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ZDF-Krimi „Schwarzach 23“ : Eine Familie dreht durch

Der fiese Familienpatriarch (Friedrich von Thun) überlegt, wo das Geld sein könnte. Bild: ZDF und Barbara Bauriedl

Die neue Krimiserie „Schwarzach 23“ drückt mächtig aufs Gas in Sachen Tempo und Familienzwist. Doch ein paar Umdrehungen weniger hätten dem Ganzen gutgetan.

          Es geht Schlag auf Schlag: Ein Toter wird in einer Schrottpresse beerdigt. Kommissar Franz Germinger junior (Maximilian Brückner) steht auf der Wiese und sieht einen Sirtaki tanzenden Jesus. Im nächsten Augenblick befehligt er zackig eine Razzia im örtlichen Bordell und steht Franz Germinger senior (Friedrich von Thun) gegenüber, seines Zeichens pensionierter Polizist, und muss für den Vater auch noch die Zeche zahlen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Am Fundort der Leiche wiederum findet sich Anna Germinger (Marlene Morreis) ein, die strafversetzte Schwester des Kommissars, die als Streifenbeamtin gerne ihre Kompetenzen überschreitet. Von ferne beobachtet der Killer die Szene, er lässt eine Kippe fallen, im Autoradio laufen französische Chansons, begonnen hat die Szene mit Westernmusik.

          Man muss ganz schön aufpassen, um bei „Schwarzach 23“, dem neuen Samstagskrimi des ZDF, nicht den Anschluss zu verpassen. Die Drehbuchautoren Christian Jeltsch und Michael Comtesse und der Regisseur Matthias Tiefenbacher treten ordentlich aufs Gas, der Kameramann Martin Farkas macht Bilder wie fürs Gangsterkino, und die Schauspieler drehen auch bald mächtig auf. Maximilian Brückner als Kommissar, auf den alles einprasselt, Friedrich von Thun ausnahmsweise als nicht freundlich grantelnder, sondern fieser Patriarch; Gundi Ellert als dessen Frau Erika, die sich zu helfen weiß, nämlich mit einem Techtelmechtel mit Karl (Jockel Tschiersch), dem Kollegen ihres Sohnes und Nachbarn, und Marlene Morreis als Tochter des Hauses, die allen anderen scheinbar immer eine Nase voraus ist, aber dafür auch die Quittung bekommt.

          Lieber ein paar Umdrehungen weniger

          Dass in dem Fall des Toten in der Schrottpresse alles mit allem und jeder mit jedem zusammenhängt, versteht sich von selbst, ist dann aber leider spätestens zur Mitte des Films hin des Guten zu viel: Germinger junior ermittelt von Amts wegen, Germinger senior, weil das Opfer sein bester Freund war, und die Tochter Germinger, weil sie es allen zeigen will.

          Sie kommen sich dabei selbstverständlich in die Quere, brüllen sich an, liefern sich ordentliche Familienkräche und machen es dem Täter, der noch weitere Opfer ins Jenseits befördert, dadurch eher leicht – bis kurz vor dem krachenden Ende. Das alles schaut man sich erst mit wachsender Begeisterung an, weil es in kein Raster und Muster passt, dann mit abnehmendem Elan, weil die Macher weder Maß noch Ziel kennen. Ein paar Umdrehungen weniger und „Schwarzach 23“ hätte eine Qualität wie „München Mord“, die andere Samstagsserie, die das ZDF seit einiger Zeit im Süden der Republik angesiedelt hat. Aber auf die Umdrehungen kommt es an.

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