Home
http://www.faz.net/-gqz-73noa
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Michael-Althen-Preis verliehen Der Ton, den alle liebten

Im Deutschen Theater in Berlin wurde zum ersten Mal der Michael-Althen-Preis für Kritik verliehen. Sarah Khan erhielt die Auszeichnung für einen Artikel über die Fernsehserie „Dr. House“.

© Zimmermann, Julia Vergrößern Erste Preisträgerin des Michael-Althen-Preises: Sarah Khan

Am Montagabend wurde im Deutschen Theater in Berlin zum ersten Mal der von dieser Zeitung ins Leben gerufene Michael-Althen-Preis für Kritik verliehen. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und soll einen Text auszeichnen, eine Kritik, die im besten Falle schafft, was Michael Althen, dem im vergangenen Jahr im Alter von 48 Jahren gestorbenen Filmkritiker dieser Zeitung, scheinbar immer so mühelos gelang: ein künstlerisches Werk daraufhin zu untersuchen, was es mit einem macht, welche Assoziationen es einem schenkt, welche Absicht zugrunde lag und warum das gelungen ist - oder möglicherweise eben nicht.

Johanna Adorján Folgen:  

Die erste Preisträgerin ist die in Berlin lebende Schriftstellerin Sarah Khan. Sie wurde für einen Artikel ausgezeichnet, der in der Märzausgabe des vierteljährlich erscheinenden Filmmagazins „Cargo“ erschien. Darin erzählt sie, wie der jähe Tod ihres erst 29-jährigen Bruders ihr Verhältnis zur amerikanischen Krankenhausserie „Dr. House“ veränderte, und sie schafft es, anhand dieses persönlichen Zugangs selbst Leuten, die diese Serie nur vom Hörensagen kennen, einen Eindruck von den Besonderheiten dieser Serie zu vermitteln.

Michael Althen Dankrede Sarah Khan bei ihrer Dankrede im Deutschen Theater Berlin © Zimmermann, Julia Bilderstrecke 

In der Jury, die ausdrücklich nicht aus Kritikern bestand, sondern aus Künstlern, waren und bleiben auch im nächsten Jahr: die Schauspielerin Claudia Michelsen, die Regisseure Dominik Graf und Tom Tykwer, der Schriftsteller Daniel Kehlmann sowie der Essayist, Forscher und Schauspieler Hanns Zischler.

Hommage an den eingeschworenen Kinofan

Auch wenn Sarah Khan bei der feierlichen Verleihung des Preises natürlich im Mittelpunkt stand, war es ein Abwesender, der dem Abend seine besondere Stimmung verlieh: Michael Althen. In allen Reden wurde seine unnachahmliche Art heraufbeschworen, die mit seinem Tod nicht aus dieser Welt verschwunden ist, weil sich so viele - nicht nur die Menschen, die ihn persönlich kannten - an seinen so eigenen Ton erinnern.

Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters, erinnerte daran, wie er den eingeschworenen Kinofan Althen zum alleinigen Juror der Berliner Autorentage berief - und wie neugierig Althen sich dem Theater genähert habe, alle seine Vorurteile über Bord schmiss und später sogar freiwillig oft und gern ins Theater ging, von dem er zunächst gedacht hatte, das Kino könne das alles besser.

Mehr zum Thema

Nils Minkmar, der Leiter des Feuilletons dieser Zeitung, erzählte ein bisschen davon, wie es war, Althen zum Kollegen und Freund zu haben. Alle seien in ihn verliebt gewesen. Und Claudius Seidl, Leiter des Feuilletons der Sonntagsausgabe, sprach darüber, warum das sogar bei den Menschen, deren Werke er rezensierte, so oft der Fall war: weil Althen der Leser, der Zuschauer war, den sie sich wünschten.

Nicht, weil er ihnen nach dem Maul geredet hätte, sondern weil er sich selbst beim Lesen und beim Schauen so genau zugesehen habe, dass er den Künstlern erzählen konnte, was ihre Werke mit einem machen. Denn der Künstler selbst wisse ja nie, was er da eigentlich geschaffen habe - Michael Althen aber konnte es ihm erklären.

Sarah Khan las ihren Siegertext, und zuletzt las der Schauspieler Ulrich Matthes einen Bericht von Michael Althen, den dieser über seine Erfahrungen als Juror der Autorentage geschrieben hatte. Und da war er wieder: dieser unendlich lässige Ton, in den jeder verliebt war.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Peter Handke Eklat beim Ibsen-Preis in Oslo

In Oslo, wo Peter Handke den hochdotierten Ibsen-Preis entgegennehmen sollte, wurde der Dichter mit Buhrufen empfangen und als Faschist beschimpft. Jetzt hat er seine Pläne mit dem Preisgeld geändert. Mehr Von Hubert Spiegel

22.09.2014, 17:40 Uhr | Feuilleton
Verliebt in virtuelle Partner

Romantische Interaktionen von Mensch und Computer bieten sogenannte Dating-Sims. Nirgendwo auf der Welt sind diese gefühlsbetonten Spiele so erfolgreich wie in Japan. In Love Plus der tragbaren Spielekonsole Nintendo DS kann der Spieler sich von virtuellen Schulmädchen durch sein Leben begleiten lassen. Mehr

19.08.2014, 11:02 Uhr | Gesellschaft
Schlagertexter Bernd Meinunger Sing mit mir mein kleines Lied

Seine Texte gehören zum Kulturgut. Aber viele halten ihn für einen Schlagerfuzzi. Heute wird Bernd Meinunger 70 Jahre alt. Was geht in einem Menschen vor, der sich Lieder wie Himbeereis zum Frühstück oder Dschingis Khan ausdenkt? Ein Besuch. Mehr Von Peter-Philipp Schmitt, Grünwald

30.09.2014, 06:37 Uhr | Gesellschaft
Liebes-Schlösser sollen weg

Lust und Last der demonstrativen Liebe: Die berühmte Pariser Fußgänger-Brücke Pont des Arts kann anscheinend all die Vorhängeschlösser, pardon: Liebesschlösser, nicht mehr tragen, die Verliebte aus aller Welt ihr zu Hunderttausenden aufbürden. Die Stadtverwaltung hat jetzt begonnen, durchsichtige Brückengeländer zu installieren. Mehr

25.09.2014, 12:49 Uhr | Gesellschaft
Stück Your lover forever Ende einer wundervollen Freundschaft

Alle ihre Briefe an Goethe hat sie vernichtet: Was Charlotte von Stein dem Dichter noch sagen wollte, bringt jetzt die Regisseurin Lily Sykes in Frankfurt auf die Bühne. Mehr Von Florian Balke

20.09.2014, 15:14 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.10.2012, 11:23 Uhr

Schnöde Müllerin

Von Andreas Rossmann

In Wuppertal soll das Theater einen neuen Auftritt haben. Aber kann es mit einer biedermeiernden Aufbereitung von Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ seine Unverzichtbarkeit demonstrieren? Mehr 1