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Veröffentlicht: 22.05.2016, 15:28 Uhr

Zukunft des Radios Die Digitalisierung muss sich an den Hörern orientieren

Die Zukunft des Hörfunks ist digital. Das heißt nicht, dass UKW einfach abgeschaltet werden darf. Geschähe dies, blieben Sender auf der Strecke. Das Programm verlagert sich aufs Smartphone. Ein Gastbeitrag.

von Kai Fischer
© Imago Smartphones und mobile Plattformen erweisen sich längst als die neuen Radiogeräte. Sind die Radioveranstalter dort nicht mit ihren Programmen vertreten, werden sie ihr Publikum verlieren.

Das Geschäft der Radioveranstalter war schon mal einfacher. Die Anforderungen an sie sind in den vergangenen Jahren deutlich größer und vielfältiger geworden. Um im Hörer- wie im Werbemarkt erfolgreich zu bestehen, müssen die Radiounternehmen eine Vielzahl von Herausforderungen meistern, die durch die Digitalisierung und sich verändernde Mediennutzungsgewohnheiten entstanden sind. Und dabei stehen die Sender erst am Anfang eines langen, steinigen Weges. Die Zukunft des erfolgreichen Massenmediums Radio ist ohne jeden Zweifel digital. Das ist keine neue Erkenntnis.

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Neu sind die Radikalität und das Tempo des Wandels. Marc Jan Eumann und Jürgen Brautmeier brachten es auf den Punkt, als sie in dieser Zeitung fragten: „Ist DAB+ wirklich die digitale Zukunft des Radios?“ Denn nicht überall, wo digital draufsteht, ist auch digital drin: Die Digitalisierung des Hörfunks darf nicht Gefahr laufen, im Ideologiestreit über den einen Übertragungsstandard Digital Audio Broadcasting, kurz DAB+, auf diesen reduziert zu werden. Die notwendige Digitalisierung des Hörfunks ist deutlich komplexer – und sie muss sich nüchtern an den Bedürfnissen der Hörer wie der Werbekunden orientieren. Wer digital auf die falsche Karte setzt, wird nicht nur nicht zum Ziel gelangen – er verspielt die Zukunft des Hörfunks.

Was nicht unerwähnt bleiben darf

Es ist seit langem Zeit, dass sich auch Politik und Regulierer weitab vom grünen Tisch mit den Auswirkungen aktueller Entwicklungen im Markt vorurteilsfrei auseinandersetzen. Und dabei werden beide erkennen, dass der knapp dreißig Jahre alte, in der Breite weitgehend unbekannte und kaum genutzte digital-terrestrische Übertragungsstandard DAB+ weder Gegenwart ist noch Zukunft des Hörfunks in Deutschland sein wird. Digitale Radioangebote finden auf vielen Kanälen statt, allen voran im Internet. Laut dem Digitalisierungsbericht 2015 der Landesmedienanstalten nutzen in Deutschland gut zehn Prozent der Haushalte Hörfunk über DAB+, Internetradio nutzen knapp dreißig Prozent und UKW-Radio etwa 93 Prozent.

Gemäß den GFK-Verkaufszahlen liegt die prozentual größte marktgetriebene Wachstumsrate beim Verkauf von Audiosystemen wie vernetzten Lautsprecherboxen (plus 66 Prozent) und Multiroom-Geräten (plus fünfzig Prozent). Die meisten dieser Geräte werden für die IP-basierte Wiedergabe von Radio- und Audioinhalten aus unterschiedlichen digitalen Quellen genutzt. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass allein im Jahr 2015 insgesamt auch 6,27 Millionen UKW-Empfangsgeräte verkauft wurden. Diese gewaltige Zahl umfasst sowohl UKW-only als auch Geräte, die neben einem UKW-Tuner auch eine Internetradio- oder DAB+-Funktion haben.

Über Erfolg und Misserfolg entscheiden die Menschen

Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Dorothee Bär, hat unlängst festgestellt, dass sich die Art und Weise, wie die Menschen heute Radio hören, ändert. Daher fordert sie ein klares Signal für DAB+. Sosehr die CSU-Politikerin mit ihrer Feststellung recht hat, so sehr liegt sie mit ihrer Forderung falsch. DAB+ bringt nicht den erforderlichen technologischen Fortschritt, denn DAB+ ist nicht digital im Sinne der digitalen Transformation, sondern nur im Sinne der Digitalisierung des Übertragungsweges. Das Produkt, die Nutzung und das Geschäftsmodell funktionieren dabei weiterhin nach analogen Grundsätzen.

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