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Wahlkampf in Amerika : Wird Facebook Donald Trump verhindern?

  • -Aktualisiert am

Amerikas Wähler sind gefragt: Donald Trumps Kandidatur scheint nicht mehr aufzuhalten. Bild: AP

Die Frage, ob sich ein Netzkonzern in die Präsidentschaftswahl einmischen und diese manipulieren könnte, ist nicht akademisch: Für Facebook wäre das ein Leichtes, und intern wird es längst schon diskutiert. Wie soll das gehen?

          Ein Gespenst geht um in den Vereinigten Staaten: Was passiert, wenn Donald Trump - wonach es aussieht - Präsidentschaftskandidat der Republikaner wird? Und was, wenn er Präsident wird? Den Strategen der Republikaner scheinen langsam die Pläne auszugehen, Trumps Kandidatur zu verhindern. Aber vielleicht hat Facebook einen Plan?

          Die Mitarbeiter des Netzwerkkonzerns können jede Woche online eine Frage bestimmen, die sie dem Firmenchef Mark Zuckerberg stellen. Anfang März, so berichtet das Portal Gizmodo, habe die Frage gelautet: „Welche Verantwortung hat Facebook, dabei zu helfen, Präsident Trump in 2017 zu verhindern?“ Die Frage verrät viel über das Selbstverständnis des Konzerns. Offenbar fühlt man sich bei Facebook mächtig genug und vielleicht sogar ermächtigt, eine Wahl Trumps zu verhindern.

          Facebook hat Einfluss weltweit

          Facebook ist, obwohl es keine eigenen Inhalte produziert, einer der einflussreichsten Medienakteure weltweit, jeder dritte Amerikaner bezieht Nachrichten über Facebook. Der Konzern könnte durch eine kleine Veränderung seines Newsfeed-Algorithmus jederzeit Beiträge so auswählen, dass wohlwollende Artikel über Hilary Clinton bevorzugt und Geschichten über Donald Trump ins Abseits gestellt werden.

          Dass Facebook dazu technisch in der Lage ist, wissen wir. 2013 hat Facebook in einem gigantischen sozialen Experiment eine Woche lang den Newsfeed von fast 700 000 Nutzern manipuliert. Bei dem Experiment sollte erforscht werden, wie sich positive und negative Emotionen in Netzwerken ausbreiten. Die Nutzer wurden zu Versuchskaninchen. Doch auch im Normalbetrieb sind die Newsfeeds verzerrt. Im Sommer 2015 verfolgte die Bloggerin Zeynep Tufekci die Unruhen in Ferguson. Während ihre Twitter-Feeds vor Berichten überquollen, las sie auf ihrem Facebook-Profil nichts dazu - obwohl sie mehrere Nachrichtenseiten „geliked“ hatte. Stattdessen zeigte ihr Facebook Videos zur Ice Bucket Challenge. Erst mit einem Tag Verspätung erfuhr sie auf Facebook von den Ereignissen. Der Aufruhr war wohl nicht relevant genug. Zeynep Tufekci nannte das „algorithmische Zensur“ und schrieb in einem Beitrag für das Portal „Medium“: „In einer offenen Rebellion fühlt sich mein Newsfeed wie Disneyland an.“

          Manipuliert hat der Konzern schon

          Facebook hat bereits die Präferenzen von Wählern mitgesteuert, ohne dass diese es gemerkt hätten. Am 2. November 2010, dem Tag, an dem die Kongresswahl stattfand, schickten Forscher 61 Millionen zufällig ausgewählten Nutzern eine Nachricht, die sie an die Wahl erinnerte. Die Mitteilung war mit einem „I voted“-Button und einer Zähleinheit versehen, die anzeigte, wie viele Facebook-Nutzer nach eigenen Angaben schon ihre Stimme abgegeben hatten. Ergebnis: Der Wahlgang der beeinflussten Nutzer war um 0,39 Prozent wahrscheinlicher als in der Kontrollgruppe. Das erscheint zwar als geringe Veränderung, doch in Zahlen waren dies 340 000 Stimmen mehr. Bedenkt man, dass bei der Wahl im Jahr 2000 zwischen Al Gore und George W. Bush 537 Stimmen in Florida den Unterschied machten, könnte Facebook das Zünglein an der Waage sein.

          Niemals Trump: Vor dem Hollywood-Hügel hat jemand ein Warnschild aufgestellt.
          Niemals Trump: Vor dem Hollywood-Hügel hat jemand ein Warnschild aufgestellt. : Bild: AFP

          Der Netzwerkkonzern könnte jedoch nicht nur Einfluss darauf nehmen, ob jemand überhaupt zur Wahl geht, sondern die Wahlentscheidung selbst beeinflussen. Der Psychologe Robert Epstein hat in einem Versuch gezeigt, dass Suchmaschineneinträge nicht nur die Wahlpräferenz beeinflussen, sondern den Wahlakt gleichsam manipulieren können.

          Man könnte sich folgendes Szenario ausdenken: Es ist der 6. November 2016, zwei Tage vor der Präsidentschaftswahl. Hillary Clinton tritt gegen Donald Trump an. Die Welt ist aus den Fugen geraten, der Ölpreis ist stark gestiegen, die hohen Energiepreise stürzen China in die wirtschaftliche Depression. Der Süden Floridas wird von einem Hurrikan verwüstet, die Spannungen im Südchinesischen Meer verschärfen sich. Donald Trump poltert gegen Muslime und illegale Einwanderer und redet von der Mauer, die er an der Grenze zu Mexiko errichten will. In den Umfragen liegt er knapp hinter Clinton. In Menlo Park berät Mark Zuckerberg mit seinen engsten Beratern um Greg Marra, dem Mastermind des Newsfeed-Algorithmus, ob man den Einzug Trumps ins Weiße Haus stoppen kann. Ihnen kommt ein Dreh des Newsfeed-Algorithmus in den Sinn. Das würde keiner merken. Mit einem kleinen Schubs könnten sie Wähler in die „richtige“ Richtung lenken.

          Dass Mitarbeiter über eine solche Frage abstimmten, zeigt, dass man sich im Hause Facebook mit solchen Gedankenspielen beschäftigt. „Ich höre angstvolle Stimmen, die zum Bau von Mauern aufrufen“, sagte Mark Zuckerberg auf der Entwicklerkonferenz F8. Die Äußerung interpretierten viele als Kritik an Donald Trump.

          Das Problem ist, dass man Manipulationen durch den Newsfeed-Algorithmus kaum beweisen kann. Er ist ein streng gehütetes Betriebsgeheimnis, und er ist unter Umständen sogar als Code von der Meinungsfreiheit nach dem First Amendment der amerikanischen Verfassung geschützt. Apple hat diese Rechtsauffassung im Streit mit dem FBI bereits vertreten. Auf eine mehrfach gestellte Anfrage dieser Zeitung zu dem Thema ist der Hüter des Facebook-Algorithmus, Greg Marra, nicht eingegangen.

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          Quelle: F.A.Z.

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