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Ein Bauwerk und sein Bild : Überbrückt?

Halb sank er hin: Sprengung der Brückenpfeiler der alten A3-Lahntalbrücke am Sonntag in Limburg. Bild: dpa

Lange schon wird sie visionär besungen, Merkel kommt in der Diesel-Kontroverse auf sie zu sprechen, und ihre alten Pfeiler widersetzen sich der Sprengung: Die Brücke ist das Bild der Stunde.

          Unter den vielen Dingen, die unsere Vorfahren mit größerer Sorgfalt betrieben als wir, steht der Brückenbau ganz oben. Sollte damit ein Fluss überquert werden, wurde dem Gewässer bereits vor Baubeginn ein Opfer gebracht und es durch Heiligenfiguren auf der Brüstung weiter im Zaum gehalten. Das ist gut investierte Mühe: Hexen, so heißt es, halten sich auf oder unter Brücken am liebsten auf, Gespenster auch, so dass für den Umgang mit diesen Bauten besondere Vorsicht geraten ist.

          Bei den Römern der Frühzeit war der oberste Brückenbauer, der Pontifex maximus, zugleich auch der Mittler zwischen den Menschen und den Gottheiten, und im Gemeinwesen sprach er das entscheidende Wort. Als Experte für Brückentechnologie kann man offenbar noch heute punkten, was so kurz vor der Wahl verführerisch ist. Wenn jedenfalls in der Frage unserer Mobilität die einen den Verbrennungsmotor lieber heute als morgen in den Orkus beförderten und die anderen das um keinen Preis der Welt dulden mögen, weil das „die Axt an die Wurzel unseres Wohlstands“ lege, wie Horst Seehofer sagt, dann schlägt die Stunde der obersten Koalitionsbrückenbauerin: Verbrennungsmotoren, sagte Angela Merkel jüngst, seien eben eine „Brückentechnologie“, auf die man in absehbarer Zeit nicht verzichten könne.

          Das lässt natürlich alles offen, auch den späteren Verzicht, gar den Abriss, was dann, wenn denn dafür die geeignete Brückenrückbautechnologie fehlt, Ergebnisse produzieren dürfte wie jüngst bei Limburg, wo sich zwei der sechs Pfeiler der gut fünfzig Jahre alten Autobahnbrücke tapfer der Sprengung widersetzten und so den Schiffsverkehr auf der Lahn eine Zeit lang unterbrachen, wie um den alten Antagonismus von Fluss und Brücke ein weiteres Mal zu unterstreichen. So gesehen, ist die von Merkel genutzte Metapher verräterisch.

          Man sollte wohl nicht auf ein schnelles Ende des Verbrennungsmotors setzen, schon gar nicht, wenn man nicht weiß, was folgt: „All the bridges that you burn/Come back one day to haunt you“, warnte die Sängerin Tracy Chapman 1989, und drei Jahre davor vertrat eine gewisse Ingrid Peters Deutschland mit dem Lied „Über die Brücke geh’n“ im europäischen Sängerwettstreit.

          Wer den Titel beherzige, so versprach es der Textdichter Hans Blum, werde nicht nur „andere Menschen versteh’n“ und „hinter die Mauer seh’n“ – ein Hinweis, den man zu diesem Zeitpunkt der deutsch-deutschen Geschichte geradezu als visionär bezeichnen möchte. Nein, er trage auch dazu bei, „das Eis in den Herzen unsrer Welt“ zu schmelzen. Ingrid Peters schnitt damit besser ab als die meisten ihrer Song-Contest-Nachfolger. Für die CDU der Brückenbauerin sieht es derzeit auch nicht schlecht aus.

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