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Veröffentlicht: 25.03.2016, 09:50 Uhr

Heiliger Franziskus im Ersten Er wollte dem Herrn dienen

An Karfreitag und zu Ostern widmet sich das Erste spätvormittags dem Leben des Franziskus von Assisi. Die Regisseurin Liliana Cavani hat schon den dritten Film über ihn gedreht. Für sie ist der Heilige ein Hippie.

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© Beta Film/ BR Klara (Sara Serraiocco) pflegt den sterbenden Franziskus (Mateusz Kosciukiewicz).

Das muss schon ein exzentrischer Heiliger gewesen sein, dieser Franz von Assisi. Das Erbe seines Vaters, eines reichen Tuchhändlers, schlägt er aus. Er will kein Kaufmann werden. So richtig etwas mit sich anzufangen weiß der junge Mann allerdings auch noch nicht. Er zieht in den Krieg, den Assisi gegen Perugia führt, gerät in Gefangenschaft, kehrt halb verhungert zurück und fasst einen Plan. Er will Ritter werden und für den Papst gegen die Stauffer kämpfen. Doch in diesen Kampf zieht Franziskus nicht. Im Traum hat Gott ihm die Frage gestellt, von wem er Besseres zu erwarten habe – vom Herrn oder vom Knecht? Vom Herrn. Und warum diene er dann dem Knecht?

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Von nun an will Franziskus nur noch Gott dienen und dem Vorbild Jesu folgen, den er noch in dem geringsten seiner Mitmenschen erkennt. Also verschenkt er seine Rüstung und sein Pferd, verteilt die Waren seines Vaters, geht selbst in Lumpen und predigt Armut. Er will die Botschaft Jesu nicht bloß verkünden, er will sie leben. Mit eigenen Händen baut er eine Kirche wieder auf, wie es ihm eine Stimme am Kreuz von San Damiano befahl: „Franziskus, geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät.“

© polyband Trailer: „Sein Name war Franziskus“

Dass mit diesem Haus die ganze katholische Kirche gemeint sein und dieser seltsame Franziskus, der bald eine ganze Jüngerschar um sich versammelt, auch der Baumeister sein könnte, der für eine innere, spirituelle Festigung sorgt, muss auch Papst Innozenz III. aufgegangen sein (der im Film vor allem über seine Magenbeschwerden klagt). Vor ihn trat der Bettelmönch 1209, um seine Gemeinschaft der „Minderen Brüder“ von Rom anerkennen zu lassen. Sich diplomatisch in eigener Sache zu verwenden ist allerdings nicht gerade die Franziskus’ Stärke, dafür hat er Elias von Cortona, einen seiner ersten Mitbrüder, und Kardinal Ugolino, den späteren Papst Gregor IX., zu Fürsprechern.

Bald zieht Franziskus immer weitere Kreise, bis nach Palästina, wo er zwischen den Kreuzfahrern und Sultan Al-Kamil Frieden zu stiften sucht, was misslingt. Zurückgekehrt, muss Franziskus feststellen, dass sich seine Brüder von seinen Ordensregeln verabschiedet haben. Seinem radikalen Beispiel der vollkommenen Selbstverleugnung zu folgen erscheint auch Elias fragwürdig. In dem sogenannten „Armutsstreit“ weiß Franziskus allerdings immer die – wie er schon bald nach ihrem Tod heiliggesprochene – Klara an seiner Seite, die ihre eigene Gemeinschaft der Armen Frauen von San Damiano gründet.

Und schon wieder Franziskus

Dieser Franziskus hat es der italienischen Regisseurin Liliana Cavani angetan. Mit „Sein Name war Franziskus“ hat sie schon den dritten Film über das Leben des Heiligen gedreht. 1966 kam der erste, 1989 der zweite, schlicht „Franziskus“ betitelt, in dem (was man heute kaum glauben mag) Mickey Rourke die Hauptrolle spielte, Helena Bonham Carter war Klara, Hanns Zischler gab den Papst. Nun ist Mateusz Kosciukiewicz als Franziskus zu sehen und spielt ihn in einer Weise, die der Einschätzung der Regisseurin und Drehbuchautorin Liliana Cavani entspricht, Franziskus sei der „erste Hippie in der Geschichte“ gewesen. Der Hippie Franziskus läuft im Film vorzugsweise nicht im Bettelgewand, sondern mit entblößtem Oberkörper herum und vermittelt den Eindruck, dass er selbst nicht ganz genau weiß, was er tut, geschweige denn, warum sich andere Menschen an seinem Beispiel begeistern, alles stehen und liegen lassen und ihm folgen.

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Das drückt Mateusz Kosciukiewicz mit einem Gesichtsausdruck fortwährenden Staunens aus. Die Figuren um ihn herum machen allesamt einen gefestigteren Eindruck: Vinicio Marchioni als Elias, Benjamin Sadler als Kardinal Ugolino, Rutger Hauer als Franziskus’ Vater und vor allem Sara Serraiocco als Klara. Nicht sie folgt ihm, Franziskus folgt Klara in diesem Film von Liliana Cavani, der zumindest in seinem ersten Teil ein vollkommener Etikettenschwindel ist. Er müsste „Ihr Name war Klara“ heißen, nicht „Sein Name war Franziskus“. Bei der Verfilmung von 1989 sah die Rollenverteilung noch etwas anders aus – der aktuelle Zeitgeist, der noch aus jedem historischen Kapitel eine Lektion in Sachen Emanzipation macht, lässt grüßen.

Wo ist nur seine Spiritualität?

Fast bis zum Ende des dreistündigen Epos gewinnt die Figur des Franziskus allenfalls in den Gesprächen Kontur, die Klara und Elias im Rückblick führen. Die Spiritualität dieses Mannes, das buchstäblich leuchtende Beispiel, das er gegeben haben muss, bleibt im Dunkeln. Das geht so weit, dass das Treffen von Franziskus mit dem Sultan (Mehdi Moinzadeh) zu einer Friedenplauderei zwischen zwei Brüdern im Geiste wird. Keine Rede davon, dass Franziskus nicht nur nach Syrien, Ägypten und Palästina gereist war, um den päpstlichen Legaten Pelagius vom Kreuzzug abzubringen, sondern auch, um den Sarazenen das Evangelium zu verkünden.

Von einem Prediger hat dieser Franziskus erst zum Ende des Film etwas, wenn er sich nach langem Ringen dazu aufrafft, die Regeln, nach denen seine Brüder leben sollen, zu formulieren und aufschreiben zu lassen. Da erleben wir ihn zum ersten Mal mit so etwas wie heiliger Bestimmtheit, auch innerlich zerrissen vor Verzweiflung und schließlich beseelt von einer Liebe zu Gott, die nicht nur filmisch schwer nachzuvollziehen ist.

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