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ZDF-Manipulationsskandal : Wer hat davon wann was gewusst?

Deutschlands angeblich beste Frauen, darunter Katarina Witt und Hannelore Kraft Bild: dpa

Der Betrug bei der Show „Deutschlands Beste“ sorgt für Aufruhr im ZDF. Nun kündigt die Aufsicht des Senders eine kritische Prüfung an. Der Fragenkatalog des Fernsehrats nimmt gar kein Ende mehr.

          Die ganze Republik ist Weltmeister, nur beim ZDF fühlen sie sich als Bademeister. Und das, obwohl das Zweite, ebenso wie die ARD, von der Fußballweltmeisterschaft irrsinnig profitiert hat, mit sensationellen Einschaltquoten, gerade bei den jüngeren Zuschauern. Doch am Tag nach dem vierten WM-Titel für die deutschen Fußballspieler tragen sie beim ZDF Trauer.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Es herrscht Fassungslosigkeit über die Pleite der Unterhaltungsshow „Deutschlands Beste“: Die Reihenfolge der dort genannten und zum Teil ins Studio geladenen Gäste war, wie wir inzwischen wissen, komplett fingiert. Im Sender wird nun auf Hochtouren daran gearbeitet, herauszufinden, wie das geschehen konnte. „So etwas darf nicht passieren“, heißt es im Sender. Ist es aber.

          Es begann mit einer passablen Idee: Mit einer repräsentativen Umfrage des Instituts Forsa sollte ermittelt werden, wer denn die bedeutendsten, bekanntesten, beliebtesten Deutschen seien. In einer zweiten Runde wurde diese Frage noch einmal gestellt, diesmal allerdings mit einer Unterteilung in Rubriken – Politik, Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft. Schon da wurde es schwierig. Dann kamen die Idee einer Online-Befragung in Echtzeit hinzu und die Aktion der „Hörzu“, deren Leser ebenfalls mitbestimmen können sollten, wer wo auf der Liste der „Besten“ landete.

          Augen zu und durch

          Vier Umfragen, nur die ersten beiden repräsentativ, die anderen nicht: Es hatte sich bis dato niemand darüber Gedanken gemacht, wie man derart unterschiedliche Erhebungen zu einem konsistenten Ergebnis vereinen sollte. Das Problem fiel der Redaktion zwar auf, doch sie behielt es für sich. Die Parole lautete: nur die Forsa-Umfrage nehmen, das andere ins Leere laufen lassen, Augen zu und durch.

          Damit war das Fiasko programmiert. Dass dann auch noch vollkommen willkürlich durchgewürfelt wurde, auf welchem Platz der „Bestenliste“ jemand landete, setzte dem Ganzen die Krone auf. Man hatte viele zu der Show eingeladen, die Gäste, die zusagten, wollte die Redaktion offenbar bevorzugt behandeln – fertig war die Farce.

          Die Liste war eine List: Johannes B. Kerner hat sich seine zweite Karriere beim ZDF bestimmt anders vorgestellt
          Die Liste war eine List: Johannes B. Kerner hat sich seine zweite Karriere beim ZDF bestimmt anders vorgestellt : Bild: dpa

          Der Moderator Johannes B. Kerner, der einst ein großes Aushängeschild des ZDF war, sich dann mit dem Sender zerstritt, bei Sat.1 kein Glück fand und vor einiger Zeit zum Zweiten zurückgekehrt ist, dürfte sich diesen Auftritt auf der von ihm über Jahre bespielten großen Showbühne anders vorgestellt haben.

          Er wusste von dem Chaos hinter den Kulissen nichts und führte an zwei Abenden durch einen Kindergeburtstag für Erwachsene, der einem im Nachhinein so vorkommt, als habe sich der anarchische Fernsehvordenker Wolfgang Menge eine besonders drastische Posse ausgedacht: Deutschlands Beste! Von Hand ausgewählt! Biologisch abbaubar! 1.April mitten im Juli! Ringelpiez mit Anfassen und Publikumsverhöhnung? Alles zum Preis von nur 17,98 Euro im Monat.

