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Merkel in Paris Muttitag

30.10.2009 ·  Blitz-Besuch der Kanzlerin in Paris. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy nehmen ein gutes französisches Essen ein und verabschieden sich an der Kanzlerinnen-Limousine. Was aber befand sich in den Paketen, die zuvor von livriertem Personal in den Kofferraum gepackt worden waren?

Von Edo Reents
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Was war wohl in den Geschenkpaketen drin, die die Bundeskanzlerin bei ihrem Pariser Blitzbesuch noch am Abend ihrer Wiederwahl abgestaubt hat? Schattenhaushaltsgeräte für Mutti? Die Szenerie, eine Mischung aus platonischem Höhlengleichnis und Rudi Carrells laufendem Band, war jedenfalls enorm stimmungsvoll: „Der Hausherr hatte seinen Élysée-Palast in wärmster Abendbeleuchtung erstrahlen lassen“, vermerkte der „Morgenmagazin“-Korrespondent neckisch mit unpolitischer Beschreibungskompetenz.

Dann, nach der Einnahme eines „guten französischen Essens“, kam das „europäische Traumpaar“ heraus aus dem Palast; ihm voraus trug livriertes Personal die erwähnten Pakete und verstaute sie dann hoffentlich ganz vorsichtig im Kofferraum der wartenden Limousine.

Für ein Diamantencollier zu groß

An sich unglaublich peinlich: dass die Geschenke nicht diskret, quasi beim Essen unterm Tisch, ausgehändigt, sondern pompös durch die Gegend getragen werden, so dass jeder sie sieht! Der beabsichtigte Effekt, der auf Großzügigkeit zielt, wird dadurch in sein Gegenteil verkehrt; die Dimension der Geschenke wird schmerzlich sicht- und damit absolut überschaubar, das macht die Sache irgendwie kleinlich. Jedem Schenkenden ist die negative Dialektik zwischen der Größe des Pakets und dem Wert des Inhalts geläufig, und für ein Diamantencollier waren diese Pakete entschieden zu groß.

Andererseits verlieh der Auftritt des nunmehrigen Oppositionsführers Steinmeier, der zur selben Zeit seiner Empörung darüber Ausdruck verlieh, dass Angela Merkel den Paris-Abstecher einer Regierungserklärung so demonstrativ vorzog, der Sache dann doch wieder etwas Glamourös-Ausschweifendes. War es also Champagner, den man da im Kanzlerauto verfrachtete und der ja sicherlich geeignet wäre, den Ärger über die fehlenden, aber zum Glück nicht ausschlaggebenden neun Kanzlerstimmen hinunterzuspülen? Dafür waren die Pakete zu wenig länglich, für einen Fresskorb mit lecker Schinken und allen Schikanen zu kantig. Die Formate lassen eher auf ein schönes Geduldsspiel tippen; das wäre nicht unpassend, denn das Morgenmagazin bezeichnete die Kanzlerin als „taktisch geschickte Europäerin“. Oder war’s eine Batterie mit Chanel No 5? Die dürfte bis zum Ende der Legislaturperiode vorhalten.

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Jahrgang 1965, stellvertretender Leiter des Feuilleton.

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