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Medienskandal in Italien : Spätes Rom, die nächste Folge

  • -Aktualisiert am

Piero Marrazzo Bild: ASSOCIATED PRESS

Transsexuelle Prostituierte und erpressende Carabinieri beenden die politische Karriere von Piero Marrazzo, dem Gouverneur von Latium. Unter Tränen trat er zurück. Italien aber wird schon längst vom Boulevard regiert.

          Wenn ein hochrangiger Politiker transsexuelle Prostituierte frequentiert, ist das in vielen zivilisierten Ländern seine Privatangelegenheit. Im katholischen Italien sieht das anders aus, wie man schon vor zwei Jahren mitbekam, als der damalige Regierungssprecher Sircana auf dem Transenstrich von Rom beim Plausch aus dem Autofenster von einem Paparazzo abgelichtet wurde - und für diese Harmlosigkeit nicht nur mit seiner Familie, sondern auch politisch große Probleme bekam. Für Piero Marrazzo, den mächtigen Gouverneur der Hauptstadtregion Latium, ist seine Karriere als Hoffnungsträger der linken Opposition nun schlagartig beendet, weil er sich bei seinen Besuchen im Prostituiertenmilieu tief in kriminelle Machenschaften verstrickte. Nur kurz nach den Escortgirl-Versammlungen im Haus von Ministerpräsident Berlusconi hat Italien seinen nächsten Medienskandal.

          Marrazzo wurde bei seinen Besuchen in einer Wohnung der nordrömischen Via Gradoli von Carabinieri der Drogenfahndung erkannt; sie drangen heimlich in die Wohnung der aus Brasilien stammenden Prostituierten „Natali“ ein und nahmen mit dem Mobiltelefon einen offenbar kompromittierenden Film auf. Für dieses Material versuchten die vier militärisch vereidigten Spezialpolizisten beim Gouverneur an die hunderttausend Euro zu erpressen. Als das nicht gelang, wandten sie sich - offenbar Fernsehzuschauer mit gutem Gedächtnis - an denselben Fotografen, der vor zwei Jahren mit dem Transsexuellen-Foto des Regierungssprechers Aufsehen erregt hatte. Dieser Max Scarfone brachte das Filmchen bei der Mailänder Agentur „Photo Masi“ unter, die es den wichtigsten italienischen Publikationen zum Kauf anbot.

          Prominente in der Transsexuellenszene

          Hier kommt Silvio Berlusconi ins Spiel, denn nachdem seiner Klatschzeitschrift „Chi“ die kompromittierenden Bilder vorlagen, lehnte seine Mediaset-Gruppe die Publikation ab. Berlusconi, in solchen Dingen inzwischen ein erfahrener Mann, wandte sich letzte Woche sogar am Telefon persönlich an seinen politischen Gegner Marrazzo und warnte ihn vor der Erpressung. Berlusconi, der selbst für den Schutz seines turbulenten Privatlebens ficht, hätte auch schwerlich in seinen Medien einen solchen Skandal ausschlachten können - jedenfalls nicht direkt. Dass seine Sender sonst bei der Verletzung privater Rechte keine moralischen Bedenken kennen, hatte erst vor Tagen eine diffamierende Reportage über einen Richter, der ein Urteil gegen Berlusconi gefällt hatte, unter Beweis gestellt: Der Jurist war heimlich beim Friseurbesuch gefilmt und vom Kommentator wegen seiner Zigaretten und seiner Socken als stilloser Habenichts geschmäht worden.

          Die intimen Bilder von Marrazzo hingegen schienen ohnehin „unpublizierbar“, wie der sonst hartgesottene Chefredakteur des Skandalblattes „Libero“, Maurizio Belpietro, verkündete, nachdem auch ihm ein Exemplar vorgeführt und für zweihunderttausend Euro zum Kauf angeboten worden war.

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