          Es geht nur noch um Schadensbegrenzung

          Herausgekommen ist das übrigens nur, weil ein paar Journalisten wissen wollten, wie das mit den verschiedenen Umfrage-Arten denn in eins gegangen sei. Erst da stellte man sich im Sender selbst die Sinnfrage, die am Anfang oder zumindest mitten im Verfahren hätte gestellt werden müssen: Wie funktioniert das? Da war von dem eigentlichen Skandal – ist alles nur erfunden – noch gar nicht die Rede.

          Jetzt geht es nur noch um Schadensbegrenzung. Die ist dem Programmdirektor Norbert Himmler aufgegeben, den der Skandal in voller Fahrt erwischt. Er steht für ein Runderneuerungsprogramm des ZDF, bringt Schwung in die Bude und verfolgt hohe Ziele, mit anspruchsvollen Filmen und Serien – die ersten Ergebnisse können sich durch die Bank sehen lassen. Doch was nützt das, angesichts der Pleite des Jahres?

          Gefragt ist nun er, und gefragt ist das zuständige Aufsichtsgremium des ZDF, der Fernsehrat. Dem will Himmler ein Konzept für „Voting-Shows“ vorlegen, das Transparenz schafft – hausintern und in der Öffentlichkeit. Und der Fernsehrat wird darauf bestehen, wie der Vorsitzende Ruprecht Polenz dieser Zeitung sagte. Der Ausschuss, der die Arbeit der ZDF-Programmdirektion begleitet, werde sich alsbald zu einer Sondersitzung treffen, sagte Polenz.

          Viele offene Fragen

          Und dabei müsse der Sender eine ganze Reihe von Fragen beantworten: Wer hat die Veränderungen an den Rankings vorgenommen? Wer hat davon gewusst? Wer hätte es wissen müssen? Wann war dies jeweils der Fall? Des Weiteren: „Was war die Idee und Konzeption der Sendung? Wer war für die Sendung verantwortlich? Was war der Inhalt des Kooperationsvertrags mit der ,Hörzu‘? Wurden Vertragspflichten verletzt?

          Wer hat wann welche Umfrage mit welcher Fragestellung durchgeführt? Wer wurde jeweils gefragt? Mit welchem Ergebnis? Wie sahen die Ranking-Listen vor beziehungsweise nach den Veränderungen aus? Wer hat die Ranking-Liste(n) ,zusammengestellt‘/verändert? Was war der Grund für die Auf- beziehungsweise Abstufungen? Wann und wodurch hat der Moderator der Sendung erstmals Kenntnis davon erhalten, dass die Rankings gegenüber den ursprünglichen Meinungsumfragen verändert worden waren?

          Wann und wodurch haben die der zuständigen Redaktion vorgesetzten Mitarbeiter des ZDF erstmals von den Veränderungen an den Rankings erfahren? Was haben sie daraufhin unternommen?“ Welche strukturellen Konsequenzen werden gezogen, „die es ausschließen, dass sich ein solcher Vorgang wiederholen kann?“

          Man dürfe, sagte Polenz dieser Zeitung, nicht bei der Empörung stehenbleiben, sondern müsse genau hinschauen, damit sich so etwas eben nicht abermals ereigne. Im September solle dem Fernsehrat das Ergebnis der Überprüfung vorliegen, inklusive einer Empfehlung, „wie solche für die Glaubwürdigkeit des ZDF sehr abträglichen Vorkommnisse künftig verlässlich ausgeschlossen werden können“.

          Dem ZDF-Programmdirektor Himmler steht also ein langer Fragenkatalog ins Haus. Für Erste heißt im Zweiten: „Eine solche Show wird es auf lange Zeit nicht mehr geben.“

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