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Mehr Kinder in Berlin : Rein in den Schulcontainer

Gegen den demographischen Trend gibt es in Berlin wieder mehr Kinder. Die brauchen Schulen. Allein in Pankow werden bis 2017 sechstausend Plätze fehlen Eine billige Lösung gibt es - und billig sieht sie auch aus.

          Sie fielen nicht vom Himmel, und der Storch hat sie auch nicht gebracht: Trotzdem sind einige tausend kleine Berliner jetzt in die Schule gekommen, ohne dass dort ein Platz für sie reserviert werden konnte. Man rückte also zusammen, ein paar Tische zwischen die anderen, den Hort wieder zum Klassenzimmer gemacht, und auf dem kleinen Spielplatz - die Hauptstadt prahlt gern mit ihrem Ganztagsschulkonzept - wird in Schichten gespielt.

          Besonders in angesagten Berliner Wohnvierteln wie Alt-Mitte oder Pankow ist es sehr eng in den Grundschulen geworden. Das bürgerliche Milieu dieser Viertel ist familienfreundlich, mit zwei, drei und vier Kindern, was jedoch in den Prognosen der Stadtentwickler und der Finanzverwaltung irgendwie verlorengegangen sein muss. Ein demographischer Betriebsunfall der besonderen Art, wahrscheinlich hat man das Gejammer über zu wenige Kinder für eine alternativlose Tatsache gehalten. Wer trotzdem Kinder bekam, lag eben nicht im verinnerlichten demographischen Negativtrend.

          Das bürgerliche Pankow, dessen Bevölkerung in den nächsten zwei Jahrzehnten um mehr als sechzehn Prozent wachsen soll (sagen Bauunternehmer und Prognostiker), hat immerhin dreitausend neue Schulplätze seit 2007 geschaffen. Doch bis 2017 fehlen schon wieder sechstausend Plätze, also etwa zehn große Schulen. In die jetzt schon überfüllten wird man die Kinder nicht stopfen können.

          „Modulare Ergänzungsbauten“

          Pankow ist ein Schuldenbezirk, musste Schulen in den neunziger Jahren aufgeben zwecks besserer Vermarktung als Bürofläche. Zuletzt forderte die Finanzverwaltung dies vor zwei Jahren. Schuldenabbau ist das Mantra des zuständigen Senators.

          Jetzt wird hastig ein Notprogramm gebastelt: Die überzähligen Kinder bekommen Container, das sei billiger als Neubau. Billiger sehen diese im Behördendeutsch „modulare Ergänzungsbauten“ genannten Notschulen auf jeden Fall aus. Wer aber eines der großartigen Schulhäuser betritt, die - zum Glück zahlreich - nach 1900 im damals ebenfalls schnell wachsenden Pankow gebaut wurden, sieht sich mit einer ganz anderen Bildungswelt konfrontiert.

          Aufwendige neogotische oder neoklassizistische, reich dekorierte Treppenhäuser, weite, lichte Flure und schöne Fassaden künden von einem Bildungsideal, das in den Notverordnungen heutiger Stadtplaner keinen Widerhall findet. Das wird sich rächen.

          Regina Mönch

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

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