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Zum Tod von Wolfgang Menge : Der Fernsehriese

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Wolfgang Menge, 10. April 1924 bis 17. Oktober 2012 Bild: dpa

Er hat als Autor das Medium Fernsehen in Deutschland geprägt wie kaum ein Zweiter. Von ihm stammt unter anderem die Serie „Ein Herz und eine Seele“ und das „Millionenspiel“, er hat „3 nach neun“ mitgegründet: Zum Tod von Wolfgang Menge.

          Der Fernsehautor Wolfgang Menge ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Das sagte ein Sprecher der Familie am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Menge sei am Mittwoch im Kreis seiner Familie in einem Berliner Krankenhaus gestorben.

          Menge begeisterte das Fernsehpublikum durch TV-Serien wie „Ein Herz und eine Seele“ mit der von ihm erfundenen Figur Ekel Alfred oder durch das visionäre Spektakel „Das Millionenspiel“.

          Wolfgang Menge wurde am 10. April 1924 in Berlin geboren. Sein Vater war Studienrat, wandte sich aber später einem anderen Beruf zu, seine Mutter stammte aus Rumänien.

          Menge legte während des Krieges das Abitur ab und wurde anschließend, trotz seiner jüdischen Mutter, zum Kriegsdienst einberufen. Nach dem Krieg wandte er sich zunächst dem Journalismus zu und absolvierte ein Volontariat beim German News Service, dem Vorläufer der Deutschen Presse Agentur.

          Journalistischer Beginn

          Nach seinem Volontariat wurde Menge Assistent bei einem Korrespondenten in London. Ab Jan. 1949 war er Reporter beim neu gegründeten „Hamburger Abendblatt“. Ab 1954 war er Korrespondent der „Welt“ in Ostasien, mit Sitz in Tokio und Hongkong, und reiste als erster Reporter aus der Bundesrepublik mit der transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau.

          Bereits als Journalist legte Menge erste Arbeiten für Rundfunk und Fernsehen vor, in denen er seine besondere Begabung bewies, politische Zeitprobleme auf dem Wege spannender Unterhaltung bewusst zu machen. Unter anderem schrieb er Anfang der 50er Jahre für den NWDR-Hörfunk die Dialog-Serie „Adrian und Alexander“, aus der später im Fernsehen die Serie „Hallo Nachbarn“ entwickelt wurde.

          Außerdem schrieb er die Drehbücher zu den Filmen „Strafbataillon 999“, „Polizeirevier Davidswache“, „Ich bin ein Elefant, Madame“ und „Villa Tannenberg“. Erste Fernseherfolge hatte er mit Fernsehspielen wie „Zeitvertreib“, „Eines schönen Tages“, „Verhör am Nachmittag“, „Der Deutsche Meister“ und mit Drehbüchern zur Krimi-Serie „Stahlnetz“.

          Gute Kritiken erhielten insbesondere sein Fernsehspiel „Die Dubrow-Krise“ über die Auswirkungen einer deutsch-deutschen Grenzbegradigung und seine beklemmend realistische Fernseh-Parodie auf die menschenverachtende Sensationsgier „Millionenspiel“ (1970).

          Zollfahnder Kressin

          Im Dokumentarspiel „Smog“ (1973) thematisierte er die Folgen einer Umweltkatastrophe, als die Umweltbewegung noch keine große Rolle spielte, und in „Grüß Gott, ich komm von drüben“ setzte er sich satirisch mit der DDR-Planwirtschaft auseinander. Menge schrieb mehrere Beiträge für die Krimi-Serie „Tatort“, für die er auch die Figur des Zollfahnders Kressin entwickelte.

          Er war Mitbegründer der erfolgreichen Bremer Talkshow „III nach neun“ und gehörte von 1974 bis 1982 (und dann noch einmal 1988) zu deren Moderatorenteam. Sein bisher wohl größter Erfolg war die Polit-Satire um den Spießbürger und Sozi-Hasser Alfred Tetzlaff (gespielt von Heinz Schubert) „Ein Herz und eine Seele“, die zunächst nur in den Dritten Programmen lief, Ende 1973 dann aber auch ins erste ARD-Programm übernommen wurde. Bis heute wird die „Ekel-Alfred“-Serie mit ihren zahlosen Wiederholungen zu den größten TV-Hits gerechnet.

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