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Veröffentlicht: 14.08.2015, 09:11 Uhr

Datenschutz Wie gefährlich ist Windows 10?

Verbraucherschützer warnen vor dem neuen Update von Microsoft. Windows 10 gleiche einer „privaten Abhöranlage“, die in großem Stil Daten abgreift. Dies ermögliche Preisdiskriminierung durch individuelle Rabatte.

von Kornelius Friz
© Reuters Vorstellung von Windows 10 in Nairobi

Wer Windows 8 endlich hinter sich lassen will, sollte sich nicht zu früh über das neue Betriebssystem von Microsoft freuen. Windows 10, das seit dem 29.Juli kostenfrei zum Download verfügbar ist, überwacht seine Nutzer umfassender als alle vorigen Windows-Versionen. Nachdem an Windows 10 bereits fehlende Treiber und eine im Vergleich zum Vorgänger kürzere Akkulaufzeit kritisiert wurde, warnen Verbraucherschützer nun vor katastrophalen Datenschutzeinstellungen.

„Neu ist bei Windows 10 vor allem der Umfang der Überwachung“, sagt der Rechtsreferent Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Auch andere Betriebssysteme von Apple und Windows sammelten mehr Daten als nötig, doch sei Windows 10 regelrecht eine „private Abhöranlage“. Microsoft erfasst demnach nicht nur Daten wie Postadresse, Alter, Geschlecht und Telefonnummer, sondern speichert mit einer eindeutigen ID-Nummer, die allen Geräten zugeordnet wird, den Standort und die digitalen Kontakte, mit denen man kommuniziert. So kann ein umfassendes Verhaltens- und Konsumprofil entstehen.

Next Generation Console Tech At Gamescom The World's Largest Video Game Fair © Bloomberg Vergrößern Alles im grünen Bereich? Wohl eher nicht. Auch wenn es vor ein paar Tagen auf der Gamescom bei der Vorstellung von Windows 10 so aussehen sollte.

Wer nicht die „Expressinstallation“ durchführt, sondern die Einstellungen selbst definiert, könne das Datensammeln auch bei Windows 10 zurückfahren, sagt der Datenschutzexperte Gollner: „Allerdings werden die benutzerdefinierten Einstellungen von den Software-Unternehmen ganz bewusst immer umfangreicher gestaltet.“ Auch deshalb trauen es sich die wenigsten zu, die von Microsoft empfohlenen Grundeinstellungen zu verändern. Zudem können manche Anwendungen nach einer individuell definierten Installation nicht verwendet werden.

Nutzer zahlen mit ihren Daten

Weil man nichts zu verbergen habe, nehmen sich selbst erfahrene Nutzer gar nicht erst die Zeit, sich mit Datenschutz auseinanderzusetzen. Doch die Gefahren dieser Eingriffe in die Privatsphäre werden unterschätzt. Verhaltensprofile erlauben es Microsoft nicht nur, Werbung zu personalisieren: „Windows 10 ermöglicht individuelle Preise, Rabatte und Vertragskonditionen für jeden Nutzer“, sagt Christian Gollner. Diese dynamische Preispolitik im Online-Handel diskriminiere Nutzer aufgrund ihres Konsumverhaltens: Kaufkräftige Konsumenten erhalten seltener Vergünstigungen, weniger Wohlhabende werden mit Rabatten verleitet, häufiger oder teurer einzukaufen. Wegen Microsofts Standortermittlung müssen sogar Nutzer, die fern von Geschäften online gehen und auf den Internethandel angewiesen sind, deutlich mehr für dasselbe Produkt zahlen als städtische Online-Käufer. Über digitale Preisschilder etabliert sich diese Form der Preisdiskriminierung auch im analogen Einzelhandel.

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„Privacy by Design“ heißt das Datenschutzkonzept, das die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz von Microsoft fordert. Es würde bedeuten, dass jedes Programm nur die Daten erfasst, die für seine Ausführung notwendig sind. Dieses Prinzip wird jedoch nicht erst bei Windows 10 untergraben. Nutzer von Smartphones und Tablets müssen längst damit rechnen, die meisten Anwendungen nicht in Euro, sondern mit ihren Daten zu bezahlen. Wie lange die Daten der Windows-10-Nutzer gespeichert werden, verrät Microsoft bislang nicht.

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