13.10.2011 · „Ein starkes Team", der ZDF-Samstagskrimi, feiert Jubiläum. Den bestens eingespielten Ermittlern aus Berlin bleibt auch diesmal rein gar nichts erspart.
Von Michael HanfeldDer gefährlichste Gegner des Polizisten ist nicht der Kriminelle, sondern der kriminelle Kollege. Der Maulwurf, der die Ermittlungen verrät und die Täter warnt, oder gar der Pate, der vom Präsidium aus die Fäden für die Mafia zieht. Dann wird es für die echten Ordnungshüter schnell lebensgefährlich.
In der Jubiläumsfolge des „starken Teams“ an diesem Samstag scheint ein verdeckt ermittelnder Beamter das Opfer einer solchen connection geworden zu sein: Er ermittelte gegen einen europaweit agierenden Menschenhändlerring und wird auf offener Straße hingerichtet. Verabredet hatte sich der Beamte zu einem geheimen Treffen mit dem Chef der Abteilung organisierte Kriminalität.
Für die Kommissare Verena Berthold (Maja Maranow) und Otto Garber (Florian Martens) wird das ein harter Fall, bei dem sie nicht wissen, wem sie trauen können. Garbers Kumpel Bruckner (Martin Feifel) scheint zwielichtig, mehr noch dessen Chef Zacharias (Heikko Deutschmann), mit dem der ermordete Ermittler verabredet war. Und auch Zacharias’ Ehefrau (Franziska Petri) hat etwas zu verbergen. Unter Verdacht aber gerät Otto Garber selbst, er soll einen verdächtigen Speditionsunternehmer erschlagen haben.
Ein Motiv hätte Garber, denn ihm widerfährt das Schlimmste, was man sich vorstellen kann. Gerade erst ist seine Tochter Anna (Susanne Bormann) aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt, gerade erst gewöhnen sich die beiden wieder aneinander, tasten sich vorsichtig in erkennbarer Verbundenheit als Vater und Tochter aneinander heran, da geschieht ein Attentat, von dem klar ist, dass es mit diesem Fall zu tun hat, in dem die Ermittler selbst zur Zielscheibe werden.
Florian Martens’ Kommissar Otto Garber, dem Mann mit der großen Klappe, den sonst in Bruce-Willis-Manier nichts aus der Bahn wirft, hätte man alles andere gewünscht als das, was sich die Drehbuchautoren Birgit Grosz und Leo P. Ard ausgedacht haben. Sie entwerfen die denkbar größte private Katastrophe. Das in Berlin ermittelnde „starke Team“, das Maja Maranow, Florian Martens, Arnfried Lerche und Kai Lentrodt spielen, ist eine Schicksalsgemeinschaft, und das Schicksal meint es nicht gut mit auch nur einem Einzigen von ihnen. Die vier bilden seit nunmehr fünfzig Folgen gewissermaßen das ewige „Tatort“-Team des ZDF.
Wir sind mit ihren privaten Umständen vertraut, ohne dass ihre Privatgeschichten die Kriminalhandlung obsolet machten, und sie stehen in einem unspektakulär fein austarierten Verhältnis zueinander. Maja Maranow und Florian Martens spielen zwei Ermittler, deren Erfolg auf dem unbedingten Vertrauen zueinander beruht, weniger auf der Einhaltung der Dienstvorschriften; Kai Lentrodts Kommissar Ben Kolberg ist ein versierter Informationsbeschaffer, aber nicht das im Krimi häufig anzutreffende Klischee des Internetfreaks, und Arnfried Lerches Reddemann ist nicht, wie andernorts häufig anzutreffen, der bornierte Chef, gegen dessen Unfähigkeit sich die wahren Helden leicht absetzen können, sondern ein leicht distanzierter, mitunter steifer Vorgesetzter, der, wenn es darauf ankommt, sich vor seine Truppe stellt. Und in diesem Fall, den der Regisseur Peter Fratzscher routiniert in Szene setzt (und sich selbst in einer Szene als Nebendarsteller auch), kommt es darauf an.
Das ZDF hat mit dieser Serie einen sehr langen Atem bewiesen, worauf der zuständige Redakteur Günther van Endert nicht ohne Genugtuung hinweist. Als „Ein starkes Team“ vor siebzehn Jahren begann, spielten noch ost- und westdeutsche Aspekte eine Rolle - personifiziert von den Hauptdarstellern. Doch ist das längst in den Hintergrund getreten. Die Serie ist geprägt von einer gesunden Mischung aus Spannung und Humor.
Sie hat sich fortentwickelt, sie vollzieht gesellschaftliche Entwicklungen mit, ist ein Spiegel der deutschen Gegenwart und ist in Berlin auch genau am richtigen Platz angesiedelt. Und sie hat sich einen festen Platz bei den Zuschauern erobert, was für die vielgestaltigen Samstagskrimis des ZDF etwas schwieriger ist als etwa für die „Tatorte“ der ARD, allein der Tatsache wegen, dass sich die Krimis im Zweiten alle naselang mit Shows abwechseln. Hinzu kommt die Vielzahl der Regisseure (unter anderen Marcus Imboden, Johannes Grieser, Thorsten Näter, Maris Pfeiffer) und der Drehbuchautoren. Da ist die Zuschauerbindung gar nicht so leicht herzustellen. Dem Ensemble von „Ein starkes Team“, dem vor und dem hinter der Kamera, ist es gleichwohl gelungen, und das ist keine geringe Leistung.
„Jedes Mal, wenn es darum geht, ob wir wieder für ,Ein starkes Team’ schreiben dürfen, schreien wir ganz laut: Ja!“, sagt der Autor Leo P. Ard. Siebzehn Folgen hat er gemeinsam mit Birgit Grosz in siebzehn Jahren verfasst. Diese hier ist besonders gelungen, aber auch besonders grausam und traurig. „Gnadenlos“ lautet ihr Titel.