Allen Menschen, die sich fragen, weshalb ihnen so häufig etwas misslingt im Leben, sei heute die Geschichte von Namik A. erzählt. Namik A. war ein unbescholtener türkischer Restaurantbesitzer aus Berlin, der davon träumte, einmal ein kleines Hotel zu besitzen, bis ihn einer seiner Gäste auf die Idee brachte, in größerem Umfang Kokain nach Deutschland einzuführen. Erst bei seiner Verhaftung erfuhr er, dass es sich bei diesem Gast um einen Vertrauensmann der Berliner Polizei handelte, die anschließend einen der größten Fahndungserfolge der vergangenen Jahre feierte.
Nun wird man sagen, dass Drogenhandel immer eine heikle Sache ist, selbst wenn er von der Polizei nicht eigens organisiert wird. Aber die Gründe für ein Missgeschick liegen ja auch nicht immer so offen auf der Hand. So konnte das Land Berlin beispielsweise ebenso wenig davon ausgehen, dass der Bau eines neuen Großflughafens eine derart komplizierte Angelegenheit sein würde, wie Peer Steinbrück oder Joachim Gauck annehmen durften, dass sich aus einer Veranstaltung bei den Bochumer Stadtwerken einmal ein Problem ergeben könnte.
Singen ins Vertrauensmikro
Auch Christian Wulff wird nicht gedacht haben, dass aus einem Kredit unter Freunden einmal eine öffentliche Sache werden könnte, genauso wie die Kastelruther Spatzen nicht vermuten konnten, dass ihnen das Beschäftigen fremder Musiker für das Singen eigener Lieder einmal als Betrug ausgelegt werden würde. Es war aber so, und wie verschieden die Gründe für die jeweilige Pleite auch sein mögen, eint sie doch die Frage: Wie hat das nur so schiefgehen können?
Es ist natürlich reine Spekulation, aber dem Schicksal des Namik A. nach zu urteilen, wäre es inzwischen gut denkbar, dass es sich bei dem Ingenieur der Brandschutzanlage des neuen Flughafens ebenso um einen Vertrauensmann handelt wie bei dem Angestellten, der für die Stadtwerke Bochum die Politiker einlädt. Ja, womöglich ist Christian Wulff damals genauso in ein Vertrauenshaus gezogen, wie die Kastelruther Spatzen in ein Vertrauensmikro gesungen haben, in der Annahme, sie seien dort sicher aufgenommen. Und was, wenn die Journalistin, die Bettina Wulff beim Schreiben ihres Buches half, eine Vertrauensfrau war so wie Bettina Wulff eine Vertrauensfrau für ihren Mann? Wer sich also fragt, warum ihm die Dinge seines Lebens immer wieder aus dem Ruder laufen, der sollte vielleicht zunächst in seinem Umfeld suchen.
Ärgerlicher Beitrag
Herbert Bielefeld (Herbert1968)
- 06.11.2012, 22:51 Uhr