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Youtube und Facebook filtern : Zwangspause für den Rechtsaußen

  • -Aktualisiert am

Alex Jones bei einer Unterstützungsaktion für Donald Trump Bild: Reuters

Alex Jones ist ein vehementer Unterstützer von Donald Trump und ein Verschwörungstheoretiker vor dem Herrn. Jetzt haben Youtube und Facebook Kanäle von ihm gesperrt. Jones hält das selbstverständlich für Zensur.

          Alex Jones sieht sich als Krieger. Er kämpft gegen Muslime, Juden, Feministen, Liberale, „Globalisten“ – gegen alle, die nicht seinem Weltbild eines fundamentalistisch-alternativen Rechtspatriotismus entsprechen. Der Texaner sieht sich als Wahrheitsprediger, der sich nicht vom korrupten Establishment ruhigstellen lässt. Seine Wahrheiten: Die CIA versuche, die amerikanische Bevölkerung niederzuhalten, indem sie insgeheim eine Transgenderkultur anstrebe; mächtige Politiker der Demokratischen Partei hätten einen Kinderpornoring gesteuert („Pizzagate“); die Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule und der Marjory Stoneman Douglas High School seien vielleicht inszeniert worden. Lange Zeit erklärte Jones, die amerikanische Regierung sei an den Attentaten vom 11. September 2001 beteiligt gewesen.

          Die Liste seiner Feindbilder ist lang, seine Gefolgschaft groß. 2,4 Millionen Nutzer haben seinen Kanal auf Youtube abonniert, auf dem er, häufig in stundenlangen Livestreams, seine Sendung „Info Wars“ ausstrahlt. Die Videos, in denen er sich nicht selten in gebrüllte Hasstiraden steigert, erfreuen sich in der Alt-Right-Szene der Vereinigten Staaten großer Beliebtheit.

          Am vergangenen Dienstag nun hat Youtube vier Videos von Jones’ Kanal wegen Gefährdung von Kindern und Hassrede gelöscht und Jones einen

          „strike“, also eine offizielle Warnung, erteilt. Bei einem der Filme handelt es sich um ein Video, in dem ein Mann einen elfjährigen Jungen zu Boden wirft, woraufhin die amerikanische Flagge sowie der Schriftzug „Prevent liberalism, use condoms“ erscheint. In den anderen Videos spricht Jones von der angeblichen islamischen Infiltrierung Europas durch Muslime aus Nordafrika und dem Mittleren Osten, die er als „Massenverbrecher“, „höhlenmenschenähnlich“ und „kriegstreiberisch“ beschreibt.

          Mit der von Youtube ausgesprochenen Warnung geht ein neunzigtägiges Pausieren der Livestreamfunktion auf Jones’ Kanal einher. Sollte er in der dreimonatigen Sperrperiode zwei weitere „strikes“ erhalten, würde der Kanal vollständig gelöscht. Anfang des Jahres hatte der selbsternannte Talk-Show-Host, der sein Verschwörungs-Medienimperium seit 1999 betreibt und mehr als 60 Angestellte hat, schon einmal zwei Warnungen erhalten. Weil seine erste „Bewährung“ abgelaufen ist, gilt die neue Warnung als seine erste.

          Zuletzt hatte Jones für Furore gesorgt, weil er Drohungen gegen den Sonderermittler Robert Mueller, der möglichen Absprachen zwischen Präsident Trump und der russischen Regierung nachgeht, ausgesprochen hatte. „Das ist ein Haufen Scheiße“, hatte Jones erklärt. „Das ist ein Dämon, den ich ausschalten werde, koste es, was es wolle.“ Jenes Video gehört jedoch nicht zu den gelöschten.

          Auf Facebook hat Jones eine Gefolgschaft von 1,6 Millionen. Zwei Tage nachdem Youtube seine Livestream-Sperre ausgesprochen hatte, tat es Facebook dem zu Google gehörenden Konzern gleich. Auch dort wurden vier Videos gelöscht und eine Postingsperre in Kraft gesetzt. Ein Facebooksprecher teilte mit: „Unsere Communityrichtlinien stellen klar, dass wir Inhalte verbieten, die zu körperlicher Gewalt animieren oder jemanden aufgrund seiner religiösen Zugehörigkeit oder Gender-Identität attackieren.“ Zu den konkreten Inhalten der gelöschten Videos äußerte sich Facebook, dessen Chef Mark Zuckerberg jüngst in die Kritik geraten ist, weil er sich gegen die Löschung von Postings von Holocaustleugnern aussprach, nicht.

          „Info Wars“ veröffentlicht seine Inhalte weiter auf Twitter sowie der eigenen Website. Die Sperren durch Youtube und Facebook webt einer von Jones’ „Reportern“ in einem Video-Statement in das vertraute Narrativ der Hexenjagd: „Das ist ein Verfassungsnotfall“, heißt es in der Botschaft. Online-Moderierung von Hassrede ist in Alex Jones’ Welt konzertierte Zensur.

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