26.11.2012 · Im Zeitalter des Internets kann jeder alles sein, Verleger, Autor, Journalist. Jeder kann partizipieren, jeder Geld verdienen. Das ist das Mantra. Keine dieser Aussagen stimmt. Trotzdem werden sie weiter nachgeplappert. Wer profitiert eigentlich von dieser Ideologie?
Von Frank SchirrmacherRichtlinien für Lesermeinungen
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Alle Deutschen werden es Beweisen, für die D-Mark Opfer zu bringen.
Alle Deutschen werden es Beweisen,
für die D-Mark Opfer zu bringen.
Es kommen 7 Magere Jahre, aber dann kommen 7 Fette Jahre. So ist es, und
so wird es immer bleiben. Es wird Zeit, das wir nach
z.B.Dänemark schauen. Ist ein schlechter Job besser als die
Arbeitslosigkeit? Wir brauchen eine Änderung des
Rollenverständnisses von Frauen und Männern. Man sollte die
Familien, wo ein Elternteil als Hausfrau oder Hausmann zuhause bleibt,
ein Gehalt vom Staat zahlen, wo gleichzeitig von dem gezahlten Gehalt
ein Teil für die Rente in der Renten Kasse einbezahlt wird. Damit
gäbe es keine Arbeitslosigkeit mehr in Deutschland. Die Familie
muss wieder ihren Stellenwirt und Anerkennung in der Gesellschaft
bekommen. Die Kinder brauchen eine Bezugsperson, damit sie behütet
aufwachsen können. Veränderungen müssen von unten kommen,
und aus den Familien. Schafft die Börse ab, lasst uns was
besseres Finden.
Ein Vergnügen, in Online-Archiven zu stöbern.
Heute kann jeder von zu Hause mal nachlesen, was der Spiegel in den 50er
Jahren über Gestalten wie Adenauer, Pferdmenges, John alles
schrieb. Herrlich, und was die damals alles zwischen die Zeilen zu
stopfen wussten.
Ich bin mir sicher, dass eine kleine, feine, anzeigenfreie
Printzeitschrfit (so wie der Canard in Frankreich) mit geringer
Abbonnentenzahl profitabel arbeiten könnte, wenn nur die richtigen
Geschichten drinstehen.
»Eine freie Presse gibt es nicht. Sie, liebe Freunde wissen das,
und ich
weiss es gleichfalls. Nicht ein einziger unter Ihnen würde es
wagen, seine
Meinung ehrlich und offen zu sagen. Das Gewerbe eines Publizisten ist es
vielmehr, die Wahrheit zu zerstören, geradezu zu lügen, zu
verdrehen, zu
verleumden, zu Füssen des Mammon zu kuschen und sich selbst und
seine Rasse
um des täglichen Brotes willen wieder und wieder zu verkaufen. Wir
sind
Werkzeuge und Hörige der Finanzgewalten hinter den Kulissen. Wir
sind die
Marionetten, die hüpfen und tanzen, wenn sie am Draht ziehen. Unser
Können,
unsere Fähigkeiten und selbst unser Leben gehören diesen
Männern. Wir sind
nichts als intellektuelle Prostituierte.«
John Swinton (1829-1901), Chefredakteur der New York Times
Micropayment, flattr und andere Modelle
Ich habe ja eigentlich schon ein Problem mit Werbefinanzierung, weil
diese ja schon den Verdacht nahelegt, dass die Interessen der
Werbekunden sich nicht nur in den geschalteten Anzeigen widerspiegeln...
Ich würde gerne für Qualitätsjournalismus zahlen, aber
habe bisher immer nur die Möglichkeit, Abos abzuschließen.
