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Zum Tod des New-York-Times-Verlegers Arthur Sulzberger Ein Triumph der Vetternwirtschaft

 ·  Er stellte die Lügen der Regierung Nixon über den Vietnamkrieg bloß und machte aus einer eher lokal ausgerichteten Zeitung ein unentbehrliches Informationsmedium: Zum Tod Arthur Sulzbergers, des legendären Verlegers der „New York Times“.

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Präsident Obama rühmte ihn jetzt als Mann, der fest an die Bedeutung einer freien, und unabhängigen Presse glaubte und sich nicht davor fürchtete, die Wahrheit herauszufinden, die Mächtigen zur Verantwortung zu ziehen und die Geschichten zu erzählen, die erzählt werden müssen.

Was da verdächtig nach einer schablonenhaften Würdigung klang, bezog sich direkt auch auf eine journalistische Heldentat. Widerpart von Arthur Ochs Sulzberger, dem Verleger und Herausgeber der New York Times, war damals ebenjene Staatsmacht, die Obama nun innehält. Sulzberger hatte sich 1971 entschlossen, die Lügen der Regierung Nixon über den Vietnamkrieg durch die Veröffentlichung der sogenannten Pentagonpapiere, von Geheimakten zur Kriegsführung, bloßzustellen. Während das Weiße Haus ihn des Landesverrats bezichtigte, sah das Verfassungsgericht darin keinen Verstoß gegen bestehende Gesetze. Es war nicht das erste Mal, dass Sulzberger den Kampf für die Pressefreiheit aufnahm und bei den neun Oberrichtern auf offene Ohren stieß. Sieben Jahre zuvor sprachen sie ihm im Fall „Times gegen Sullivan“ das Recht zu, Personen von öffentlichem Rang auch sehr scharfer Kritik zu unterziehen.

Sulzberger war sich wohl bewusst, dass eine Zeitung, die solche Gefechte nicht scheuen und eine tragende Rolle im Leben der Nation spielen wollte, auf wirtschaftlich solider Basis stehen musste. Als er die Times 1963 von seinem Vater übernahm und damit eine bis ins neunzehnte Jahrhundert zurückreichende Familientradition fortsetzte, befand sich das Blatt, das sich hauptsächlich noch an eine lokale Leserschaft richtete, finanziell in heiklem Zustand. Über die nächsten drei Jahrzehnte verwandelte er eine angesehene Zeitung in ein unentbehrliches Informationsmedium, eingebettet in ein Großunternehmen, dessen multimediale Aktivitäten Fernseh- und Radiosender ebenso umfassten wie Zeitungen und Zeitschriften und schließlich auch ihre digitalen Ergänzungen und Nachfolger. Selbst in Krisenzeiten blies er nicht zum Rückzug, sondern baute im Gegenteil noch, wie in den siebziger Jahren, auf der Suche nach neuen Leserschichten das Angebot aus, bis den Nachrichtenkern eine Fülle von bunten, unterhaltsamen, aber auch lehrreichen Beilagen ergänzte. Der Erfolg damit rief unzählige Nachahmer auf den Plan und setzte zeitungsmacherisch schwer erreichbare Maßstäbe.

Wer hätte ihm zugetraut, seine Karriere als Legende zu beenden?

Wird die New York Times Company inzwischen auch an der Börse gehandelt, bleibt sie nach wie vor unter Familienkontrolle. „Vetternwirtschaft funktioniert“, erklärte Sulzberger einmal nicht ganz im Scherz, ging aber mit seiner ererbten Macht vorsichtig um und mischte sich in der Regel nicht in die Arbeit der Redaktion ein. Sein rein journalistisches Vorleben war eher unauffällig. Punch, wie er in der Familie nach einer Kinderpuppe genannt wurde, nahm die Eliteschulen, die er standesgemäß besuchte, nicht sonderlich ernst und zog es im Zweiten Weltkrieg vor, sein Studium bei den Marines weiterzuführen. Bei ihnen, versicherte er im Rückblick, sei er aufgewacht, aber die Zeit danach, die er als Journalist und Korrespondent in London, Paris und Rom verbrachte, nutzte er nicht gerade, um sich zu profilieren.

Die Überraschung war darum groß, als er im Alter von siebenunddreißig Jahren zum Herausgeber ernannt wurde, dem jüngsten in der Geschichte des Blatts. Niemand hätte ihm in jenen Tagen zugetraut, seine Karriere als Legende zu beenden und seinem Sohn unter dem Schutzdach eines Medienimperiums eine Zeitung zu überlassen, die im Land bis heute keine ernsthaften Rivalen hat und die elektronische Revolution nutzt, immer mehr als globales Nachrichtenmedium wahrgenommen zu werden. Arthur Ochs Sulzberger, der Verleger, der das alles in die Wege geleitet hat, ist am Samstag in seinem Haus auf Long Island sechsundachtzigjährig gestorben.

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Jahrgang 1949, Feuilletonkorrespondent in New York.

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