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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Zukunft des Journalismus Das heilige Versprechen

 ·  Im Zeitalter des Internets kann jeder alles sein, Verleger, Autor, Journalist. Jeder kann partizipieren, jeder Geld verdienen. Das ist das Mantra. Keine dieser Aussagen stimmt. Trotzdem werden sie weiter nachgeplappert. Wer profitiert eigentlich von dieser Ideologie? 

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Karl-Wilhelm  Schmidt

Alle Deutschen werden es Beweisen, für die D-Mark Opfer zu bringen.


Alle Deutschen werden es Beweisen,
für die D-Mark Opfer zu bringen.

Es kommen 7 Magere Jahre, aber dann kommen 7 Fette Jahre. So ist es, und so wird es immer bleiben. Es wird Zeit, das wir nach z.B.Dänemark schauen. Ist ein schlechter Job besser als die Arbeitslosigkeit? Wir brauchen eine Änderung des Rollenverständnisses von Frauen und Männern. Man sollte die Familien, wo ein Elternteil als Hausfrau oder Hausmann zuhause bleibt, ein Gehalt vom Staat zahlen, wo gleichzeitig von dem gezahlten Gehalt ein Teil für die Rente in der Renten Kasse einbezahlt wird. Damit gäbe es keine Arbeitslosigkeit mehr in Deutschland. Die Familie muss wieder ihren Stellenwirt und Anerkennung in der Gesellschaft bekommen. Die Kinder brauchen eine Bezugsperson, damit sie behütet aufwachsen können. Veränderungen müssen von unten kommen, und aus den Familien. Schafft die Börse ab, lasst uns was besseres Finden.

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Hans Meier

Ein Vergnügen, in Online-Archiven zu stöbern.

Heute kann jeder von zu Hause mal nachlesen, was der Spiegel in den 50er Jahren über Gestalten wie Adenauer, Pferdmenges, John alles schrieb. Herrlich, und was die damals alles zwischen die Zeilen zu stopfen wussten.
Ich bin mir sicher, dass eine kleine, feine, anzeigenfreie Printzeitschrfit (so wie der Canard in Frankreich) mit geringer Abbonnentenzahl profitabel arbeiten könnte, wenn nur die richtigen Geschichten drinstehen.

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Andreas Wasert
Andreas Wasert (Wasert) - 28.11.2012 05:09 Uhr

Gestern wie heute

»Eine freie Presse gibt es nicht. Sie, liebe Freunde wissen das, und ich
weiss es gleichfalls. Nicht ein einziger unter Ihnen würde es wagen, seine
Meinung ehrlich und offen zu sagen. Das Gewerbe eines Publizisten ist es
vielmehr, die Wahrheit zu zerstören, geradezu zu lügen, zu verdrehen, zu
verleumden, zu Füssen des Mammon zu kuschen und sich selbst und seine Rasse
um des täglichen Brotes willen wieder und wieder zu verkaufen. Wir sind
Werkzeuge und Hörige der Finanzgewalten hinter den Kulissen. Wir sind die
Marionetten, die hüpfen und tanzen, wenn sie am Draht ziehen. Unser Können,
unsere Fähigkeiten und selbst unser Leben gehören diesen Männern. Wir sind
nichts als intellektuelle Prostituierte.«

John Swinton (1829-1901), Chefredakteur der New York Times

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Jürgen Fuhrmann

Micropayment, flattr und andere Modelle

Ich habe ja eigentlich schon ein Problem mit Werbefinanzierung, weil diese ja schon den Verdacht nahelegt, dass die Interessen der Werbekunden sich nicht nur in den geschalteten Anzeigen widerspiegeln...

Ich würde gerne für Qualitätsjournalismus zahlen, aber habe bisher immer nur die Möglichkeit, Abos abzuschließen. Ich lese regelmäßig online ein halbes Dutzend Zeitungen, von FAZ über SPON bis Guardian. Ich kann und möchte nicht für jede einzelne ein Monatsabo abschliessen (auch, wenn es "epaper" wäre), da ich ja immer nur einen Teil lese und z.B. die Sportteile allesamt ignoriere. Ich habe aber keine andere Möglichkeit, zu zahlen. Warum gibt es keine gemeinsame Aktion von Verlagen, neue Bezahlmodelle auszutesten, wo man z.B. pro gelesenem Artikel per
micropayment zahlt ? Klar, es gibt bisher kein Modell, das sich weltweit durchgesetzt hat, aber
warum macht denn keiner (ausser der taz mit Flattr) auch nur einen Versuch ?

