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Veröffentlicht: 18.03.2017, 17:17 Uhr

„München Mord“ Am Haarschnitt müssen wir noch einmal arbeiten

Im ZDF-Samstagkrimi „München Mord - Einer, der es geschafft hat“ rekonstruiert Alexander Held als Ermittler Ludwig Schaller eine gescheiterte Flucht durch den Eisernen Vorhang.

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© ZDF Friseurin Uschi (Petra Berndt) bringt Ludwig Schaller (Alexander Held) auf andere Gedanken - und die Frisur in Form.

Es ist eine Männerwelt. Von der harten Judo-Matte in der Polizeisporthalle, auf die Kommissar Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier) seine sanftmütige Kollegin Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) schmettert, bis zum Drei-Schlafzimmer-Appartement mit Indoor-Pool am Starnberger See, in dem ein gutsituierten Herr mit schwerer Kopfverletzung gefunden wird.

Axel Weidemann Folgen:

Bei der Aufklärung des Falls von „München Mord – Einer, der’s geschafft hat“ geben die Männer den Ton an. Frauen – wie die Kommissarin, eine dänische Sekretärin mit charmant unsinnigem Akzent, eine Computerspezialistin, eine verhinderte Mutter und eine burschikose Friseurin – dürfen zuarbeiten, Verständnis zeigen, sich ausziehen, angebrüllt oder vernommen werden, den PC richten oder die Haare waschen. In Bayern ist die Welt eben noch in Ordnung, und die Ermittlungen von Ludwig Schaller (Alexander Held) beruhen wie stets auf seinem Bauchgefühl, Erfahrung und eigener Anschauung.

Schallers Kriminal-Kung-Fu gleicht einem sanften Fluss

Nachdem die Verfolgung eines vermeintlichen Täters ins Leere geht, setzt ein altes Familienfoto das Trio auf die richtige Fährte. Sie führt nach Bayerisch Eisenstein an der Grenze zu Tschechien. Dort ist das Opfer 1984 aus der damaligen Tschechoslowakei in die Bundesrepublik geflohen. Nur lief damals nicht alles wie geplant. Aber davon weiß allein ein schießwütiger Einheimischer: „der Schneider-Alois“. Schaller spürt ihn auf und bringt ihn auf seine leicht verrückte Art zum Reden.

Schallers Kriminal-Kung-Fu gleicht einem sanften Fluss, der die Widerstehenden schon umflossen hat, bevor es ihnen bewusst wird. Sicher ist Schaller ein Kauz, ein milde lächelndes Element des Absurden, das Alexander Held dem Zuschauer wie nebenbei verkauft. Zugleich lässt er die etwas bemüht wirkende Impulsivität des Kollegen Neuhauser elegant ins Leere laufen.

© ZDF Fernsehtrailer: „München Mord“

Ein Problem, das mittlerweile vierzehn Jahre alt ist

Der hat ein ganz anderes Problem. Eines, von dem er bis dato nichts wusste. Eines, das vierzehn Jahre alt ist. Eines, das ihn gerne einmal treffen will. Da wird jeder Mann mit Herz nervös. Der Mann ohne ein solches ist seit jeher der Dienststellenleiter Helmut Zangel („Quer“-Moderator Christoph Süß), der – stets Gift und Galle versprühend und taktierend – als stärkste Kontrastfläche zu Schaller dient.

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Bis auf dessen dunkles Verließ, in das ihn der Vorgesetzte zuletzt verbannte, ist der Film von einer fast altersmilde wirkenden Wärme geprägt. Kaum ein Bild der Kamerafrau Nathalie Wiedemann, das nicht von goldener Abend- oder Spätnachmittagssonne durchflutet ist. Dadurch wirkt der Film unter der Regie von Anno Saul wie ein einziger Sonntagsausflug mit kurzen Regenhuschen. Denn trotz der dunklen und ausgesprochen verschachtelten Geschichte des Drehbuchautors Florian Iwersen und der etwas ausgereizten Überreiztheit des Kollegen Neuhauser, überstrahlt Meister Schaller alles mit seiner unerschütterlichen Ruhe und guten Laune.

Die Pointen und fröhlich absurden Szenen – Schaller läuft nach dem Friseurbesuch herrlich zerzaust, aber selig, durch alle anschließenden Szenen – sie sind ja da. In den Dialogen wirken sie mitunter ein wenig aufgesagt. Was den Film trotz aller Wohlfeilheit erfrischend real macht: Im ganzen Figurenreigen taucht niemand auf, der sich so einfach vom Fleck weg verurteilen ließe. Das ist vermutlich ganz in Schallers Sinne: Fühlen. Nicht – oder zumindest erst dann – denken.

Glosse

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Von Nina Rehfeld

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