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Zum Tode von Vivi Bach : Die kluge Schönheit

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Anfang der siebziger Jahre ist sie zur Leitfigur der verspäteten Weltoffenheit der Bundesrepublik und der Gleichberechtigung deutscher Frauen geworden: Zum Tode der Sängerin und Moderatorin Vivi Bach.

          Wie soll man die Ausstrahlung der Vivi Bach heute beschreiben? Geht es um ihre phänomenale Fernsehpräsenz, die zwischen 1969 und 1972 in der legendären Samstagabend-Show „Wünsch Dir was“ ihren Höhepunkt erreichte, könnte man auf Michelle Hunziker verweisen. Vergleichbar schön und wie Vivi Bach mit einem untilgbaren Akzent, den Deutsche als sympathisch empfinden, strahlte Hunziker in „Wetten, dass ..?“ eine ähnlich zwischen Erotik und Intelligenz schillernde Weiblichkeit aus.

          Michelle Hunziker durfte nur glänzen, wenn Großmeister Gottschalk einen schlechten Moment hatte. Vivi Bach konnte sich an der Seite ihres Ehemanns Dietmar Schönherr frei entfalten. So begann, was sie später als Malerin, Kinderbuchautorin und Koregisseurin bei Theatertourneen zu ihrer eigentlichen Tätigkeit machte.

          Von einer „dänischen Bardot“ zur Künstlerin

          Dass Vivi Bach meist in einem Atemzug mit Dietmar Schönherr genannt wurde, war nahezu unvermeidlich. Denn nur er, der renommierte Schauspieler und respektierte Talkmaster, konnte seiner Frau den Weg von einer „dänischen Bardot“ zur Künstlerin bahnen. Dabei hatte ihre Heimat Dänemark sie keineswegs nur als, wie man damals sagte, „Sexbiene“ wahrgenommen.

          Ihre Karriere begann die Gymnasiastin Bak als Sängerin in den Jazzkellern Kopenhagens, nahm nach Gesangs- und Schauspielunterricht ein Angebot als Tourneesängerin an und erhielt für erste kleine Theaterrollen wohlwollende Kritiken.

          Zur Harmlosigkeit verurteilt

          Deutsche Produzenten, auf der Suche nach weiteren blonden und einigermaßen singen könnenden Schönheiten, die, wie Bibi Johns, Siw Malmkvist oder Anita Lindblom, als „Skandinavien-Export“ die Umsätze deutscher Plattenfirmen erhöhten, holten Vivi Bach nach Deutschland. 1959 stand sie neben Hans-Joachim Kulenkampff in der seichten Komödie „Immer die Mädchen“ erstmals vor einer deutschen Filmkamera.

          Sage und schreibe 45 Filme überwiegend desselben biederen Formats folgten; dazu zahllose Platten, oft als Duettpartnerin von ebenfalls zu Harmlosigkeit verurteilten Sängern wie Rex Gildo, Fred Bertelmann, Bill Ramsey oder Gus Backus.

          Kulleraugen und Verstand schließen sich nicht aus

          Mit „Wünsch Dir was“ hatte sich Vivi Bach freigeschwommen und war, vom damaligen Publikum unbemerkt, zur Leitfigur der verspäteten Weltoffenheit der Bundesrepublik und der Gleichberechtigung deutscher Frauen geworden, Kronzeugin dafür, dass hinter Lolita-Kulleraugen ein Verstand stecken kann und ein üppiges Dekolleté nicht zwangsläufig Intellekt ausschließen muss.

          Ohne Bedauern zog sie sich Ende der siebziger Jahre zurück und wandte sich ihren Passionen sowie den zahlreichen sozialen Stiftungen zu, die sie und ihr Mann ins Leben gerufen hatten. Am Montag ist Vivi Bach im Alter von 73 Jahren gestorben.

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