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Zeitungsverleger Dirk Ippen Auch in der zweiten Liga spielt man schön

Krisengerede überlässt er der Konkurrenz: Dirk Ippen ist einer der erfolgreichsten deutschen Zeitungsverleger. Von München aus lenkt er geräuschlos ein Imperium aus Lokal- und Anzeigenblättern.

© Claus Setzer Vergrößern „Natürlich hätte ich früher gerne eine ,Frankfurter Allgemeine' oder eine ,Süddeutsche' verantwortet”, sagt Dirk Ippen. Heute bedienen seine Blätter im lokalen Markt Lebens- und Heimatgefühl

Ippen - das war einmal ein Schreckenswort in der Münchner Zeitungslandschaft. Ein Nachtmar für Betriebsräte, vornehmlich solche, die nicht bei ihm angestellt waren. Ein Phantom, das sich nicht in der Öffentlichkeit zeigte. Der Name ein Synonym für strenges Regiment, schlechte Bezahlung und knappe Personaldecke.

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Seine Zeitungen waren auch nicht danach, dass man sie unbedingt lesen wollte. Dabei hat sich der Verleger Dirk Ippen einfach dorthin begeben, wo die Konkurrenz abgewirtschaftet hatte. So kam, verstreut über das ganze Land, ein Imperium von Lokal- und Gratisblättern zusammen. Das reicht von der Ostsee („Fehmarnsches Tagblatt“, Auflage 2200 Exemplare) über den „Westfälischen Anzeiger“, die „Hessisch-Niedersächsische Allgemeine“ bis zum „Münchner Merkur“ (220.000).

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In der Zeitungskrise des vergangenen Jahrzehnts war von Ippen nichts zu hören - außer, dass bei ihm nicht entlassen wurde, dass seine Zeitungen auffallend wenig Auflage einbüßten. Vor fünf Jahren erschien die Anthologie „Des Sommers letzte Rosen“ bei C.H. Beck, die hundert beliebtesten deutschen Gedichte, kompiliert nach außerlyrischen Kriterien vom promovierten Juristen Dirk Ippen, der bis dahin öffentlich nicht als Lyrikfreund aufgefallen war. Anthologien zu Liebesgedichten und geistlichen Liedern folgten. Anfang Mai kam die Meldung, der Lyrikfreund habe den Hirmer Verlag, einen auf bildende Kunst spezialisierten Traditionsverlag, für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag erworben. Wie passt das zusammen? Ist hier ein knallharter Sanierer - hat man je von einem samtweichen Sanierer gehört? - altersmilde geworden?

Ippen Büro © Jan Roeder Vergrößern Dirk Ippen in seinem Büro in der Nähe des Stachus. An der Wand Fotos von Menschen, die ihm im Arbeitsleben wichtig waren, ganz links aber auch seine Mutter. Das Porträt seines Vaters steht auf dem Schreibtisch.

Ausweichen auf die Historie

Wer Antworten sucht, findet sich in einem knallhart schmucklosen Besprechungszimmer mit Blick auf den Münchner Stachus wieder. Der Verleger hat sich hierher zurückgezogen, weil der den „jungen Leuten“ in der Bayerstraße, dem Sitz des Münchner Zeitungsverlags mit dem „Merkur“ und dem Boulevardblatt „tz“, nicht im Nacken sitzen wollte. Ein altersloser Siebziger, passionierter Bergwanderer, eine sportlich-elegante Erscheinung, dezent gebräunt. Der Tonfall verrät nach mehr als dreißig Jahren den Zugereisten. Auch unter Strom steht er immer noch, das Fingerklöppeln und der diskrete Blick zur Uhr verraten es. Über seine neue Akquisition sagt er: „Ich bin nicht mehr in dem Alter, wo ich nur Dinge kaufen muss, die auf der bisherigen Linie liegen, sondern in einem, in dem auch die Freude an schönen Dingen eine Rolle spielen darf.“ Außerdem sei Hirmer ein Verlag, dessen Programm seinen historischen Interessen entgegen komme.

Unlängst hat Dirk Ippen in der Frankfurter Paulskirche eine Rede bei der Verleihung des Wächter-Preises gehalten. Und sich als Ritter der Staatsferne und Pressefreiheit offenbart - gleichwohl seine Blätter bislang nicht als Speerspitzen des investigativen Journalismus aufgefallen sind. Ippen weicht auf Nachfrage lieber in die Historie aus. „Das hat mich schon enttäuscht, als ich vor dreißig Jahren nach München kam: Auch die ,Süddeutsche Zeitung' hat die ganzen Machenschaften von Strauß nicht richtig aufgedeckt. Der ,Spiegel' hat kritischer über Strauß geschrieben als die SZ. Der ,Münchner Merkur' hatte einen wertkonservativen Chefredakteur, der ein bekennender Strauß-Skeptiker war.“

„Wir können nicht alles falsch gemacht haben

Dieses sein Nach-München-Kommen hat man in der Stadt zunächst nicht für voll genommen. Nicht nur, weil der junge Herr Doktor („Die GmbH & Co. KG als Inhaberin sämtlicher Geschäftsanteile ihrer allein persönlich haftenden GmbH-Komplementärin“, Münster 1967) aus Westfalen so jungenhaft aussah. Ein Irrtum, der längst korrigiert ist. Denn hier kam einer, dem das Verlegen in die Wiege gelegt worden war. Sein Vater hatte als Kaufmann einen Fünf-Prozent-Anteil an der WAZ. Mit diesem Geld erwarb er eine Zeitung in Hamm, die der Filius gut weiterentwickelt hat.

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