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Wolfram Weimer gibt als „Focus“-Chefredakteur auf : Führungskrise bei Burda

Gibt nach einem Jahr als Chefredakteur des „Focus” auf: Wolfram Weimer Bild: dapd

Nur ein Jahr hat sich Wolfram Weimer an der Spitze des Magazins „Focus“ gehalten. Sein Abgang verweist auf einen internen Machtkampf, von dem die Zukunft des Blattes abhängt. Der „Focus“-Traditionalist Uli Baur ist jetzt alleiniger Chefredakteur.

          Wolfram Weimer, einer der beiden Chefredakteure des Magazins „Focus“, gibt seinen Job mit sofortiger Wirkung auf. Er verlasse die Chefredaktion, „um sich neuen Projekten zuwenden zu können“, teilte der Burda-Verlag, in dem der „Focus“ erscheint, am Dienstagmorgen intern den Mitarbeitern mit. Weimer sei vor einem Jahr in die Chefredaktion eingetreten, „um das Magazin zurückzuführen auf einen Kurs von höherer journalistischer Relevanz, besonders in politischen und ökonomischen Zusammenhängen.“ Dieser Kurs habe „zu einer klaren Positionierung im Werbemarkt und zu drei Quartalen mit teilweise deutlich wachsendem Einzelverkauf gegen den Trend der Marktentwicklung“ geführt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Alleiniger Chefredakteur des „Focus“ sei nun Uli Baur, Weimer bleibe Burda als konzeptioneller Berater verbunden und werde vor allem die „strategische Allianz“ mit dem britischen „Economist“ ausbauen. Der Verleger Hubert Burda, Vorstand und Geschäftsführung seien Weimer dankbar für die geleistete Arbeit und sein großes Engagement bei der Positionierung des „Focus“. Der von Weimer „begonnene Weg der inhaltlichen Erneuerung“ werde „mit aller Konsequenz weiterverfolgt“.

          Weimer, zuvor Chefredakteur des Magazins „Cicero“, davor der „Welt“ und einst Korrespondent der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, hatte die Aufgabe bei Burda erst im Juli des vergangenen Jahres übernommen. Der Grund für Weimers Demission liegt in einem grundlegenden Zerwürfnis zwischen ihm, seinem Chefredakteurskollegen Uli Baur und dem „Focus“-Gründer und Herausgeber Helmut Markwort.

          Doppelspitze minus eins: Uli Baur ist jetzt alleiniger Chefredakteur des „Focus”

          Schwierigkeiten von Beginn an

          Weimar gelang es nicht, seine Vorstellungen über eine neue Positionierung des Magazins durchzusetzen. Er wollte den „Focus“ in direkter Konkurrenz zum „Spiegel“ als politisches Blatt und als bürgerliches Debattenmagazin aufstellen. Er heuerte namhafte Autoren an und stärkte den Kulturteil, die Berichterstattung aus Berlin wollte er sich angeblich als nächstes vornehmen.

          Doch vertrug sich das nicht mit der von Markwort und Baur geprägten Kultur verbraucherorientierter Geschichten („News to use“). Immer wieder kam es zu Reibereien, in den letzten Wochen sollen die Konflikte zwischen Weimer und Baur, dem „Focus“-Mann der ersten Stunde und Prätorianer der Redaktion, eskaliert sein.

          Weimers Dasein als Chefredakteur war von Beginn an von Schwierigkeiten gekennzeichnet. Nur schwerlich vermochte sich Helmut Markwort als Gründungschefredakteur von seiner Aufgabe zu lösen. Im Juli des vergangenen Jahres trat Weimer offiziell an, Markwort blieb jedoch bis zum Jahreswechsel im Geschirr und hat sich auch als Herausgeber nicht weit von der Redaktion entfernt.

          Gerade wieder Tritt gefasst

          Der Verleger Hubert Burda selbst hatte Weimer als neuen Mann an der „Focus“-Spitze auserkoren, aus der Erkenntnis heraus, dass der „Focus“ in seiner alten Facon den Niedergang der Auflage nicht umkehren würde. Doch dauerte es lange, bis Burda sich zu diesem Schritt durchrang, die Verbindung zu seinem „1. Journalisten“ Markwort ist unverbrüchlich, mit ihm gemeinsam stieg Burda mit der Gründung des „Focus“ zu dem Verleger auf, der er heute ist. Siebzig Stellen mussten zu Beginn des Jahres in der Redaktion gestrichen werden, Markwort hatte sich stets gegen jedweden Aderlass zur Wehr gesetzt.

          Auf einer Linie mit Weimer lag und liegt auch der Verlagsvorstand Philipp Welte, er forcierte die neue Positionierung des „Focus“ als Politmagazin, besonders bei den von politischen Themen dominierten Ausgaben des vergangenen Frühjahrs war der neue Kurs zu erkennen. Doch dürfte es damit wohl nun erst einmal vorbei sein.

          Die Führungskrise erwischt den „Focus“ zu einem Zeitpunkt, da das Magazin gerade wieder Tritt fasst. Die Auflage, die im Sinken begriffen war, liegt bei rund 580.000 Exemplaren, der Einzelverkauf pendelt bei der für die Werbewirtschaft signalgebenden Zahl von hunderttausend verkauften Exemplaren, zuletzt stieg die Auflage leicht. Wem dieser sanft positive Trend zu verdanken ist, lässt sich angesichts der Titelgeschichten, die mal der alten und mal der neuen „Focus“-Schule folgen, schwer sagen. Nun heißt es: „Quo vadis, „Focus“?

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