Ich lese regelmäßig online ein halbes Dutzend Zeitungen, von
FAZ über SPON bis Guardian. Ich kann und möchte nicht
für jede einzelne ein Monatsabo abschliessen (auch, wenn es
"epaper" wäre), da ich ja immer nur einen Teil lese und
z.B. die Sportteile allesamt ignoriere. Ich habe aber keine andere
Möglichkeit, zu zahlen. Warum gibt es keine gemeinsame Aktion von
Verlagen, neue Bezahlmodelle auszutesten, wo man z.B. pro gelesenem
Artikel per
micropayment zahlt ? Klar, es gibt bisher kein Modell, das sich
weltweit durchgesetzt hat, aber
warum macht denn keiner (ausser der taz mit Flattr) auch nur einen
Versuch ?
-- exk
Vom Tellerwäscher zum Millionär
Unser Unwillen, für guten Journalismus zu zahlen, vertieft - welche Ironie in einer Online-Demokratie, die in uns die Erfüllung des "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Traums versprach - alte Klassenverhältnisse. Auffällig ist das im Fotojournalismus, der besonders unter dieser Situation leidet. Wer heute noch ernsthaft als Fotojournalist arbeiten will, braucht vor allem eins: tiefe Taschen, am besten die wohlhabender Eltern. Nie war Fotografie mehr gefragt als heute - kein Blog, keine Online-Zeitung, keine Webseite kommt ohne sie aus. Nur bezahlen will niemand mehr dafür, also wird im Web geklaut, was das Zeug hält. Guter Fotojournalismus kostet Geld. Er bedarf oft wochenlanger Vorbereitung und wird zuweilen - wie zuletzt im Fall des französischen Fotografen Remi Ochlik in Syrien geschehen - mit dem Leben bezahlt. Wenn uns Journalismus künftig nur noch von einer finanziell gut gestellten Elite präsentiert wird, wie weit gefächert ist die Weltsicht, die uns von ihr vermittelt wird?
Den Journalismus nicht überbewerten
Ein sehr lesenswerter, weil auch tiefgehender Artikel, aber damit doch
leider eher eine Ausnahme. Früher hatte ich jahrelang die FAZ
abonniert, habe mich dann aber wegen fragwürdiger Berichterstattung
über "Killerspiele" zur Kündigung entschlossen.
Wie nutze ich faz.net? Ganz ehrlich: oft lese ich nicht einmal mehr den
Artikel, sondern gleich die Kommentare; die Breite der Meinungen und
Informationen ist einfach höher, und oft wird man auf interessante
Dinge aufmerksam gemacht, die man dann per Google weiterverfolgen kann.
Dahinter steckt eben immer ein kluger Kopf (auch wenn nicht jeder Kopf,
der dahintersteckt, ein kluger ist).
Es geht um die einfache Frage: ist mein Produkt verkäuflich, oder nicht?
Eine Berufsgruppe nach der anderen stimmt in die Klage ein. Wir, meine
Bibliothekars-KollegINNen und ich, haben schon 1966 erkannt, als bei uns
die "EDV" mit Volldampf los startete, "wir schaffen uns
selber ab". Natürlich wussten wir, das dauert. Aber es war
abzusehen. Es gibt Berufsbilder, die, zumindest wenn man damit seinen
Lebensunterhalt verdienen will, nicht überlebensfähig sind.
Andererseits enstanden und enstehen immer wieder neue - und ebenfalls
aufgrund der neuen Informationstechnologien.
Es gibt regelmäßig faz.net-Meldungen, die ich wortgleich von
meinem Internetanbieter auf der Grabbelseite angeboten kriege.
"Times they are a changin..." näselte schon Bob Dylan.
Leander Valerius (14:19 h) schrieb so simpel wie zutreffend:
"Meiner Meinung nach wurde es zu lange als selbstverständlich
genommen, dass Menschen Zeitungen kaufen."
Wer also mit journalistischen Qualitätsprodukten weiterhin gutes
Geld verdienen will, muss es im Netz versuchen. Mehr als schiefgehen
kann es nicht
Die Problematik, dass "Investoren", "Arbeitgeber"
und "Kunden" nichts bezahlen wollen dafür aber
höchste Ansrpüche haben gibt es nicht nur bei Medien. Als
jüngstes Beispiel wäre hier auch die Abwicklung der Deutschen
Lehman Tochter zu nennen. Wenn hier Hedgefonds Kampagnen gegen das
Deutsche Insolvenzrecht starten, damit die Kosten der Insolvenzverwalter
bei denen hängen bleiben aber vorher die Angst der Vorherigen
Gläbiger genutzt um die Forderungen für fast nichts zu bekommen.
