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„Mord in bester Gesellschaft“ : Psycho ist, wenn man trotzdem lacht

  • -Aktualisiert am

m Blaulichtviertel: Kommissar Becker (Wayne Carpendale, links) hält mitunter große Stücke auf Dr. Wendelin Winter (Fritz Wepper). Bild: ARD Degeto/Kerstin Stelter

In der Rolle des Seelendoktors und Hobby-Kriminalisten Wendelin Winter hat Fritz Wepper das Gemütlichkeitsfernsehen geprägt. Nun läuft die letzte Folge. Die Trauerbewältigung fällt leicht.

          Bereits vor einem Jahrzehnt drängelten sich so viele Ermittler auf deutschen Bildschirmen, dass das Verbrechen kaum hinterherkam mit der Leichenproduktion. Um ein wenig Varianz in den großen Krimi-Eintopf zu bringen, nahm man sich den Psychological Turn in der amerikanischen Fernsehunterhaltung zum Vorbild – „Profiler“, „Criminal Minds“, „Law & Order: Criminal Intent“, „The Mentalist“, „Lie to Me“, jenseits des Kriminalistischen „Sopranos“, „Frasier“, „In Treatment“ oder kess verdreht „Dexter“ – und requirierte reihenweise Psychologen, Psychiater und Forensiker für den deutschen Fernsehpolizeidienst. Das führte zu einigen ansehnlichen Ergebnissen, wenn etwa Heino Ferch („Spuren des Bösen“) oder Ulrich Noethen („Neben der Spur“) den dunklen Seelengrund von Psychopathen umpflügen.

          Daneben aber gibt es noch den Hobby-Detektiv Dr. Wendelin Winter, einen wandelnden Psychologenwitz mit der Aura einer durchgesessenen Couch, der seit dem Jahr 2007 so einfühlsam wie ein Nilpferd der Münchner Polizei in die Arbeit pfuscht und nun endlich das Pensionsalter erreicht hat. Der Hauptanreiz der Serie „Mord in bester Gesellschaft“, die reißbrettartige Kriminalfälle mit schaler Alltagskomik kombiniert und nach dieser letzten Folge eingestellt wird, besteht seit je darin, dass es sich um ein doppeltes Familienunternehmen handelt: Fritz Wepper und seine Tochter Sophie spielen leidlich überzeugend ein Vater-Tochter-Gespann mit vermeintlich typischen Vater-Tochter-Problemen. Dass Fritz Wepper seine beiden Lebensrollen als wortkarger „Derrick“-Assistent und als knuffiger Mephisto aus „Um Himmels Willen“ unrettbar anhaften, war kein größeres Problem für die Serie, denn zumindest die ersten zehn Folgen aus der Feder von Rolf-René Schneider lassen sich trotz dröger Krimihandlungen problemlos zur Schmunzelunterhaltung rechnen.

          Sie haben sich was zu sagen: Wendelin Winter (Fritz Wepper) und Staatsanwältin Sabine Karmann (Charlotte Schwab).
          Sie haben sich was zu sagen: Wendelin Winter (Fritz Wepper) und Staatsanwältin Sabine Karmann (Charlotte Schwab). : Bild: ARD Degeto/Kerstin Stelter

          Vor drei Jahren versuchte man dann einen kleinen Neustart, verlieh den Episoden etwas mehr Düsternis und Pep, wollte aber die Generation „Traumschiff“ nicht verstören, weshalb man Wayne Carpendale mit seinem bewährten Schwiegersohn-Charme und Hello-Again-Faktor eine Rolle als Kommissar und Tochter-Umgarner auf den Leib schneiderte: noch mehr Familie also, zumal Spürnase Winter seine Freizeit gern mit der Quasi-Vorgesetzten Staatsanwältin Karmann (Charlotte Schwab) vertändelt, die ihm angesichts mehrerer Zackbumm-Ohnmachten nun das Versprechen abnimmt, künftig die Füße hochzulegen. Zuvor aber muss natürlich noch dieser verzwickte letzte Fall mit dem schweigenden Jungen (Nico Marischka) gelöst werden. Dieser hat vermutlich den Mord an seinem Vater beobachtet und soll von Winter turbotherapiert werden. Er schwebt in Lebensgefahr, nachdem die seit einigen Folgen als bloggende Pseudo-Journalistin nervende Alexandra Winter das Polizeigeheimnis im Netz ausgeplaudert hat. Und zwar weil: die Klickzahlen. Kennt man ja.

          Das Drehbuch von Maja und Wolfgang Brandstetter sieht einige Klischeeverdächtige vor, darunter einen Konkurrenten (Alexander Held) des Ermordeten, einen missgünstigen Bruder (Till Firit) sowie eine verleumdete Exfrau (Anne Schäfer), die schlimme Bilder malt und mit „Die Verleumdete“ signiert. Psychiater Winter analysiert derweil Kinderzeichnungen: Kein Vater drauf, da stimmt doch was nicht! Das ist alles dermaßen uninteressant, dass nicht einmal das frühe Erahnen der Auflösung großartig stört. Ernüchternd hingegen muss das schauspielerische Niveau genannt werden. Alle Figuren haben ein massives Glaubwürdigkeitsproblem.

          Lediglich Dienst nach Vorschrift leisten auch Regisseur Peter Stauch und Kameramann Felix Cramer, die abgesehen von wenigen Gruseltricks (anschwellende Musik, knarrende Türen, huschende Schatten) gern betuliche Porträtaufnahmen vor unscharf bräunlichem Hintergrund inszenieren: der visuelle Enkeltrick. Da fühlt man sich gleich dahoam. Bis hinein in eine seltsam unmotivierte Szene in einem Münchner Schwulenclub, in dem man offenbar immer noch zu „Moaner“ von Underworld tanzt, wirkt das lustlos und gestrig. Und wirklich brennend interessant ist es auch nicht, ob das verstörte Huhn und der als Polizist verkleidete „Landarzt“ sich noch bekommen oder nicht. Das Beste am Winter ist nun einmal, dass er irgendwann aufhört. Leg los, Frühling!

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