-- exk

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Dagmar Seeland

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Unser Unwillen, für guten Journalismus zu zahlen, vertieft - welche Ironie in einer Online-Demokratie, die in uns die Erfüllung des "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Traums versprach - alte Klassenverhältnisse. Auffällig ist das im Fotojournalismus, der besonders unter dieser Situation leidet. Wer heute noch ernsthaft als Fotojournalist arbeiten will, braucht vor allem eins: tiefe Taschen, am besten die wohlhabender Eltern. Nie war Fotografie mehr gefragt als heute - kein Blog, keine Online-Zeitung, keine Webseite kommt ohne sie aus. Nur bezahlen will niemand mehr dafür, also wird im Web geklaut, was das Zeug hält. Guter Fotojournalismus kostet Geld. Er bedarf oft wochenlanger Vorbereitung und wird zuweilen - wie zuletzt im Fall des französischen Fotografen Remi Ochlik in Syrien geschehen - mit dem Leben bezahlt. Wenn uns Journalismus künftig nur noch von einer finanziell gut gestellten Elite präsentiert wird, wie weit gefächert ist die Weltsicht, die uns von ihr vermittelt wird?

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Stefan Derrick

Den Journalismus nicht überbewerten

Ein sehr lesenswerter, weil auch tiefgehender Artikel, aber damit doch leider eher eine Ausnahme. Früher hatte ich jahrelang die FAZ abonniert, habe mich dann aber wegen fragwürdiger Berichterstattung über "Killerspiele" zur Kündigung entschlossen.

Wie nutze ich faz.net? Ganz ehrlich: oft lese ich nicht einmal mehr den Artikel, sondern gleich die Kommentare; die Breite der Meinungen und Informationen ist einfach höher, und oft wird man auf interessante Dinge aufmerksam gemacht, die man dann per Google weiterverfolgen kann. Dahinter steckt eben immer ein kluger Kopf (auch wenn nicht jeder Kopf, der dahintersteckt, ein kluger ist).

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Eckart Härter

Es geht um die einfache Frage: ist mein Produkt verkäuflich, oder nicht?

Eine Berufsgruppe nach der anderen stimmt in die Klage ein. Wir, meine Bibliothekars-KollegINNen und ich, haben schon 1966 erkannt, als bei uns die "EDV" mit Volldampf los startete, "wir schaffen uns selber ab". Natürlich wussten wir, das dauert. Aber es war abzusehen. Es gibt Berufsbilder, die, zumindest wenn man damit seinen Lebensunterhalt verdienen will, nicht überlebensfähig sind.
Andererseits enstanden und enstehen immer wieder neue - und ebenfalls aufgrund der neuen Informationstechnologien.
Es gibt regelmäßig faz.net-Meldungen, die ich wortgleich von meinem Internetanbieter auf der Grabbelseite angeboten kriege. "Times they are a changin..." näselte schon Bob Dylan.
Leander Valerius (14:19 h) schrieb so simpel wie zutreffend: "Meiner Meinung nach wurde es zu lange als selbstverständlich genommen, dass Menschen Zeitungen kaufen."
Wer also mit journalistischen Qualitätsprodukten weiterhin gutes Geld verdienen will, muss es im Netz versuchen. Mehr als schiefgehen kann es nicht

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Erik Staack
Erik Staack (E_Staack) - 27.11.2012 15:42 Uhr