.
Im Prinzip macht das aber Jeder. Günstig einkaufen teurer wieder
weiterverkaufen. Oder Günstig kaufen damit man länger mit
seinem Geld auskommt oder mehr konsumieren kann. Und im Markt werden die
überleben die trotz dieses Preisdruckes die gewünschten
Qualität abliefern kann. Sämtliche Managementliteratur gibt
einem Wegweiser wie man zu den Gewinnern zählt.
.
Ich denke das ist das älteste Problem der Menscheit, in jeder
Kultur findet man andere moralische Überlegungen den
Kolateralschäden zu begegnen.
Qualitätsjournalismus nur gegen Geld?
Demnach müsste es im „Zwangsgebührenfinanzierten“
ARD/ZDF besonders an Wochenendabenden nur so vor Qualität
sprießen. Aber die wöchentlichen
„journalistischen“ Jauchegruben orientieren sich ausnahmslos
am Boulevard.
Zb, Der ARD- Flagship Presseclub (Informationsverhinderungs- Talkshow),
wiederspricht zu 100% den Eintragungen im Sende- Gästebuch.
Echtzeit- Online News im Net (ca 40.000 täglich) sind
freiverfügbar, jeder kann sich daraus seinen eigenen Reim ableiten,
oder in Printmedien kostenpflichtig „ver“ kommentieren
lassen. Nur, wenn die Kommentarmelodien immer die gleichen sind, wozu
dann dafür zahlen?
Online- News werden je Plattform „vorformatiert“, dh, die
Auswahl der News ist eine Einschränkung der Meinungsvielfalt,
aktuelle Beispiele, Kritik an Israel-Gaza, Grass-Gedicht, DOHA usw.
FR und FTD hatten unterschiedliche (defizitäre) Geschäftsmodelle.
Internet/Online Journalismus bedeutet Austausch, Kommunikation mit den
Lesern/Usern, vor allem aber WIDERSPRUCH .
Öffentlich-rechtlicher Journalismus? Gutes Beispiel für das Problem
Schon seit einigen Jahren beobachte ich kritisch die Entwicklung bei den
Öffentlich-rechtlichen Medien.
Insbesondere die immer mehr mit wertenden Adjektiven & Floskeln
behafteten "Nachrichten"-Formate sind kritisch zu sehen,
verstoßen solche Formulierungen doch nicht nur gegen
journalistische Regeln, sondern auch gegen § 10 der
Rundfunkstaatsvertrages: " (1) Berichterstattung und
Informationssendungen [...] müssen unabhängig und sachlich
sein. [...] Kommentare sind von der Berichterstattung deutlich zu trennen[...]."
Politische Sendungen wurden stark gekürzt, so dass keine
tiefgründige Darstellung mehr möglich ist.
Vielfaltformate wie Radio Multikulti wurden zugunsten von Einheitsradio abgeschaltet.
Ich zahlte zur Erhaltung eines Qualitätsjournalismus gerne an die
GEZ, doch nicht für "Brisant" & Co.
Gleiches gilt für Printmedien: Immer weniger Information, immer
mehr Panorama. Wenn kein Qualitätsunterschied zw. solchen
"Profis" und Amateurbloggern auszumachen ist, wofür dann zahlen?
