http://www.faz.net/-gqz-7rddz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 08.07.2014, 17:19 Uhr

ZDF-Show „Deutschlands Beste!“ Mit dem Zweiten trickst man schlechter

Das ZDF wollte die hundert „besten Deutschen“ finden. Die Zuschauer konnten angeblich live im Netz mitbestimmen. Jetzt stellt sich heraus: Das Ergebnis kam auf chaotische Weise zustande. Es herrscht vollständige Verwirrung.

von Stefan Niggemeier
© dpa Alles gut! Johannes B. Kerner bei „Deutschlands Beste! Frauen“ am Donnerstag

Die „Bild“-Zeitung meldete am nächsten Tag: „Kerner kürt Helmut Schmidt zum besten Deutschen“, und das wäre im Nachhinein wohl die bessere Lösung gewesen: Wenn das ZDF in der vergangenen Woche in zwei großen Shows einfach die Lieblingsdeutschen des Moderators Johannes B. Kerner vorgestellt hätte.

Stattdessen gibt es ein erstaunliches Durcheinander bei der Frage, wie die Reihenfolge der „besten“ lebenden Deutschen, die den Inhalt dieser beiden Sendungen ausmachte, zustande kam. An diesem Dienstag entschuldigte sich Oliver Fuchs, der Showchef des Senders, bei den Zuschauern und Teilnehmern der Sendung für das Vorgehen, das „methodisch unsauber und somit falsch“ gewesen sei.

Nur ein „sendungsbegleitendes Angebot“

Moderator Kerner hatte das Verfahren am Anfang der ersten Show so formuliert: „Es ist Ihre Liste, um die Wahrheit zu sagen; es ist auf der Basis einer repräsentativen Umfrage von Forsa und dann mit Online-Voting final und zu Ende geführt.“ Die Produktionsfirma Riverside Entertainment, die indirekt dem NDR und dem ZDF gehört, stellte es so dar: Mit einer Meinungsumfrage habe Forsa repräsentativ jeweils hundert Männer und Frauen ermittelt, welche die Deutschen für die „Besten“ des Landes halten. Daraus hätten Zuschauer und „Hörzu“-Leser dann ihre Favoriten wählen können. Die sich daraus ergebenden ersten fünfzig Plätze wurden dann in den Shows präsentiert und mit schmeichelhaften Worten kommentiert.

Mehr zum Thema

Auf Nachfrage korrigierte das ZDF diese Darstellung dann erstmals am Wochenende: Nun hieß es, das Ranking beruhe allein auf zwei repräsentativen Forsa-Umfragen, die schon im April durchgeführt wurden. Bei der Zuschauer-Abstimmung im Internet habe es sich nur „um ein sendungsbegleitendes Angebot mit Gewinnspiel“ gehandelt, „in das auch die Stimmen der ,Hörzu‘-Leser Eingang fanden“, wie ein Sendersprecher am Montag sagte. „Da es sich nicht mit dem Ergebnis der Forsa-Erhebungen zu einem gemeinsamen repräsentativen Ergebnis vereinen ließ, wurde es nicht für das Ranking verwendet.“

Noch während der Sendung

Das war eine interessante Neuigkeit für die Leser der Fernsehzeitschrift, die eigentlich keinen Zweifel daran gelassen hatte, dass sie bestimmen konnten, wer diese Show gewinnt. Anfang Mai, als die Forsa-Umfragen bereits abgeschlossen waren, stellte die „Hörzu“ alle jeweils hundert weiblichen und männlichen Kandidaten vor und rief dazu auf, bis zu fünf Favoriten zu wählen. Auch auf den eigenen Online-Seiten hatte das ZDF die Abstimmung keineswegs als bloße Gewinnspielerei verkauft, sondern als echten Wahlakt ausgegeben.

Die „Hörzu“ gab sich gegenüber dem NDR-Magazin „Zapp“ überrascht, dass die Abstimmung ihrer Leser gar keinen Einfluss auf das Ergebnis gehabt haben soll – sie hatte immerhin vier Seiten für die Aktion zur von ihr „präsentierten“ Show freigeräumt. Auch die Menschen, die den offiziellen Twitter-Account des ZDF bedienen, gingen davon aus, dass die Online-Abstimmung entscheidend ist: Noch während der Sendungen beantworteten sie Fragen nach dem Wahl-Modus immer wieder entsprechend und sagten sogar, dass die „Netzgemeinde“ für das Ergebnis verantwortlich war.

Schlechte Nachricht

Auf weitere Nachfragen korrigierte das ZDF seine Darstellung dann am Dienstag abermals und stellt den Ablauf nun wie folgt dar: Bei der Auswertung des Online-Votings habe sich herausgestellt, dass Fan-Gruppen das Ergebnis stark beeinflusst hätten. Die Redaktion habe sich deshalb dafür entschieden, sich auf die repräsentative Forsa-Umfrage zu stützen. Bei einer internen Nachprüfung am Dienstag habe sich dann herausgestellt, dass dennoch Ergebnisse des Zuschauer-Votings mit den Ergebnissen der Forsa-Umfrage vermischt worden seien.

Das klingt nach einem kaum zu übertreffenden Durcheinander und spricht nicht gerade für die Kompetenz der an der Produktion Beteiligten. Es ist natürlich in gewisser Hinsicht irrelevant, wer nun dafür verantwortlich war, dass Angela Merkel vom ZDF als „Deutschlands beste Frau“ gefeiert wurde, vor Steffi Graf, Magdalena Neuer, Hannelore Kraft und Helene Fischer – es war nicht einmal klar, ob „beste“ ein Synonym für „bedeutendste“ sein sollte oder für „populärste“ oder ganz etwas anderes. Andererseits war ebendiese Reihenfolge überhaupt der einzige Anlass und Inhalt der Show, so dass sich ihr Zustandekommen schon widerspruchsfrei erklären lassen sollte. Dabei ist auch merkwürdig, dass es die Biologin Christiane Nüsslein-Volhard auf die Liste geschafft hat. Als Nobelpreisträgerin von 1995 darf sie sicherlich als bedeutendere Persönlichkeit gelten denn viele andere auf der Liste. Dass sie aber, wie das ZDF behauptet, ohne dass ihr Name oder ihre Biographie vorgegeben war, zu den meistgenannten gehört haben soll, erscheint doch eher unwahrscheinlich.

Als Konsequenz aus dem Chaos kündigte Showchef Fuchs an: „Künftig wird das ZDF bei ‚Deutschlands Beste!‘ auf Internet-Votings verzichten und ausschließlich auf repräsentative Umfragen setzen.“ Die schlechte Nachricht, die darin steckt: Das ZDF plant offenbar eine Fortsetzung der Reihe.

Glosse

Der Dealmaker

Von Nina Rehfeld

Donald Trump möchte sich gerne als Geschäftsführer der Vereinigten Staaten von Amerika verstanden wissen. Doch auch als Polit-Unternehmer weiß der Präsident nicht zu punkten. Mehr 1 4

Zur Homepage