23.01.2003 · „Mad Mel“ oder Kino-Missionar: Hollywoodstar Mel Gibson möchte dem Publikum die Wahrheit über die Leidensgeschichte Christi erzählen.
Über Monate gab es über das neue Filmprojekt des Hollywoodstars Mel Gibson, eine Verfilmung der Leidensgeschichte Jesu Christi, nur Gerüchte. Nun hat der Oscar-Preisträger erstmals Journalisten an den Dreharbeiten teilhaben lassen: Zwei Reporter des „Time“-Magazins durften ihn am Set in den Cinecitta-Studios in Rom besuchen. Ihr Bericht belegt, dass es sich bei Gibson eben nicht um den Blockbuster-Deppen handelt, für den ihn viele halten, sondern um einen Filmemacher mit nahezu missionarischen Ambitionen.
Den Messias aber spielt Gibson, anders als gelegentlich kolportiert, nicht selbst; mit seinen 47 Jahren wäre er ja auch deutlich zu alt für die Rolle. Gibsons Jesus ist James Caviezel, der bereits als „Graf von Montechristo“ einen Schmerzensmann spielte. Als Jungfrau Maria tritt die Rumänin Maia Morgenstern auf, als Maria Magdalena die Italienerin Monica Bellucci, die ihre Karriere als Dessous-Model begann und als Cleopatra in der jüngsten Asterix-Verfilmung zu sehen war.
Ein tiefes Bedürfnis
Mel Gibsons „The Passion“ gehört in eine andere Kategorie. Dem Regisseur geht es nach eigenen Worten um nichts weniger als die Wahrheit: „Ich möchte wissen, was wirklich passiert ist“, sagt Gibson, der sich ein „tiefes Bedürfnis“ attestiert, „diese Geschichte zu erzählen“.
Dabei will er sich, seinen Schauspielern und den Zuschauern nichts ersparen: „Von den Römern gegeißelt zu werden, war nicht angenehm. Denken Sie an die Kreuzigung - das können Sie nicht verharmlosen.“ Auf die Frage der beiden „Time“-Reporter (einer von ihnen heißt übrigens Jeff Israely), ob der Film Juden verärgern könnte, antwortet Gibson: „Er könnte. Er soll es nicht. Er soll einfach nur die Wahrheit erzählen.“
So authentisch wie möglich
Neben der drastischen Gewaltdarstellung könnte die Zuschauer noch ein weiterer Aspekt irritieren: Der Authentizitätsfanatiker Gibson besteht darauf, dass die Darsteller so deklamieren, wie es vor knapp 2000 Jahren am Ort des Geschehens üblich war: auf lateinisch die römischen Besatzer, die anderen auf aramäisch. Dem beider Sprachen mehrheitlich sicher nicht mächtigen Kinopublikum will Gibson keine Untertitel zum besseren Verständnis liefern: Man solle sich, fordert Gibson, „auf das Visuelle“ konzentrieren. Ganz so wie zu Zeiten des Stummfilms.
Ein Kassenknüller wie Gibsons frühere Werke „Braveheart“, „Mad Max“ oder „Signs“ dürfte „The Passion“, unter diesen Voraussetzungen nicht werden. Einen Verleih für seinen Film, der Ostern 2004 fertiggestellt sein soll, hat Gibson noch nicht gefunden.