Insolvenz von „Frankfurter Rundschau“ und der Einstellung der „Financial Times Deutschland" die Natürliche Auslese? Nein: wer profitiert eigentlich von öffentlicher Kommunikation zulasten der Schläfer? „Demokratisierung von Information“ durch Technologie? Zu wenig: All you do, you speed up the mess! Wenn die Information sich als bezahlte "Werbung" pro oder contra von Interessen herausstellt, nein danke. Demokratie setzt wahrhaftige Kommunikation voraus aber dafür ist die wahrhaftige Information eine Bedingung. Die mangelnde Verlässlichkeit führt zwangsläufig zum Verlust des Vertrauens! Dafür sind ausschließlich Autoren und Journalisten verantwortlich? Eigentümer haben ein Eigeninteresse und Lektoren korrigieren Schreibfehler aber keine Inhalte? Die Informationsökonomie, die Macht der Unternehmensgiganten ist zu gigantisch und sie werden deshalb aussterben (Darwin). Die Verlage haben nichts gelernt und wir, die Bürger, noch nicht viel. Unsere Regierung wird von Medien regiert
Die Qualität der Presse ist letztlich Ausdruck der Zeit. Auch die in einigen Leserbriefen geäußerte Kritik am heutigen smarten Journalismus zielt nicht auf objektive Information ab, sondern will nur das eigene Weltbild bestätigt sehen. Da es aber ein einheitliches Weltbild nicht gibt und in der heutigen Gesellschaft unendlich sich widerstreitende Lebensvorstellungen existieren, bleibt die Presse von dieser Entwicklung nicht unberührt. Die Forderung nach klaren politischen Positionen bürgt daher nicht für Qualität im Sinne einer objektiven Information. Die Krise der Informationsvermittlung besteht eben darin, dass es in einer Welt, in der alles auf Meinungen relativiert wird, nichts Objektives geben kann. Selbst qualitativ höherwertiger Journalismus orientiert sich nicht an Objektivität, sondern an der Meinungsmacht. Je nach Redaktion erhält man als Leser dann lediglich schön formulierte Interpretationen des Geschehens, die an Verbindlichkeit der Wettervorhersage gleichkommen.
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 28.11.2012 08:19 UhrWenn es keine objektive Realität gibt,
wie Sie schreiben, dann kann man sich ihr auch nicht annähern. Am Ende bleibt im besten Falle die Beliebigkeit wohlformulierter Statements, die sich nach der politischen Wetterlage ausrichten.
Der Konstruktivist würde sagen
es gibt sowieso keine objektive Realität bzw. man kann sie weder
objektiv wahrnehmen noch objektiv reflketieren aus logischen
Gründen wie die Begrenztheit unserer Sensoren,
Informationsverarbeitungsmöglichkeiten und psychologischen Filtern
im Gehirn und der Limitierung der Ausdrucksfähigkeit von Sprache...
"There is no truth or falsehood, just dominant processes by which
reality is socially constructed. There is no objective reality. There
might be a world that has true reality. A world with genuine physics.
Like Newton said or like Einstein said. But because we are in a world
that is made out of language we will never ever get to that place from
here. The only direction we can move is into the different flavors of
the dominant social discourse, or across the grain of the consensus
narrative. "
Man kann sich jedoch einer objektiven Realität annähern indem
man klassischen Journalismus betreiben würde. D.h. tief zu
recherchieren und auch Mindermeinungen & andere Ansichten einzubeziehn.
Technologiesprung als Ursache?
Ich bin mir gar nicht so sicher, dass der Grund für den Niedergang
des guten Journalismus im neuen Medium zu suchen.
Eine Analogie aus der Musikbranche: Ende der 70er Jahre begannen die
Plattenfirmen, die Musik nicht mehr durch eigene Produzenten in eigenen
Studios zu formen, sondern fertige Tonbänder aufzukaufen. Das war
der Grund für die Entwertung der populären Musik vom
gesellschaftsformenden Ausdrucksmittel zur Lifestyle-Komponente. Die
leichte Kopierbarkeit der Musik dank Computer vereinfachte diesen
Prozess.
