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Youtube-Phänomen „Y-Titty“ : Die Generation Y macht ihr eigenes Ding

Wenn man den als YTD abgekürzten Gründungsnamen „Youtube Dummies“ schnell ausspricht, klingt das wie Y-Titty. Heute bringt dieser Name Oguz Yilmaz, Philipp Laude und Matthias Roll (von links) auf youtube Millionen Klicks. Bild: Edgar Schoepal

Weil sie im Sommer 2006 nichts Besseres zu tun hatten, drehten zwei Jugendliche aus Franken Sketche, die sie ins Internet stellten. Heute hat „Y-Titty“ auf Youtube mehr als zwei Millionen Zuschauer.

          Was alles passieren kann, wenn Heranwachsende aus der Provinz sich langweilen, darüber haben sich Legionen von Sozialwissenschaftlern, Psychologen, Eltern und Lehrern den Kopf zerbrochen. Es ist ja auch vieles vorstellbar: Unterforderung kann zu Lethargie oder Aufmüpfigkeit führen, zu Unfug kleineren oder größeren Ausmaßes.

          Als Philipp Laude und Matthias Roll im Sommer 2006 mitten in Franken nichts mit sich anzufangen wussten, erinnerten sie sich an ein Weihnachtsgeschenk. Laude hatte eine Digitalkamera bekommen, die eine Filmfunktion besaß. Dann machten sie etwas, was sogar heute noch viele Jugendliche tun: Sie gingen an die frische Luft. Und sie begannen, mit der Kamera Videos aufzunehmen, und stellten sie ins Internet: Kreativität, die Laune macht. „Ich habe grundsätzlich die Theorie, dass Kinder vom Land kreativer werden“, sagt Laude. „Es gibt ja kein Kino und auch sonst nicht viel zu tun.“ Also begannen er und Roll, ihren eigenen Film zu drehen.

          Meistabonnierter deutscher youtube-Kanal: Y-Titty

          Gut sieben Jahre nach den ersten Clips unterhalten Laude, Roll und der 2009 hinzugekommene Oguz Yilmaz unter dem Namen „Y-Titty“ den mit mehr als zwei Millionen Zuschauern meistabonnierten deutschen Kanal auf der Videoplattform Youtube. Jede Woche erscheinen dort neue Filme, vornehmlich am Freitag, den das Trio kurzerhand „Frei-Titty-Tag“ getauft hat. Manche Clips steuern inzwischen auf zwanzig Millionen Abrufe zu.

          Besonders gern mögen die Zuschauer die Musikparodien, in denen die drei Lieder aus den Hitparaden umdichten und neu inszenieren. So ersetzte der Zauberer Gandalf den koreanischen Rapper Psy („Gangnam Style“) und sang passend zum Filmstart des „Kleinen Hobbit“ den Song „Gandalf Style“. Im Video ahmen Elfen, der Zauberer und Hobbits die typischen Tanzschritte nach. Populär ist auch die Verballhornung des Liedes „Somebody That I Used to Know“ von Gotye. Bei Y-Titty heißt der Titel „Ihr Schweine habt mich angemalt“, und Laude singt, nur mit Boxershorts bekleidet und von oben bis unten bekritzelt, eine, wie er sagt, biographisch angehauchte Geschichte: von einem, dessen Freunde ihn nach einer durchfeierten Nacht als unfreiwilliges Kunstobjekt verschönert haben. Zitat: „Ich sehe aus wie ein Kunstwerk von Picasso auf Drogen.“

          Mit Humor lässt sich auch im Internet Geld erwirtschaften

          Das mag platt sein, aber es ist meistens ziemlich witzig - und erfolgreich, auch finanziell. Über das sogenannte Partnerprogramm partizipieren Youtuber wie Y-Titty an den Werbeeinnahmen, welche die Videoplattform erwirtschaftet. Wer auf dem zum Internetkonzern Google gehörenden Portal Videos plaziert, kann sich dafür entscheiden, sie mit Werbeeinblendungen versehen zu lassen. Nach Angaben der Youtube-Sprecherin Mounira Latrache werde der „Großteil der Einnahmen“ an die Partner ausgeschüttet, was „mehr als fünfzig Prozent“ bedeute. Wie viel es im Falle von Y-Titty ist, darüber müssen sie schweigen, weil der Vertrag mit Youtube sie dazu verpflichtet. Sie seien zwar Klickmillionäre, sagt Oguz Yilmaz. „Aber Euro-Millionäre sind wir noch lange nicht.“

          Aber sie können gut davon leben, auch weil die inzwischen 21 bis 23 Jahre alten Comedians in der wachsenden Szene deutscher Youtube-Künstler zu den Stars zählen. Das wird sich wohl auch wieder an diesem Samstag zeigen, wenn sich deutsche Youtuber und ihr Publikum zum „Videoday“ in Köln treffen, mit Live-Auftritten und Autogrammstunden. Die Tatsache, dass es drei Eigenkompositionen von Y-Titty in die Hitparaden geschafft haben, ist ein Zeichen dafür, dass sich der Erfolg nicht allein auf das Internet beschränkt. Die Popularität lässt sich aber auch daran messen, dass Laude in seiner neuen Wahlheimat Köln mit einer großen Sonnenbrille zum Studio kommt. Die genaue Adresse müsse unter allen Umständen geheim bleiben, bittet das Management freundlich, aber bestimmt.

          Wachsende Professionalisierung

          Charterfolg - der jüngste Hit von Y-Titty „Halt dein Maul!“ liegt bei knapp 2,4 Millionen Aufrufen -, Management, ein Buch im Comicverlag Carlsen, mit wachsendem Erfolg haben sich Y-Titty professionalisiert. Rund um das Trio ist eine kleine Produktionsfirma entstanden, vom Praktikanten bis zum Schnitttechniker. „Am Anfang waren wir nicht wirklich produktiv“, sagt Oguz Yilmaz. Ab und an seien sie zu spät aufgestanden und hätten Drehtermine auch gern mal auf den nächsten Tag verschoben.

          Seit Ende 2011 ist der Tages- und Wochenablauf klar geregelt: ein Tag Ideenentwicklung und Drehbuchschreiben, ein Tag drehen, zwei Tage Schnitt, und am Freitag erscheint das neue Video. „Die Aufgaben haben sich stark gewandelt“, sagt Laude. „Am Anfang ging es vor allem darum, dass wir es hinbekommen, unsere Videos gut zu schneiden. Inzwischen sehen wir uns selbst mehr als Produzenten.“ Die Grundidee habe sich nicht verändert: „Am Ende stehen wir über der Produktion und entscheiden, was wir inhaltlich umsetzen.“

          Das ist auch der Grund, warum Y-Titty nach eigener Einschätzung nicht dauerhaft im herkömmlichen Fernsehen landen werden. Es habe schon viele Anfragen gegeben, sagt Laude. Und viele Versuche, sie mit Vorschüssen zu locken, aber niemand schenke einem Geld oder Autos. „Wir sagen zwar im Vorhinein zu keinem Angebot nein. Aber wir haben es nicht nötig, nach dem alten Modell alle Rechte an unseren Ideen zu verkaufen.“ Die künstlerische Freiheit zu behalten sei die Bedingung. „Und was das klassische Fernsehen angeht, weiß ich nicht, ob da die Interessen zusammenkommen.“ Eher noch können sich die drei vorstellen, einen Kinofilm zu drehen - oder wahlweise die Weltherrschaft zu übernehmen, wie sie immer mal wieder behaupten. Beides wäre eine gute Pointe für etwas, was in einem Sommer voller Langweile begann.

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