Generation Praktikum

Die Problematik, dass "Investoren", "Arbeitgeber" und "Kunden" nichts bezahlen wollen dafür aber höchste Ansrpüche haben gibt es nicht nur bei Medien. Als jüngstes Beispiel wäre hier auch die Abwicklung der Deutschen Lehman Tochter zu nennen. Wenn hier Hedgefonds Kampagnen gegen das Deutsche Insolvenzrecht starten, damit die Kosten der Insolvenzverwalter bei denen hängen bleiben aber vorher die Angst der Vorherigen Gläbiger genutzt um die Forderungen für fast nichts zu bekommen.
.
Im Prinzip macht das aber Jeder. Günstig einkaufen teurer wieder weiterverkaufen. Oder Günstig kaufen damit man länger mit seinem Geld auskommt oder mehr konsumieren kann. Und im Markt werden die überleben die trotz dieses Preisdruckes die gewünschten Qualität abliefern kann. Sämtliche Managementliteratur gibt einem Wegweiser wie man zu den Gewinnern zählt.
.
Ich denke das ist das älteste Problem der Menscheit, in jeder Kultur findet man andere moralische Überlegungen den Kolateralschäden zu begegnen.

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Dragan Mayer
Dragan Mayer (asmo-uk) - 27.11.2012 11:54 Uhr

Qualitätsjournalismus nur gegen Geld?

Demnach müsste es im „Zwangsgebührenfinanzierten“ ARD/ZDF besonders an Wochenendabenden nur so vor Qualität sprießen. Aber die wöchentlichen „journalistischen“ Jauchegruben orientieren sich ausnahmslos am Boulevard.
Zb, Der ARD- Flagship Presseclub (Informationsverhinderungs- Talkshow), wiederspricht zu 100% den Eintragungen im Sende- Gästebuch.

Echtzeit- Online News im Net (ca 40.000 täglich) sind freiverfügbar, jeder kann sich daraus seinen eigenen Reim ableiten, oder in Printmedien kostenpflichtig „ver“ kommentieren lassen. Nur, wenn die Kommentarmelodien immer die gleichen sind, wozu dann dafür zahlen?

Online- News werden je Plattform „vorformatiert“, dh, die Auswahl der News ist eine Einschränkung der Meinungsvielfalt, aktuelle Beispiele, Kritik an Israel-Gaza, Grass-Gedicht, DOHA usw.

FR und FTD hatten unterschiedliche (defizitäre) Geschäftsmodelle.
Internet/Online Journalismus bedeutet Austausch, Kommunikation mit den Lesern/Usern, vor allem aber WIDERSPRUCH .

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 29.11.2012 14:09 Uhr
Knut Hoppe
Knut Hoppe (chnutz) - 29.11.2012 14:09 Uhr

Öffentlich-rechtlicher Journalismus? Gutes Beispiel für das Problem

Schon seit einigen Jahren beobachte ich kritisch die Entwicklung bei den Öffentlich-rechtlichen Medien.
Insbesondere die immer mehr mit wertenden Adjektiven & Floskeln behafteten "Nachrichten"-Formate sind kritisch zu sehen, verstoßen solche Formulierungen doch nicht nur gegen journalistische Regeln, sondern auch gegen § 10 der Rundfunkstaatsvertrages: " (1) Berichterstattung und Informationssendungen [...] müssen unabhängig und sachlich sein. [...] Kommentare sind von der Berichterstattung deutlich zu trennen[...]."
Politische Sendungen wurden stark gekürzt, so dass keine tiefgründige Darstellung mehr möglich ist.
Vielfaltformate wie Radio Multikulti wurden zugunsten von Einheitsradio abgeschaltet.
Ich zahlte zur Erhaltung eines Qualitätsjournalismus gerne an die GEZ, doch nicht für "Brisant" & Co.
Gleiches gilt für Printmedien: Immer weniger Information, immer mehr Panorama. Wenn kein Qualitätsunterschied zw. solchen "Profis" und Amateurbloggern auszumachen ist, wofür dann zahlen?