Ähnliches ist im Journalismus schon seit Jahren zu erkennen: hier
sollte man auf die Dominanz der Nachrichtenagenturen schauen, deren
Meldungen in Massen übernommen werden. Das führt dazu, dass
einerseits gut ausgebildete Journalisten immer weniger benötigt
werden. Andererseits bleibt als Betätigungsfeld der Redakteure oft
nur noch die Äußerung der eigenen Meinung. Und die hat eben
auch ein Blogger.
sehr geehrter Herr Schirrmacher für einen geistreichen Artikel, von
dem wohl Sie auch morgen noch wissen, wes Inhaltes er war - viele Leser
nicht mehr, die meisten im Zustand des "potenziellen Lesers"
geblieben sein werden...
Was mich sehr interessieren würde, wären Ihre Kriterien
für Relevanz einer Tat, einer Initiative, eines Geschehens? Sehen
Sie außer dem Markt, den gesellschaftlich trotz aller
Demokratisierung weiterhin vorhandenen Klassen oder
Zugehörigkeitsverhältnissen Kriterien für Nachrichten,
die sich "lohnen" für Journalismus hinausgehend über
die Mainstreams oder jeweiligen gesellschaftlichen Grundannahmen und Trends?
Da ist eine Ideologie der Partizipation im Netz und eine ebensolche
dessen, der sein Tageblatt fortschreibt. Wo kann der offene Raum
für jene entstehen, die im Alltag Verwandlung leisten, aber weder
"Partizipierende" sein werden noch zur etablierten Oberliga
gehören?
Womöglich ist es nicht Ihre Aufgabe, dies zu bedenken, vielleicht
haben Sie es doch getan?
Meinungsfreiheit ist das, was fehlt - der Mut, die Medieneinfalt zu durchbrechen - ein Traum?
Ich träume von einem Land, in dem Nachrichtensendungen noch aus
relevanten Nachrichten bestehen und nicht aus der Meinungsdiktatur einer
grünlinken Kaste, ergänzt um nette Belanglosigkeiten
vermeintlich Prominenter.
Ich träume von einem Journalismus, der Streitfragen offen darstellt
und nicht so tut als ob Computermodelle Wissenschaft ersetzen
können, und wir haben weltrettenden Gurus aus Potsdam zu folgen
(der verschwiegene Streit um den Klimawandel).
Ich träume von einem Journalismus, der offen darüber
berichtet, daß nicht nur Klimagurus die Demokratie abschaffen
wollen, sondern auch mehr oder weniger nicht legitimierte Euro-Retter.
Ich träume von Journalisten, die sich nicht als gläubige
EU-Hofberichterstatter aus Brüssel melden, sondern die zunehmende
Unfreiheit durch größere Brüsseler Zentralmacht ansprechen.
Ich träume von Journalisten, die nicht dem Ungeist der medialen
Einheitskaste dienen, sondern sich der Meinungsfreiheit verpflichtet fühlen.
Das alles hätte Zukunft.
Danke für Ihre Lesermeinung. Kann ich bitte 20 Beiträge und ein App gratis bekommen? Ich weiß nämlich welche Beiträge. Das letzte ziel "aller" Naturwissenschaft ist sich in Mechanik aufzulösen. Jedoch Mechanik kann nicht selektive Phantasie und morphologische Intelligenz ersetzen.
Journalismus, früher und heute
Vor ein paar Wochen sah ich einen alten Ausschnitt aus der Tagesschau,
der ein abscheuliches Verbrechen politischer Natur zum Gegenstand hatte.
Sowohl Text wie auch Mimik des Sprechers blieben distanziert, kühl,
sachlich und streng. Heute wäre das undenkbar. Da wird jede
Nachricht mit Herz-Schmerz und Emotion untermalt, während irgendein
lächerlicher Moderator seine zufällige Meinung mehr oder
weniger gewitzt verpackt.
Gleiches kann man über die Zeitungen sagen. Wer mal in den Archiven
der Zeitungen gelesen hat, wird merken, daß selbst Blätter,
die heute nur noch die schiere Hetze betreiben, vor vielleicht 20 Jahren
mal wirklichen Journalismus betrieben haben.
Ich nehme mit größter Genugtuung zur Kenntnis, wie all diese
Entwicklungen Konsequenzen zeitigen. Immer weniger Leute wollen Geld
dafür ausgeben, um Ziel von politisch motivierter Desinformation
und Bevormundung zu sein. Recht so, und auch wenn die FAZ in vielen
Fällen besser ist, so gibt es auch hier genügend Fälle...
