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Zum Tod von Wolfgang Menge Der Fernsehriese

 ·  Er hat als Autor das Medium Fernsehen in Deutschland geprägt wie kaum ein Zweiter. Von ihm stammt unter anderem die Serie „Ein Herz und eine Seele“ und das „Millionenspiel“, er hat „3 nach neun“ mitgegründet: Zum Tod von Wolfgang Menge.

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Der Fernsehautor Wolfgang Menge ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Das sagte ein Sprecher der Familie am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Menge sei am Mittwoch im Kreis seiner Familie in einem Berliner Krankenhaus gestorben.

Menge begeisterte das Fernsehpublikum durch TV-Serien wie „Ein Herz und eine Seele“ mit der von ihm erfundenen Figur Ekel Alfred oder durch das visionäre Spektakel „Das Millionenspiel“.

Wolfgang Menge wurde am 10. April 1924 in Berlin geboren. Sein Vater war Studienrat, wandte sich aber später einem anderen Beruf zu, seine Mutter stammte aus Rumänien.

Menge legte während des Krieges das Abitur ab und wurde anschließend, trotz seiner jüdischen Mutter, zum Kriegsdienst einberufen. Nach dem Krieg wandte er sich zunächst dem Journalismus zu und absolvierte ein Volontariat beim German News Service, dem Vorläufer der Deutschen Presse Agentur.

Journalistischer Beginn

Nach seinem Volontariat wurde Menge Assistent bei einem Korrespondenten in London. Ab Jan. 1949 war er Reporter beim neu gegründeten „Hamburger Abendblatt“. Ab 1954 war er Korrespondent der „Welt“ in Ostasien, mit Sitz in Tokio und Hongkong, und reiste als erster Reporter aus der Bundesrepublik mit der transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau.

Bereits als Journalist legte Menge erste Arbeiten für Rundfunk und Fernsehen vor, in denen er seine besondere Begabung bewies, politische Zeitprobleme auf dem Wege spannender Unterhaltung bewusst zu machen. Unter anderem schrieb er Anfang der 50er Jahre für den NWDR-Hörfunk die Dialog-Serie „Adrian und Alexander“, aus der später im Fernsehen die Serie „Hallo Nachbarn“ entwickelt wurde.

Außerdem schrieb er die Drehbücher zu den Filmen „Strafbataillon 999“, „Polizeirevier Davidswache“, „Ich bin ein Elefant, Madame“ und „Villa Tannenberg“. Erste Fernseherfolge hatte er mit Fernsehspielen wie „Zeitvertreib“, „Eines schönen Tages“, „Verhör am Nachmittag“, „Der Deutsche Meister“ und mit Drehbüchern zur Krimi-Serie „Stahlnetz“.

Gute Kritiken erhielten insbesondere sein Fernsehspiel „Die Dubrow-Krise“ über die Auswirkungen einer deutsch-deutschen Grenzbegradigung und seine beklemmend realistische Fernseh-Parodie auf die menschenverachtende Sensationsgier „Millionenspiel“ (1970).

Zollfahnder Kressin

Im Dokumentarspiel „Smog“ (1973) thematisierte er die Folgen einer Umweltkatastrophe, als die Umweltbewegung noch keine große Rolle spielte, und in „Grüß Gott, ich komm von drüben“ setzte er sich satirisch mit der DDR-Planwirtschaft auseinander. Menge schrieb mehrere Beiträge für die Krimi-Serie „Tatort“, für die er auch die Figur des Zollfahnders Kressin entwickelte.

Er war Mitbegründer der erfolgreichen Bremer Talkshow „III nach neun“ und gehörte von 1974 bis 1982 (und dann noch einmal 1988) zu deren Moderatorenteam. Sein bisher wohl größter Erfolg war die Polit-Satire um den Spießbürger und Sozi-Hasser Alfred Tetzlaff (gespielt von Heinz Schubert) „Ein Herz und eine Seele“, die zunächst nur in den Dritten Programmen lief, Ende 1973 dann aber auch ins erste ARD-Programm übernommen wurde. Bis heute wird die „Ekel-Alfred“-Serie mit ihren zahlosen Wiederholungen zu den größten TV-Hits gerechnet.