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Peter Meisel

Demokratie aus Bodenhaltung

Insolvenz von „Frankfurter Rundschau“ und der Einstellung der „Financial Times Deutschland" die Natürliche Auslese? Nein: wer profitiert eigentlich von öffentlicher Kommunikation zulasten der Schläfer? „Demokratisierung von Information“ durch Technologie? Zu wenig: All you do, you speed up the mess! Wenn die Information sich als bezahlte "Werbung" pro oder contra von Interessen herausstellt, nein danke. Demokratie setzt wahrhaftige Kommunikation voraus aber dafür ist die wahrhaftige Information eine Bedingung. Die mangelnde Verlässlichkeit führt zwangsläufig zum Verlust des Vertrauens! Dafür sind ausschließlich Autoren und Journalisten verantwortlich? Eigentümer haben ein Eigeninteresse und Lektoren korrigieren Schreibfehler aber keine Inhalte? Die Informationsökonomie, die Macht der Unternehmensgiganten ist zu gigantisch und sie werden deshalb aussterben (Darwin). Die Verlage haben nichts gelernt und wir, die Bürger, noch nicht viel. Unsere Regierung wird von Medien regiert

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Closed via SSO

Ausdruck der Zeit

Die Qualität der Presse ist letztlich Ausdruck der Zeit. Auch die in einigen Leserbriefen geäußerte Kritik am heutigen smarten Journalismus zielt nicht auf objektive Information ab, sondern will nur das eigene Weltbild bestätigt sehen. Da es aber ein einheitliches Weltbild nicht gibt und in der heutigen Gesellschaft unendlich sich widerstreitende Lebensvorstellungen existieren, bleibt die Presse von dieser Entwicklung nicht unberührt. Die Forderung nach klaren politischen Positionen bürgt daher nicht für Qualität im Sinne einer objektiven Information. Die Krise der Informationsvermittlung besteht eben darin, dass es in einer Welt, in der alles auf Meinungen relativiert wird, nichts Objektives geben kann. Selbst qualitativ höherwertiger Journalismus orientiert sich nicht an Objektivität, sondern an der Meinungsmacht. Je nach Redaktion erhält man als Leser dann lediglich schön formulierte Interpretationen des Geschehens, die an Verbindlichkeit der Wettervorhersage gleichkommen.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 28.11.2012 08:19 Uhr
Closed via SSO

Wenn es keine objektive Realität gibt,

wie Sie schreiben, dann kann man sich ihr auch nicht annähern. Am Ende bleibt im besten Falle die Beliebigkeit wohlformulierter Statements, die sich nach der politischen Wetterlage ausrichten.

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Thomas Semanski
Thomas Semanski (Kuroro) - 27.11.2012 11:48 Uhr

Der Konstruktivist würde sagen

es gibt sowieso keine objektive Realität bzw. man kann sie weder objektiv wahrnehmen noch objektiv reflketieren aus logischen Gründen wie die Begrenztheit unserer Sensoren, Informationsverarbeitungsmöglichkeiten und psychologischen Filtern im Gehirn und der Limitierung der Ausdrucksfähigkeit von Sprache...

"There is no truth or falsehood, just dominant processes by which reality is socially constructed. There is no objective reality. There might be a world that has true reality. A world with genuine physics. Like Newton said or like Einstein said. But because we are in a world that is made out of language we will never ever get to that place from here. The only direction we can move is into the different flavors of the dominant social discourse, or across the grain of the consensus narrative. "

Man kann sich jedoch einer objektiven Realität annähern indem man klassischen Journalismus betreiben würde. D.h. tief zu recherchieren und auch Mindermeinungen & andere Ansichten einzubeziehn.

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Frank Müller
Frank Müller (Fmyller) - 27.11.2012 08:30 Uhr

Technologiesprung als Ursache?

Ich bin mir gar nicht so sicher, dass der Grund für den Niedergang des guten Journalismus im neuen Medium zu suchen.
Eine Analogie aus der Musikbranche: Ende der 70er Jahre begannen die Plattenfirmen, die Musik nicht mehr durch eigene Produzenten in eigenen Studios zu formen, sondern fertige Tonbänder aufzukaufen. Das war der Grund für die Entwertung der populären Musik vom gesellschaftsformenden Ausdrucksmittel zur Lifestyle-Komponente. Die leichte Kopierbarkeit der Musik dank Computer vereinfachte diesen Prozess.

