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Zu Guttenberg bei Sat.1 : Vor Doktortiteln wird gewarnt

Karl-Theodor zu Guttenberg im März 2009 in New York. Nun wird sein Leben verfilmt, als Satire Bild: dpa

Sat.1 plant eine Satire über Karl-Theodor zu Guttenberg. Unter dem Arbeitstitel „Der große Bruder“ entsteht ein Film, der Maßstäbe setzen soll. Ein Wagnis ist es.

          Nun ist es heraus: Der Sender, der die Satire über Aufstieg und Fall des Karl-Theodor zu Guttenberg im Programm haben wird, heißt - Sat.1. Eine Satire im Stil des Kinofilms „Schtonk“ oder der legendären Serie „Kir Royal“ von Helmut Dietl schwebt dem Produzenten Nico Hofmann vor. Das Unterfangen, das Produzent und Sender mit dem Film unter dem Arbeitstitel „Der große Bruder“ eingehen, ist gewagt. Schließlich handeln sie am lebenden Objekt und haben Persönlichkeitsrechte zu achten.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Namentlich handelt „Der große Bruder“ nicht von zu Guttenberg, der Vita nach hingegen schon: Ein junger Mann von vornehmer Abstammung weiß nicht so recht, wo seine Talente liegen könnten. Bei seinem besten Freund, Sohn eines Bauern, liegen die Dinge anders, er hat ein Begabtenstipendium und studiert Jura in Berlin. Dort kreuzen sich die Wege der Schulkameraden, dort beginnt ein Pakt fürs Leben. Der eine hat zwar keine Standpunkte, doch nimmt er die Menschen für sich ein. Der andere ist der kluge Kopf dahinter, der Spin Doctor. Was der eine denkt und schreibt, spricht der andere aus und hat damit unfassbaren Erfolg, selbst dann noch, da er, als Verteidigungsminister und Vertreter der konservativen Volkspartei, die Abschaffung der Wehrpflicht vorschlägt. An der Seite des beliebten Politikers findet sich auch der Chefredakteur einer Boulevardzeitung. Erst als das Ghostwriting für die Doktorarbeit des Politpublikumslieblings publik wird, erfolgt der jähe Absturz.

          Keine rechtlichen Bedenken

          Die Geschichte, erzählt von der Drehbuchautorin Dorothee Schön, kommt einem bekannt vor. Und doch soll sie hinreichend verfremdet in Szene gesetzt werden, auf dass sie nicht mit einem biographischen Film verwechselt werden kann. Sondern zu einem wird, von dem der Produzent Hofmann denkt, dass er sogar Karl-Theodor zu Guttenberg gefallen könnte. „Man kann so etwas nur machen, wenn man die Figuren mag“, sagt Hofmann. Beleidigend zu sein sei für ihn kein Ansatz, es gehe nicht um eine Klamotte, sondern um Satire „mit großem Raffinement“. Er hoffe, „dass mit der Zeit ein gewisser Abstand entsteht, um einem solchen Thema mit Humor zu begegnen“.

          „Ich habe bei dem Film rechtlich gar keine Bedenken“, sagt der Anwalt Christian Schertz, der die Produktion beratend begleitet. „Der Vorgang ist öffentlich bekannt. Karl-Theodor zu Guttenberg ist eine absolute Person der Zeitgeschichte, und er hat zudem selbst die Medien für seine Persönlichkeitsdarstellung genutzt. Unter dieser Voraussetzung muss jemand es dulden, dass man sein Lebensbild oder Episoden desselben verfilmt, ohne um Einwilligung zu bitten. Zudem geht es hier um eine Satire, also um fiktionale Überhöhung der Realität, daher liegt der Fall sehr weit im Bereich der Kunstfreiheit.“

          Über eine Premieren-Einladung wird noch nachgedacht

          Ihn habe, sagt der Geschäftsführer von Sat.1, Joachim Kosack, „die Geschichte gereizt, gerade weil sie eine Satire ist und weil sie eine komödiantische Aufladung besitzt. Schon das Script von Dorothee Schön ist sehr, sehr komisch. ,Der große Bruder’ passt bestens zu uns, weil wir Filme machen wollen, die das Land bewegen - sowohl solche, die aktuelle, gesellschaftlich relevante Stoffe zum Gegenstand haben wie historische. Bei diesem Film geht es für mich auch um die Frage, was einen Politiker antreibt und wie die Menschen Politiker sehen. Es geht um das Getriebensein, um das Gefühl, als öffentliche Person perfekt erscheinen zu müssen. Und es geht um einen Film ohne jede Häme und um zutiefst menschliche Aspekte. Dabei darf man nicht vergessen: ,Der große Bruder’ ist fiktional und hat eine eigene Geschichte, in der es auch um eine große Männerfreundschaft geht. Wir wollen die Aspekte hinter der Geschichte beleuchten. Und die Besetzung, die uns vorschwebt, ist einfach ein Knaller.“
          Nur als Satire

          In der Tat, das Wunschensemble kann sich sehen lassen: Jan Josef Liefers soll den Politstar spielen, Anja Kling dessen Ehefrau. Henning Baum ist der Spin Doctor, Annette Frier dessen Frau, die als Ärztin bei der Bundeswehr arbeitet, mit im Ensemble soll zudem Hans-Werner Meyer sein. Regie führt der Oscar-Gewinner Jochen Alexander Freydank („Spielzeugland“), das Drehbuch stammt von einer Grimme-Preisträgerin („Frau Böhm sagt Nein“). Dorothee Schön hatte den Produzenten Hofmann angerufen, als sie von dessen Vorhaben hörte und gemeint, das gehe nur als Satire. Über eine Premieren-Einladung des die Vorlage gebenden, echten Karl-Theodor zu Guttenberg wird noch nachgedacht. Laufen soll „Der große Bruder“ im kommenden Jahr.

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