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„Enthüllungen“ über Günter Wallraff : Wie man eine Geschichte schnell erhitzt

Günter Wallraff legt sich gerne mit großen Konzernen an. Das sorgt stets für Furore. Bild: Getty Images

Günter Wallraff hat bei RTL kritisch über Burger King berichtet. Ist er deshalb, wie der „Spiegel“ insinuiert, ein PR-Mann von McDonald’s?

          Eine Enthüllungsgeschichte über einen Enthüller - das ist eine Story mit Würze. Vor allem, wenn man von einem „faden Beigeschmack“ schreiben kann, der sich mit dem Engagement des Betreffenden verbinde. Doch es ist anders herum: Einen faden Beigeschmack hat die Geschichte, mit welcher der „Spiegel“ dem Journalisten Günter Wallraff jetzt auf die Pelle rückt. Der Tenor: Wallraff berichtet kritisch über Burger King, genauer gesagt, über einen Franchisenehmer der Grill-Kette, hat sich aber von McDonald’s bezahlen lassen. Klingt gut? Klingt eindeutig? Weder noch - es passt nur zusammen auf dem Wege der Insinuation.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Günter Wallraff hat mit seinem Rechercheteam von RTL Burger King zuletzt ziemlich zugesetzt. Da geht es um ein Franchiseunternehmen von Burger King, die Yi-Ko-Holding, über die auch schon andere kritisch berichtet hatten - mit Blick auf angeblich bedenkliche hygienische Zustände in den Gaststätten und vor allem mit Blick auf den mutmaßlich rüden Umgang mit Angestellten. 91 Burger-King-Filialen betreibt die Yi-Ko in Deutschland, mit rund dreitausend Mitarbeitern.

          Der Konzern reagierte

          Dort ging es nach den Berichten, die Wallraff und seine Truppe bei RTL zeigten, drunter und drüber und - der Konzern reagierte. Am Wochenende wurde das Management der Yi-Ko ausgetauscht. Man habe sich gemeinsam darauf verständigt, dass der Geschäftsführer Ergün Yildiz von seinem Posten zurücktrete. Es gibt eine neue Geschäftsführerin, die aus dem Burger-King-Konzern kommt, einen neuen kaufmännischen Leiter und eine „enge“ Zusammenarbeit mit der deutschen Burger-King-Zentrale, „um sofortige und signifikante Veränderungen in den Yi-Ko-Restaurants zu bewirken“, wie es in einer Erklärung heißt. Die Veränderungen nehme man vor „nach Auswertung der umfassenden Audits“, die man nach der Fernsehberichterstattung in den Yi-Ko-Restaurants durchgeführt habe.

          „Wir bedauern zutiefst, das Vertrauen unserer Gäste enttäuscht zu haben, und werden alles tun, um ihr Vertrauen zurückzugewinnen“, sagte der Geschäftsführer der Burger King Beteiligungs-GmbH, Andreas Bork. Das Ziel sei es, „die operativen Missstände sofort zu beseitigen“. Das nennt man einen Wirkungstreffer, der Fastfood-Konzern geht fast forward, Tempo dürfte auch vonnöten sein, damit auch weiterhin fleißig Buletten in weichen Brötchen gefuttert werden.

          Kein Mann für die PR von McDonald's

          Das alles vollzieht sich dieser Tage - im Mai 2014. Im Mai 2010 hat Günter Wallraff, mit dem diese Geschichte verbunden ist, sich mit Mitarbeitern von McDonald’s und dem Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) getroffen, um über die Beschäftigungsverhältnisse bei dem anderen großen Bulettenbrater zu sprechen. Er bekam dafür ein Honorar von 5000 Euro, das aber nicht an ihn, sondern seine Stiftung ging. Ebenso verhielt es sich mit den 3000 Euro, die er für einen Vortrag erhielt. Für ein Video, das internen Zwecken dienen sollte, dann aber nicht zum Einsatz kam, gab es wiederum 5000 Euro - die ebenfalls nicht an Wallraff persönlich gingen, sondern an die wegen ihrer Kritik gekündigte Betriebsrätin einer Großbäckerei, über die Wallraff zwischenzeitlich berichtet hatte - auch bei dieser Recherche ging es um mutmaßlich prekäre Arbeitsbedingungen, unter anderem um Verbrennungen, die Mitarbeiter der Bäckerei aufgrund fehlender Schutzmaßnahmen erlitten haben sollen. Dieser Fall ging später vor Gericht, wo der Großbäcker aber freigesprochen wurde.

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