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ZDF-Serie „New Blood“ : Sie müssen besser als die anderen sein

  • -Aktualisiert am

Hierarchien sind ihnen schnuppe, und die Vorschriften bisweilen auch: Die Juniorermittler Arrash Sayyad (Ben Tavassoli) und Stefan Kowolski (Mark Strepan). Bild: ZDF und Des Willie

Anthony Horowitz schrieb Drehbücher zu James Bond und „Inspector Barnaby“. Er bringt junge Leute zum Lesen: Jetzt zeigt das ZDF „New Blood“ mit Feuer, Tempo und Charme.

          Anthony Horowitz, britischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Serienerfinder, ist hierzulande kein Unbekannter. Seine Buchreihe um den jugendlichen Detektiv Alex Rider („Stormbreaker“), der im Auftrag seines Onkels für den Geheimdienst MI6 mit Verve und Köpfchen clever konstruierte Fälle aufklärt, bringt insbesondere Jungs im Pubertätsalter dazu, das Smartphone gegen ein gedrucktes Buch (oder den E-Reader) zu tauschen. Eltern danken dafür mit hoher Erwerbsbereitschaft. Etwa neunzehn Millionen Exemplare hat die Alex Rider-Serie inzwischen weltweit abgesetzt.

          Auch der junge Matt, Held einer weiteren Jugendbuchserie, „Die fünf Tore“, ist ähnlich smart wie Alex, und ähnlich erfolgreich. Horowitz wurde zudem von den Nachlassverwaltern Sir Arthur Conan Doyles ausgewählt, neue Sherlock-Holmes-Fälle zu schreiben („Das Geheimnis des weißen Bandes“). Sein Œeuvre umfasst James Bond-Drehbücher ebenso wie Folgen der unverwüstlichen „Midsomer Murders“-Serie, in Deutschland bekannt als „Inspector Barnaby“. Seine sehenswerte Historienkrimiserie „Foyle’s Wars“ dagegen, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg spielt, ist bei uns aus unerfindlichen Gründen bislang nicht gelaufen. Dafür zeigt das ZDF auf dem Sonntagabendkrimiplatz nun „New Blood – Tod in London“, Horowitz’ neuesten Streich für die BBC. Sieben Teile, verwinkelt erzählte Krimipuzzles mit abgeschlossenen Fällen, die jeweils aus zwei Perspektiven aufeinander zu erzählt werden. Unterschiedlich lang sind die Folgen – der Auftaktfilm gönnt sich zwei Stunden –, das ist bei Serien eher unüblich und spricht für den Primat des Erzählerischen.

          Nach Feierabend gibt es bei den Jungs von „New Blood“ erst richtig auf die Zwölf.
          Nach Feierabend gibt es bei den Jungs von „New Blood“ erst richtig auf die Zwölf. : Bild: ZDF und Des Willie

          „Das moderne London, gesehen mit den Augen zweier Außenseiter“, so ist „New Blood“ in Großbritannien beworben worden. Gezeigt wird eine Metropole im Aufbruch und Umbau, in der Glas und Stahl das Bild prägen, Riesenkräne und Hochhausarchitektenträume wie das elliptische Gebäude „The Gherkin“ die Silhouette dominieren und Parlament und St. Paul’s Cathedral, wie überhaupt alles Altehrwürdige und Empiremäßige zum Nebendarsteller abkommandiert ist. Eine Stadt unter permanenter Konstruktion, für die das Alte entweder vergilbten Touristenprospekt darstellt oder, wie im Fall der Büros in Westminster, Deckmäntelchen aus schwerem Samt für seine Staatsdiener bereithält.

          Die Fälle beleuchten die Verflechtungen von Wirtschaft und Politik; es geht um korrupte Minister und kriminelle Großinvestoren, gierige Staatsbeamte und noch gierigere Pharmakonzerne. Und um zwei Abteilungen, die sich dem öffentlichen Wohl und der Aufklärung schwerer Straftaten verschrieben haben: eine der üblichen Zweigstellen der ermittelnden Kriminalpolizei (Criminal Investigation Department) mit seiner Routine, und das staatliche Betrugsdezernat (Serious Fraud Office), bei dem Geheimdiplomatie und Undercover-Einsätze die Arbeit bestimmen. Die Nähe des SFO zur Politik weckt Begehrlichkeiten. Mindestens ein Maulwurf untergräbt die diskreten Ermittlungen der Abteilungsleiterin Eleonor Davies (Anna Chancellor) und ihres Stellvertreters Marcus Johnson (Ariyon Bakare). Im CID dagegen treiben sich Detectives alter Schule herum. DI Martin Heywood (Dorian Lough) und DS Derek Sands (Mark Addy) sehen beide schwer nach englischer Arbeiterklasse aus, einer hager, der andere schwerfällig. Sands, Typ klassisches Ermittlerrauhbein, sieht man unzählige Pints und jahrzehntelanges „Full English Breakfast“ an. Seinen Cholesterinwert möchte man gar nicht kennen.

          Wo Rauch ist, da ist Feuer, das sind die beiden Ermittler von „New Blood“ nicht weit.
          Wo Rauch ist, da ist Feuer, das sind die beiden Ermittler von „New Blood“ nicht weit. : Bild: ZDF und Des Willie

          Die Hauptfiguren dagegen entstammen der Generation Selbstoptimierung und frühstücken Müsli. CID-Trainee-Detective Arrash Sayyad (Ben Tavassoli) und Juniorermittler Stefan Kowolski (Mark Strepan) vom staatlichen Betrugsdezernat sind jung, ungestüm, brillant, bringen sich regelmäßig in Schwierigkeiten – und lernen sich beim Triathlon kennen. Was man in seiner Freizeit halt so macht, um als superfitte Sportskanone den Kollegen immer einen Schritt voraus zu sein.

          Bis zum Ende der zweiten Folge sind beide zweimal gefeuert und wieder eingestellt worden. Als Klugscheißer mit entwaffnendem Charme und beeindruckender Erfolgsbilanz scheren sie sich nicht um Hierarchien. Einwanderer der zweiten Generation, Sayyads (Spitzname „Rash“) Familie stammt aus Iran, Kowolski kommt aus Polen. Sie sind es gewohnt, immer mehr geben zu müssen als andere. Ihr Erfinder Horowitz gibt seinen Jugendbuchhelden Migrationshintergrund und macht sie ein wenig erwachsener. Witze auf ihre Kosten und lebensgefährliches Scheitern inklusive.

          Trailer : „New Blood“

          Merke: Wer Triathlon praktiziert, der steht wieder auf und rennt weiter, auch wenn die Gegner, wie in der Pilotfolge, zwei globale Pharmakonzerne sind, denen das Morden so leicht von der Hand geht wie das Kreieren unnützer, aber profitabler Medikamente. Dass Rash und Stefan an ein- und demselben Fall von zwei Richtungen her arbeiten, geht ihnen, anders als dem Zuschauer, erst spät auf. Da sind sie schon ziemlich beste Freunde und suchen eine gemeinsame Wohnung. Formidabel austrainierte Freunde und zu bubencharme-sympathisch, um nassforsch zu wirken. Alex Rider hat sich verdoppelt und ist ein bisschen erwachsener geworden.

          New Blood beginnt am heutigen Sonntag, 13. August, um 22 Uhr im ZDF.

          Quelle: F.A.Z.

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