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Zum Tod von Horst Königstein Der Alleskönner des Fernsehens

 ·  Er hat, zusammen mit Heinrich Breloer, ein Fernsehgenre erfunden: das Doku-Drama. Vierzig Jahre lang, keines davon langweilig, hat er als Redakteur im NDR Epoche gemacht: Ein Nachruf auf Horst Königstein.

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© dpa Vergrößern Horst Königstein (26. Juli 1945 bis 12. Mai 2013)

Fernsehredakteur, Drehbuchautor, Regisseur: seine drei Hauptberufe charakterisieren Horst Königstein so korrekt wie völlig unzulänglich. Auch die rühmenden Attribute, die man seiner Arbeit sehr zu Recht beimaß - „innovativ“, „grandios“, gar „genial“ - erfassen seine Eigenart lediglich an der Oberfläche. Horst Königstein, dieser so nüchterne Norddeutsche, war im Grunde seiner Seele ein von den Nachkriegsjahren geprägter Tausendsassa und, rein handwerklich betrachtet, ein Alleskönner seines Metiers. Und ein richtiger „Dr. phil.“ war er auch: „Bausteine einer emanzipatorischen Medienpädagogik“ hieß die Arbeit, mit der ihn die Hamburger Uni 1975 promovierte.

Bereits deren Titel kennzeichnet ihn auch als einen Achtundsechziger - allerdings war sein Revoltieren weniger politisch als lebensweltlich grundiert. Beat, Rock und Pop, dazu Kino: das waren die Kontinente, die es für ihn zu erforschen und zu erobern galt.

„Schlaumann trifft Straßenwissenschaftler“

Also schrieb der wenige Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Bremen geborene Königstein schon als Schüler Filmkritiken und jobbte als Platzanweiser, also mischte er als juveniler DJ bei Radio Bremen sein Publikum auf, also schrieb er, inzwischen so weit wie möglich erwachsen geworden und durch seinen bürgerlichen Beruf auch so weit wie nötig seriös, Texte etwa für Udo Lindenberg - „Schlaumann trifft Straßenwissenschaftler“, sagte Letzterer über ihr beider Verhältnis -, übersetzte die Songs von Peter Gabriel oder schaute interessiert (mithin eher passiv) zu, wie Dennis Hopper die Alkoholvorräte seiner Hamburger Wohnung leerte und ihm dabei das ganze Leben erzählte.

Den seriösen Beruf als NDR-Redakteur für, wie man das anstaltsadäquat nannte, „Sonderprojekte im Bereich Fernsehspiel, Unterhaltung und Serien“ übte er von 1970 an vier Jahrzehnte lang aus. Der emanzipatorische Medienpädagoge wurde darüber zum erfindungsreichen Mediengeneralisten.

Seine größte Erfindung machte er dabei nicht als Solist, sondern als gleichrangiger Teil eines der berühmtesten Duos des deutschen Fernsehens: Gemeinsam mit dem drei Jahre älteren Heinrich Breloer dachte er sich ein ganz neues Genre aus, das „Doku-Drama“. Von „Das Beil von Wandsbek“ (1982) über „Die Manns - Ein Jahrhundertroman“ (2001) bis zu „Speer und Er“ (2005) setzten die beiden selbst auch die Maßstäbe und lieferten - Königstein als Drehbuchautor, Breloer als Regisseur - die Höhepunkte dieser genuinen Erzählform des Bildschirms.

Aber auch als Dokumentar-Regisseur aus eigenem Recht erregte er nicht wenig Aufsehen: „Jud Süß - Ein Film als Verbrechen“ (2001) und „Die Treuhänderin - Ein Porträt der Birgit Breuel“ sind inhaltlich wie ästhetisch Musterbeispiele der Gattung. Schon vor seiner Pensionierung hatte Horst Königstein immer wieder mit einer schweren Krankheit zu kämpfen. Ihr ist er nun im Alter von siebenundsechzig Jahren erlegen. Viel zu früh dieser Verlust.

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