Verlage haben das Rubrikengeschäft nicht ins 21. Jahrhundert gebracht
Herr Schirrmacher hat in seiner Analyse ein Problem nicht aufgegriffen: Qualitätsjournalismus war auch vor 20 Jahren nicht wirtschaftlich realisierbar sondern schlichtweg quersubventioniert. Denn neben den Vertriebserlösen (Abo und Einzelverkauf), deren Wegfall Schirrmacher durch die Gratiskultur als das eigentliche Problem ansieht, standen Erlöse aus Anzeigen und dem Rubrikengeschäft. Und genau dieses Rubrikengeschäft braucht seit über 10 Jahren keine Zeitung als Mantel. Mobile.de, Stepstone und Immoscout24 lassen grüßen. Alle Verlage haben diese abzusehende Entwicklung unterschätzt, nur wenige haben später durch Zukäufe Marktanteile zurück gewonnen (Springer und Burda). Der Rest der Verlage träumt immer noch von den guten alten Zeiten. Insofern: Die Diskussion müsste aus meiner Sicht eher lauten: Warum haben die Verlage nicht ganzheitlich alle ehemals vorhandenen Geschäftsmodelle ins digitale Zeitalter transferiert? Weil sie arrogant waren und das Modell nicht verstanden haben.
Ja, es dreht sich alles nur noch um den Preis. Und da spielt
Qualität dann auch nur noch eine untergeordnete Rolle. Denn
Qualität muß man sich auch leisten können.
Ja, im Internetzeitalter ist alles möglich. Und niemand sollte sich
einbilden, in Zukunft mit Informationen oder Unterhaltung noch reich
werden zu können. Zum Überleben wird es vielleicht gerade noch
so reichen.
Ja, ein Problem ist die Selbstausbeutung. Sinkende bzw. stagnierende
Nettolöhne bei steigenden Preisen führen zu zwangsweisen
Einschränkungen, für die jeder unterschiedliche
Prioritäten setzt. Nicht ohne Grund geht die Entwicklung hin zu
Zweit- und Drittjobs, um sich wenigstens einen gewissen Lebensstandard
leisten zu können.
Ja, Zeitungen gehören nicht zu den lebensnotwendigen Dingen, wenn
Informationen kostenlos im Netz zur Verfügung stehen. Die
Qualität ... das hatten wir ja schon.
Ja, wer würde nicht gern beim Feinkosthändler statt bei ALDI
kaufen, allein es fehlt am Geld, trotz Selbstausbeutung.
Ich hatte Ihren Beitrag gelesen, verstanden und empfohlen, Herr Henkel.
Es kam mir nur darauf an, den Aspekt der Selbstausbeutung noch einmal
deutlich hervorzuheben.
Denn irgendwie freut es mich schon, daß nach Unterschicht und
Mittelschicht nun auch die Besserverdienenden zu spüren bekommen,
daß in diesem Land etwas grundlegend falsch läuft. Vielleicht
ist das der beste Weg, Veränderungen zu erzielen.
Wenn die Medienvertreter erst einmal verstanden haben, daß
Qualität heute keinen Erfolg mehr garantiert, daß
Quantität nicht immer zu erreichen ist bzw. auch nicht unbedingt
hilft, dann wird der Blick vielleicht endlich für den Gesamtzustand
der Gesellschaft geschärft. Vielleicht endet dann die
Hofberichterstattung und weicht einer konstruktiven Kritik.
Am Ende könnten alle davon profitieren, nicht nur die Journalisten.
