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Appell an Sender : Doku über Judenhass zeigen

Ein Rabbiner steht zum Auftakt des Lichterfestes im Dezember 2016 auf dem Opernplatz in Frankfurt am Main vor einem Chanukkah-Leuchter. Bild: dpa

Charlotte Knobloch schreibt an die Chefs von Arte, SWR und WDR. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Bayern bittet, einen Film über Antisemitismus zu senden. Der WDR entgegnet.

          In der Debatte über den von Arte beauftragten, von der Arte-Redaktion beim WDR betreuten Film „Auserwählt und Ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“, den der Sender nicht zur Ausstrahlung bringen will, meldet sich nun auch Charlotte Knobloch zu Wort. In Schreiben an den Arte-Programmdirektor Alain Le Diberder, den Intendanten Peter Boudgoust vom SWR, Tom Buhrow vom WDR und den WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn äußert die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ihr Befremden darüber, dass der Film von Joachim Schroeder und Sophie Hafner nicht gezeigt werden soll. Arte befinde sich „auf einem gefährlichen Irrweg“, die formale Kritik an dem Film erscheine fadenscheinig und vorgeschoben.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Arte und WDR sei hoffentlich „an einer sachlichen, analytischen und reflektierenden, tiefgreifenden, historischen und gegenwartsorientierten Beleuchtung des Phänomens Antisemitismus in Europa gelegen“, schreibt Charlotte Knobloch. Diese sei nicht nur notwendig, „sondern sogar überfällig“. Politische und soziale Studien der jüngsten Zeit spiegelten „besorgniserregende Tendenzen zum Antisemitismus wider“: „Als jüdische Menschen und Gemeinden spüren wir seit Jahren das Erstarken der antijüdischen Ressentiments in allen gesellschaftlichen Ebenen und Milieus.“ Es handele sich nicht „nur“ um ein Problem wachsenden Rechtspopulismus, Antisemitismus wachse auch im linken Spektrum, hinzu komme „der Judenhass in weiten Teilen der muslimischen Gemeinschaft“.

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          Nach ihrem Kenntnisstand, so Charlotte Knobloch, wende sich der von Arte abgelehnte Film „den vielen verschiedenen Formen des Antisemitismus zu“, und genau diese Wissensvermittlung wäre in einer Zeit wichtig, in der jüdische Menschen in Europa und Deutschland „wieder in einer Weise alltäglicher Ausgrenzung und Anfeindung ausgesetzt sind, die ich vor wenigen Jahren noch nicht für möglich gehalten hätte“. Es sei der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, „hier für Aufklärung und Entlastung zu sorgen“. Dabei gehe es an erster Stelle um Wahrheit und Ehrlichkeit, die den Film von Schroeder und Hafner auszeichneten – „eine ehrliche und daher schmerzliche Bestandsaufnahme“. Sie bitte „inständig“ darum, diesen wichtigen Film zu zeigen.

          In ähnlicher Weise wie Charlotte Knobloch hatte sich zuvor Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, für die Ausstrahlung des Films verwendet. Er maße sich nicht an, das journalistische Handwerkszeug fachgerecht beurteilen zu können, doch könne er sich nicht erklären, wie formale Gründe einer so wichtigen Dokumentation im Weg stehen könnten. Der Arte-Programmdirektor Alain Le Diberder erwiderte Schuster – gleichlautend wie gegenüber dieser Zeitung –, dass der Film nicht dem angemeldeten und genehmigten Projekt entsprochen habe. Er habe nicht das „aktuelle Erstarken des Antisemitismus in verschiedenen Ländern Europas“ beleuchtet, sondern im Nahen Osten angesetzt. Darauf habe die Arte-Zentrale die betreuende Redaktion beim WDR hingewiesen, doch sei der Film dann im April dieses Jahres „ohne weitere Bearbeitung“ geliefert worden. Damit seien „Grundsatz- bis hin zu Vertrauensfragen berührt“ gewesen. Programme müssten sich „in eine editoriale Linie einfügen“, die nicht vom Produzenten eigenmächtig verändert werden könne. Daher sei der Film von der Arte-Programmdirektion abgelehnt worden.

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