Ähnliches ist im Journalismus schon seit Jahren zu erkennen: hier sollte man auf die Dominanz der Nachrichtenagenturen schauen, deren Meldungen in Massen übernommen werden. Das führt dazu, dass einerseits gut ausgebildete Journalisten immer weniger benötigt werden. Andererseits bleibt als Betätigungsfeld der Redakteure oft nur noch die Äußerung der eigenen Meinung. Und die hat eben auch ein Blogger.

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Marion Körner

Herzlichen Dank,

sehr geehrter Herr Schirrmacher für einen geistreichen Artikel, von dem wohl Sie auch morgen noch wissen, wes Inhaltes er war - viele Leser nicht mehr, die meisten im Zustand des "potenziellen Lesers" geblieben sein werden...
Was mich sehr interessieren würde, wären Ihre Kriterien für Relevanz einer Tat, einer Initiative, eines Geschehens? Sehen Sie außer dem Markt, den gesellschaftlich trotz aller Demokratisierung weiterhin vorhandenen Klassen oder Zugehörigkeitsverhältnissen Kriterien für Nachrichten, die sich "lohnen" für Journalismus hinausgehend über die Mainstreams oder jeweiligen gesellschaftlichen Grundannahmen und Trends?
Da ist eine Ideologie der Partizipation im Netz und eine ebensolche dessen, der sein Tageblatt fortschreibt. Wo kann der offene Raum für jene entstehen, die im Alltag Verwandlung leisten, aber weder "Partizipierende" sein werden noch zur etablierten Oberliga gehören?
Womöglich ist es nicht Ihre Aufgabe, dies zu bedenken, vielleicht haben Sie es doch getan?

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Hugh Greene

Meinungsfreiheit ist das, was fehlt - der Mut, die Medieneinfalt zu durchbrechen - ein Traum?

Ich träume von einem Land, in dem Nachrichtensendungen noch aus relevanten Nachrichten bestehen und nicht aus der Meinungsdiktatur einer grünlinken Kaste, ergänzt um nette Belanglosigkeiten vermeintlich Prominenter.

Ich träume von einem Journalismus, der Streitfragen offen darstellt und nicht so tut als ob Computermodelle Wissenschaft ersetzen können, und wir haben weltrettenden Gurus aus Potsdam zu folgen (der verschwiegene Streit um den Klimawandel).

Ich träume von einem Journalismus, der offen darüber berichtet, daß nicht nur Klimagurus die Demokratie abschaffen wollen, sondern auch mehr oder weniger nicht legitimierte Euro-Retter.
Ich träume von Journalisten, die sich nicht als gläubige EU-Hofberichterstatter aus Brüssel melden, sondern die zunehmende Unfreiheit durch größere Brüsseler Zentralmacht ansprechen.

Ich träume von Journalisten, die nicht dem Ungeist der medialen Einheitskaste dienen, sondern sich der Meinungsfreiheit verpflichtet fühlen.

Das alles hätte Zukunft.

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Thomas Müller
Thomas Müller (tholer) - 26.11.2012 21:10 Uhr

Journalismus, früher und heute

Vor ein paar Wochen sah ich einen alten Ausschnitt aus der Tagesschau, der ein abscheuliches Verbrechen politischer Natur zum Gegenstand hatte. Sowohl Text wie auch Mimik des Sprechers blieben distanziert, kühl, sachlich und streng. Heute wäre das undenkbar. Da wird jede Nachricht mit Herz-Schmerz und Emotion untermalt, während irgendein lächerlicher Moderator seine zufällige Meinung mehr oder weniger gewitzt verpackt.

Gleiches kann man über die Zeitungen sagen. Wer mal in den Archiven der Zeitungen gelesen hat, wird merken, daß selbst Blätter, die heute nur noch die schiere Hetze betreiben, vor vielleicht 20 Jahren mal wirklichen Journalismus betrieben haben.

Ich nehme mit größter Genugtuung zur Kenntnis, wie all diese Entwicklungen Konsequenzen zeitigen. Immer weniger Leute wollen Geld dafür ausgeben, um Ziel von politisch motivierter Desinformation und Bevormundung zu sein. Recht so, und auch wenn die FAZ in vielen Fällen besser ist, so gibt es auch hier genügend Fälle...