Rebellion gegen die Eliten "Postdemokratie"
In den 60ziger 70ziger und noch in den 80ziger Jahren war die Gesellschaft in fast allen Bereichen wesendlich offener als heute und hat Newcomern, Quereinsteigern, darunter einige Außenseiter, Chancen eingeräumt. So konnte man u. a. Journalist werden, wenn man eine gute Schreibe besaß. Das gleiche gilt für die Filmbranche. Leute wie Faßbinder hätten heute keine Chance mehr. Welche Galerie stellt einen Autodidakten aus? Heute muß man einer Gilde, einer akademischen BildungsKaste, einem kulturellem Netzwerk angehören. Deren Gralswächter entscheiden dann nach Gutdünken, im Sinne der akademischen Filzokratien und natürlich nicht zuletzt mit der "politischen Brille". So bleiben viele Kreative auf der Strecke und ihre guten Texte und Ideen vergammeln in der Schublade. Auch meine Text und Bild-Beiträge zum Rousseau-Jahr wären vergessen. Dank google und co. youtube, Flickr, Tumblr. habe ich mehr Besucher als eine Galerie. Mehr Leser als ein mittlerer Verlag. Und das WELTWEIT!!!!
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 26.11.2012 22:32 UhrHerzlichen Glückwunsch.
Das zuerst und völlig unironisch. Es freut mich, dass sich das Netz
für Sie als Raum öffnet. Ich gebe aber zu bedenken, dass die
Gleichstellung von Clicks mit "Besuchern" und
"Lesern" doch etwas schwierig ist. Oder haben Sie in der
erwähnten Zahl auch Rückmeldungen bekommen?
Was Herr Schirrmacher im Übrigen m. E. meint, ist nicht unbedingt
die Schwelle zur Veröffentlichung, sondern wie die ganz neue
Economy z.T. auch Leute behandelt, die nachgefragt werden. Die jeder
lesen/betrchten etc. möchte.
Das Zeitalter des Internet ist gerade mal zehn bis fünfzehn Jahre alt. Die digitale Revolution hat also gerade erst begonnen und ist nicht, wie manche meinen, mit der geplatzten dotcom Blase geendet. Dadurch sind bereits etliche Berufsbilder der Medienwirtschaft verschwunden, so die klassische Sekretärin, der Graveur, der Retuscheur ..., oder sie haben sich gewandelt. Jetzt trifft es die Journalisten; was für eine Überraschung! Digitale Kommunikation ist " two-way-communication", das heißt der Leser ist nicht mehr bloß passiver Konsument, sondern er kann mitreden. Und die bloße Information über Tatsachen und Regierungshandeln ist keine Zeitung und keine drei Euro mehr wert. Aber intelligente Recherche und klare Kommentare haben immer ihren Wert und Preis. Und immer öfter sind es die, zugegeben wenigen, intelligenten Kommentare der Blogger, die eine Story abrunden. Warum also, soll eine in diesem Sinn inhaltlich und technisch gut gemachte Internetzeitung nicht erfolgreich sein?
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 27.11.2012 09:45 UhrDie Zeitungsverleger machen Fehler.
Wenn man fast die ganze Zeitung kostenlos ins Internet stellt und sich dann über Leserschwund der Papierausgabe beklagt, macht an was falsch. Wenn man gleichzeitig die Onlineausgaben technisch nur dürftigst ausstattet (fehlende Editor Programme, benutzerunfreundlichst, etc, etc,) und sich dann beklagt, dass niemand dafür Geld bezahlen will, macht man was falsch. Die Zeitungsverlage sind in der Situation desjenigen, der aus Angst vor dem Tode Selbstmord begeht. Ich würde jedem Chefredakteur raten, einmal vierzehn Tage seine electronische Ausgabe zu lesen und zu bloggen, dann wüsste er was ich meine.
Ja, das fragt man sich.
Welche gut gemachte Online-Publikation, die gleichzeitig wirtschaftlich
unglaublich erfolgreich ist und nicht (!) von den etablierten Verlagen
oder Internet-Giganten betrieben wird, fällt Ihnen denn ein?Ich
meine, so eine Zeitung würde doch jeder lesen wollen, oder?
Abgesehen davon wüssten wir alle davon, diese Erfolgsgeschichte
würde nämlich auch in jeder weniger guten Online-Zeitung stehen.