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Zehn Jahre Youtube : Das Epizentrum der Remix-Kultur

Die Mutter einer ganzen Remix-Sippe: Szene aus dem Musical „Avenue Q“ Bild: Picture-Alliance

Youtube hat Stars hervorgebracht, peinliche Momente dem Tageslicht ausgesetzt und historische Perlen erhalten. Aber am wildesten wuchert dort die Remix-Kultur. Eine Würdigung am Beispiel von „The Internet is for Porn“.

          Natürlich mag es sie geben, die Menschen, die auf Youtube Telekolleg-Folgen aus den achtziger Jahren zu mathematischen Themen suchen (und finden). Auch die handwerklichen Anleitungen wie etwa zur Reparatur einer Waschmaschine sind ein ganz klarer zivilisatorischer Fortschritt. Schön und gut. Aber das Internet wäre nicht das Internet, wenn es nicht auch dieses Vehikel ausgiebig dazu nutzen würde, Quatsch zu machen.

          Dabei eröffnen die technischen Möglichkeiten der Kreativität neue Welten: Aus einem Video kann jeder ein Gif erstellen oder die Tonspur zur weiteren Verwendung herunterladen – und wer es noch nicht kann, findet selbstverständlich bei Youtube auch dazu Tutorials. So kommt es, dass hochgeladene Videos oft eine steile Remix-Karriere durchlaufen. Was eben noch eine ganz normale Filmszene war, wird plötzlich mit Disco-Musik hochgeladen, die die dramatische Stimmung ad absurdum führt. Oder der Dialog bleibt, dafür sprechen ihn jetzt die Darsteller eines Tierfilms. Der nächste Schritt ist meist ein Remix der gesprochenen Sätze. Und dann gibt es noch die beliebte Disziplin, Szenen mit ganz anderen, gerne völlig sinnlosen Dialogen zu unterlegen. Die dadaistische Reihe „Star Trek – Sinnlos im Weltall“ steht hier exemplarisch für ein ganzes Genre.

          Besonders plastisch lässt sich das Remix-Potential der Youtube-Gemeinde jedoch an einem einzelnen Lied aufzeigen. „The Internet is for Porn“ stammt aus dem Broadway-Musical „Avenue Q“, in dem die Darsteller mit Monsterpuppen auf der Bühne stehen. Hier das Original.

          Das mag bereits verrückt wirken. Aber das Leben lehrt jeden irgendwann, dass Verrücktheit sich nur auf einer nach oben offenen Skala bemessen lässt. Also häuften sich bald die Variatonen bei Youtube. Ein Nutzer machte sich sogar die Mühe, die Geschichte mit „World of Warcraft“-Figuren nachzuspielen und daraus ein Video zu schneiden. Besonders hübsch geriet hierbei die Stelle, da sie beginnen zu tanzen.

          Bald darauf schlossen sich auch ein paar Freunde zusammen, um erst gemeinsam die Gesangsspur aufzunehmen und Jahre später ein Video dazu zu schneiden. Darin sitzt jeder in seiner Wohnung vor der Webcam. Das Ergebnis ist dank eines gelungenen Schnitts gleichwohl überzeugend. Da es nicht zur Einbettung freigegeben wurde, ist es nur hier bei Youtube zu sehen.

          Doch all diese Remixe kommen nicht an den einen heran. Den einen, der auf Youtube nicht mehr zu finden ist. Denn auch das gehört zum Phänomen Youtube: Während man dort früher einfach alles fand, muss man für Musikvideos inzwischen meist zu Vimeo ausweichen, und auch andere, oft sehr beliebte Videos verschwinden inzwischen manchmal auf Nimmerwiedersehen. Es sei denn natürlich, man erinnert sich an ihren Namen. Dann findet man sie oft auf Webseiten wieder, deren Namen man noch nie gehört hat. Der Dadaismus-Community ist das nicht besonders zuträglich, aber der Wille zum Quatsch lässt sich dadurch nicht aufhalten. Und die Videos sind ja nicht weg – sie sind nur woanders. So wie dieses, das epochale Meisterwerk der Remix-Disziplin von „The Internet is for Porn“.

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