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Medienschau : Internationale Stimmen zur Bereitstellung von Bundeswehr-Truppen

  • Aktualisiert am

Auslands-Einsatz der Bundeswehr Bild: dpa

Europäische Tageszeitungen zum geplanten Bundeswehreinsatz: Die internationale Bedeutung Deutschlands wächst.

          Die Ankündigung des Bundeskanzlers Gerhard Schröder, Deutschland werde 3.900 Soldaten für die Unterstützung der Vereinigten Staaten in ihrem Krieg gegen den Terrorismus bereitstellen, hat auch in den ausländischen Medien ein Echo gefunden.

          Statement und Understatement

          Die französische Tageszeitung "Le Monde" eröffnet ihren im Internet veröffentlichten Beitrag mit der Feststellung, Bundeskanzler Schröder habe erreicht, was er verlangte. Mit der amerikanischen Bitte um Unterstützung werde die neue Bedeutung Deutschlands auf dem internationalen Parkett anerkannt. Unter den Verbündeten Amerikas erhalte Deutschland eine mehr als ehrenwerte Rolle. Mit 3.900 Soldaten, die die Bundeswehr bereitstellen soll, nehme Deutschland den zweiten Platz unter den Partnern ein. Lediglich Großbritannien spiele eine größere Rolle an der Seite Amerikas. "Le Monde" betont, dass Deutschland damit vor Kanada, Australien und Italien rangiere, sogar vor der größten europäischen Militärmacht, Frankreich.

          Allerdings bezweifelt die Zeitung, dass die Bundeswehr den Erfordernissen dieses "neuen Deutschlands" gerecht werden könne. Die Bundeswehr-Führung, aber auch Nato-Partner, sprächen von der Schwäche einer Armee, die noch unter den Folgen einer zwanzigjährigen Vernachlässigung leide. Jetzt wolle Verteidigungsminister Scharping die Bundeswehr zudem verschlanken und modernisieren.

          Bundesaußenminister Fischer, der sich unermüdlich für Friedensverhandlungen im Nahen Osten einsetze, genieße dort allseitiges Vertrauen. Womöglich, schließt "Le Monde", läge das aber auch daran, dass Fischer dem Eindruck einer neuen, stärkeren Rolle Deutschlands stets widerspreche.

          Schwierige Entscheidung, Dilemma der Grünen

          In der Nachricht, die die britische Tageszeitung "The Guardian" auf ihrer Website zum Bundeswehreinsatz veröffentlicht hat, wird hervorgehoben, dass die bevorstehende Entscheidung im Bundestag die Grünen in ein Dilemma führe. Während Angelika Beer, die verteidigungspolitische Sprecherin der Partei, hoffe, die Grünen könnten nach internen Beratungen dem Bundeswehreinsatz zustimmen, hätten sich bereits zehn der 16 Regionalkonferenzen der Partei für eine Unterbrechung der Militärschläge für die Dauer des Fastenmonats Ramadan ausgesprochen.

          Auch um diejenigen Deutschen zu beruhigen, die einen Bundeswehr-Einsatz ablehnten, nach Umfragen 60 Prozent der Bevölkerung, habe Kanzler Schröder von einer schwierigen Entscheidung gesprochen.

          Wer hat zuerst gefragt?

          Dass sich Deutschland nicht etwa um die Teilnahme an militärischen Operationen bemüht habe, sondern von den Vereinigten Staaten um Unterstützung gebeten wurde, betont der "Independent" in seinem Beitrag. Anders als in anderen Ländern, sei man in Deutschland mehr darum besorgt, dass die eigenen Soldaten andere töten könnten, als dass ihnen selbst etwas zustoße.

          Der Beitrag, den "The International Herald Tribune" veröffentlicht, betont hingegen, Deutschland habe - wie im übrigen auch Italien - bereits unmittelbar nach dem 11. September militärische Unterstützung angeboten. Die britische Regierung habe die Amerikaner zudem gedrängt, die von Deutschland und anderen euopäischen Staaten angebotene Hilfe anzunehmen. Washington wolle allerdings eine große Kriegskoalition vermeiden, weil die Abstimmung des Vorgehens mit mehreren Beteiligten umständlich werde.

          Die Briten hätten allerdings argumentiert, eine aktive militärische Beteiligung der europäischen Aliierten würde die internationale Anti-Terror-Koalition stabilisieren und die skeptische Haltung vieler Europäer gegenüber den Militärschlägen bessern können.

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