1983 drehte der WDR einen Fünfteiler Menges über den Alltag in Preußen im 18. Jahrhundert., der ab März 1984 unter dem Titel „So lebten sie alle Tage“ im Fernsehen (ARD) zu sehen war, und auch sein Fernsehspiel „Kennwort Möwe“ (1986), in dessen Mittelpunkt eine fiktive Flugzeugentführung und ihre Beendigung bei konkurrierendem Verhalten von Polizei und ministeriellem Sonderstab stand, erntete Aufmerksamkeit.

Ende der Unschuld

Zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 präsentierte der Erfolgsautor den zweiteiligen ARD-Film „Reichshauptstadt privat“, eine Geschichte des Berliner Alltagslebens der Jahre 1938 bis 1944.

Obgleich Menge 1991 mit dem Epos „Meine Ahnen - Deine Ahnen“ auch erfolgreich als Romanautor debütiert hatte, widmete er sich weiter dem Drehbuchschreiben, so etwa für den zweiteiligen Fernsehfilm „Ende der Unschuld“ (WDR/ARD, 1991), der den vergeblichen Versuch der Pioniere der deutschen Atomphysik (Otto Hahn, Werner Heisenberg, Carl Friedrich von Weizsäcker und anderen) rekapituliert, gegen Ende der nationalsozialistischen Herrschaft eine deutsche Atombombe zu bauen.

Mit „Negerküsse“ (WDR/ARD, 1992), einer bissigen Komödie um das Verhältnis von Erster Welt zur Dritten Welt, demonstrierte Menge erneut sein satirisches Talent. Für heftige Kontroversen sorgte dann 1993 die Satire-Serie „Motzki“ über einen Berliner Frührentner, der wöchentlich im ARD-Abendprogramm seine Ossi-Vorurteile gegenüber seiner aus der Ex-DDR stammenden Schwägerin verbreiten durfte.

Als eine Art „Schocktherapie“ im schwierigen Prozess der deutsch-deutschen Annäherung von Menge und der Sendeanstalt gedacht, löste die Serie jedoch manche Proteste vor allem unter Zuschauern in den alten Bundesländern aus, während sie sich im Osten als sehr erfolgreich erwies. Medienkommentatoren vermissten allerdings den Humor, den die Ekel-Alfred-Reihe noch auszeichnete. Trotz guter Einschaltquoten wurde nach der 13. und letzten Folge von einer Fortsetzung des „Motzki“ abgesehen.

Zahlreiche Ehrungen

Den Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin verarbeitete Menge satirisch in der Komödie „Spreebogen“ (1994), bevor er sich an eine Neuauflage von „Ekel-Alfred“ wagte. Schauspieler Jaecki Schwarz trat als Arnold Tetzlaff die Nachfolge des legendären TV-Nörglers Alfred Tetzlaff an und war ab Frühjahr 1998 in der reaktivierten Familienserie, nun unter dem Titel „Das Wort zum Sonntag“, Freitagabend in der ARD zu erleben, wo er in altbekannter Spießermanier, mit seiner Frau Edith (gespielt von Rotraut Schindler) an der Seite, über aktuelle politische Probleme und den modernen Zeitgeist herziehen durfte.

Im April 2000 wurde Menge,, in der Vergangenheit bereits mit namhaften Preisen geehrt, mit dem Schillerpreis der Stadt Mannheim ausgezeichnet. „Wolfgang Menge ist ein homo politicus, der es versteht, unzeitgemäße Themen einem großen Publikum auf unterhaltsame Weise nahe zu bringen“, hieß es in der Laudatio anlässlich der Preisverleihung. Menges letztes Drehbuch befasste sich mit dem Leben der von ihrem Lebensgefährten Gert Bastian mit in den Tod genommenen Grünen-Politikerin Petra Kelly, das 2001 vom WDR unter dem Titel „Eine tödliche Liebe“ verfilmt wurde.

Im Oktober 2002 wurde Wolfgang Menge wird mit dem Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk geehrt. Die Jury würdigt damit seine realitätsnahen wie visionären Geschichten, mit denen er das deutsche Fernsehen wie kein anderer geprägt habe.

Das letzte Lebensjahrzehnt verbrachte der von mehreren Schlaganfällen heimgesuchte Autor in zurückgezogener Privatheit.

Quelle: FAZ.NET mit dpa und der Personen-Datenbank des Munzinger Archivs
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