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Uwe Frers
Uwe Frers (Uwe_Frers) - 26.11.2012 18:44 Uhr

Verlage haben das Rubrikengeschäft nicht ins 21. Jahrhundert gebracht

Herr Schirrmacher hat in seiner Analyse ein Problem nicht aufgegriffen: Qualitätsjournalismus war auch vor 20 Jahren nicht wirtschaftlich realisierbar sondern schlichtweg quersubventioniert. Denn neben den Vertriebserlösen (Abo und Einzelverkauf), deren Wegfall Schirrmacher durch die Gratiskultur als das eigentliche Problem ansieht, standen Erlöse aus Anzeigen und dem Rubrikengeschäft. Und genau dieses Rubrikengeschäft braucht seit über 10 Jahren keine Zeitung als Mantel. Mobile.de, Stepstone und Immoscout24 lassen grüßen. Alle Verlage haben diese abzusehende Entwicklung unterschätzt, nur wenige haben später durch Zukäufe Marktanteile zurück gewonnen (Springer und Burda). Der Rest der Verlage träumt immer noch von den guten alten Zeiten. Insofern: Die Diskussion müsste aus meiner Sicht eher lauten: Warum haben die Verlage nicht ganzheitlich alle ehemals vorhandenen Geschäftsmodelle ins digitale Zeitalter transferiert? Weil sie arrogant waren und das Modell nicht verstanden haben.

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Otto Meier

Selbstausbeutung.

Ja, es dreht sich alles nur noch um den Preis. Und da spielt Qualität dann auch nur noch eine untergeordnete Rolle. Denn Qualität muß man sich auch leisten können.

Ja, im Internetzeitalter ist alles möglich. Und niemand sollte sich einbilden, in Zukunft mit Informationen oder Unterhaltung noch reich werden zu können. Zum Überleben wird es vielleicht gerade noch so reichen.

Ja, ein Problem ist die Selbstausbeutung. Sinkende bzw. stagnierende Nettolöhne bei steigenden Preisen führen zu zwangsweisen Einschränkungen, für die jeder unterschiedliche Prioritäten setzt. Nicht ohne Grund geht die Entwicklung hin zu Zweit- und Drittjobs, um sich wenigstens einen gewissen Lebensstandard leisten zu können.

Ja, Zeitungen gehören nicht zu den lebensnotwendigen Dingen, wenn Informationen kostenlos im Netz zur Verfügung stehen. Die Qualität ... das hatten wir ja schon.

Ja, wer würde nicht gern beim Feinkosthändler statt bei ALDI kaufen, allein es fehlt am Geld, trotz Selbstausbeutung.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 27.11.2012 11:39 Uhr
Otto Meier

Ich hatte Ihren Beitrag gelesen, verstanden und empfohlen, Herr Henkel.

Es kam mir nur darauf an, den Aspekt der Selbstausbeutung noch einmal deutlich hervorzuheben.

Denn irgendwie freut es mich schon, daß nach Unterschicht und Mittelschicht nun auch die Besserverdienenden zu spüren bekommen, daß in diesem Land etwas grundlegend falsch läuft. Vielleicht ist das der beste Weg, Veränderungen zu erzielen.

Wenn die Medienvertreter erst einmal verstanden haben, daß Qualität heute keinen Erfolg mehr garantiert, daß Quantität nicht immer zu erreichen ist bzw. auch nicht unbedingt hilft, dann wird der Blick vielleicht endlich für den Gesamtzustand der Gesellschaft geschärft. Vielleicht endet dann die Hofberichterstattung und weicht einer konstruktiven Kritik.

Am Ende könnten alle davon profitieren, nicht nur die Journalisten.

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jan henkel
jan henkel (imernst) - 26.11.2012 19:16 Uhr

Das ist...

...das, was ich ausdrücken wollte.

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Dieter Zorn

Das Zeitalter des Internet.

