Situation dazudenken muss, ist der etwas jüngere Noam Chomsky, mit dem Foucault hier diskutiert. Chomsky spricht von „creativity“, von Wegen, wie man „der menschlichen Natur entsprechend“ und weniger entfremdet leben könne. Foucault ist der Begriff einer „menschlichen Natur“ herzlich unsympathisch, er hält ihn für eine kulturelle Konstruktion, die Machtinteressen unsichtbar machen soll - aber noch bevor Foucault Chomsky argumentativ auseinandernimmt, tut er es mimisch.
Was die Niederschrift des Textes nicht verraten kann, zeigt der Film: Foucaults Mimik verunsichert den Amerikaner so gründlich, dass ihm die Argumente wegbrechen. Macht Foucault das bewusst? Wenn ja, ist das, was man hier sieht, eine Art der psychologischen Kriegsführung, wie man sie aus dem Sport kennt: Gegner mit kleinen Provokationen aus der Reserve holen und zuschlagen? Oder sollte ausgerechnet Foucault, der Kritiker der Überwachungsgesellschaft, hier, dem Gedanken hingegeben, vergessen haben, dass die Kameras noch die kleinsten Regungen in den Gesichtern der Redenden zur öffentlichen Sache machen? Wie auch immer: Wenn es je einen Beweis brauchte, dass Denken keine reine Sache des Geistes, sondern sehr vom Aussehen und Verhalten des Gegenübers abhängig ist, liefert ihn dieser Film.
Video: Michel Foucault auf youtube.com