Das Zeitalter des Internet ist gerade mal zehn bis fünfzehn Jahre alt. Die digitale Revolution hat also gerade erst begonnen und ist nicht, wie manche meinen, mit der geplatzten dotcom Blase geendet. Dadurch sind bereits etliche Berufsbilder der Medienwirtschaft verschwunden, so die klassische Sekretärin, der Graveur, der Retuscheur ..., oder sie haben sich gewandelt. Jetzt trifft es die Journalisten; was für eine Überraschung! Digitale Kommunikation ist " two-way-communication", das heißt der Leser ist nicht mehr bloß passiver Konsument, sondern er kann mitreden. Und die bloße Information über Tatsachen und Regierungshandeln ist keine Zeitung und keine drei Euro mehr wert. Aber intelligente Recherche und klare Kommentare haben immer ihren Wert und Preis. Und immer öfter sind es die, zugegeben wenigen, intelligenten Kommentare der Blogger, die eine Story abrunden. Warum also, soll eine in diesem Sinn inhaltlich und technisch gut gemachte Internetzeitung nicht erfolgreich sein?

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 27.11.2012 09:45 Uhr
Dieter Zorn

Die Zeitungsverleger machen Fehler.

Wenn man fast die ganze Zeitung kostenlos ins Internet stellt und sich dann über Leserschwund der Papierausgabe beklagt, macht an was falsch. Wenn man gleichzeitig die Onlineausgaben technisch nur dürftigst ausstattet (fehlende Editor Programme, benutzerunfreundlichst, etc, etc,) und sich dann beklagt, dass niemand dafür Geld bezahlen will, macht man was falsch. Die Zeitungsverlage sind in der Situation desjenigen, der aus Angst vor dem Tode Selbstmord begeht. Ich würde jedem Chefredakteur raten, einmal vierzehn Tage seine electronische Ausgabe zu lesen und zu bloggen, dann wüsste er was ich meine.

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Sebastian Schneider

Ja, das fragt man sich.

Welche gut gemachte Online-Publikation, die gleichzeitig wirtschaftlich unglaublich erfolgreich ist und nicht (!) von den etablierten Verlagen oder Internet-Giganten betrieben wird, fällt Ihnen denn ein?Ich meine, so eine Zeitung würde doch jeder lesen wollen, oder? Abgesehen davon wüssten wir alle davon, diese Erfolgsgeschichte würde nämlich auch in jeder weniger guten Online-Zeitung stehen.

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Friedhelm van Aal

„Wie kann guter Journalismus überleben?“ - es ist nicht wirklich ein Problem

Dem Durchschnittleser fehlt ganz einfach die notwendige Freizeit, um unter sämtlichen angebotenen Nachrichten zu selektieren.

Das selekteive Werkzeug (aus der Sicht des Lesers) ist der Qualitätsjournalismus. Diese Dienstleistung hat natürlich ihren Preis. Es verbleibt die Frage, wie hoch wird der künftige Preis sein, bzgl. des Online-Angebotes der FAZ-Gruppe.

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Julius Franzot

Kommerzielles

Ich finde, die vom "Zeitgeist" verbreitete Meinung, jeder könne sich übers Internet am Meinungsbildungsprozeß beteiligen, auf ein wesentliches Hindernis stößt: Internet-Akteure werden nicht als kommerziell tätige Autoren wahrgenommen, sondern entweder als Idealisten oder als Selbstdarsteller. Wenn jemand schreibt, der möchte auch für seine Tätigkeit entlohnt werden und hätte es auch ganz gerne, wenn seine Arbeit bei der Kritik und in der öffentlichen Diskussion Beachtung fände. Ich mag mich irren, aber die Mainstream-Medien sind noch nicht soweit, dass sie sich mit Schriften auseinandersetzen, die nicht über die "renommierten Verlage" laufen. So kann bestenfalls eine Underground-Kultur entstehen, die nicht mit der Offiziellen gleichberechtigt ist.

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26.11.2012, 08:59 Uhr

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Echte Fälschung?

Von Andreas Rossmann

Bei der Siegener Biennale konkurrieren die Aufführungen um einen ganz besonderen Preis: Nachdem es bereits Hypo Real Estate-Aktien und griechische Staatsanleihen zu gewinnen gab, geht es dieses Jahr um eine Beltracchi-Fälschung. Mehr