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Redaktionschef für „Le Monde“ : Morgendämmerung

Jérôme Fenoglio, Leiter der Internetredaktion und Nummer zwei in der Hierarchie von „Le Monde“ Bild: AFP

Den Eigentümern von „Le Monde“ hat Gilles van Kote, der die Redaktion seit einem Jahr leitet, zu wenig Ausstrahlung und Präsenz. Jetzt scheitert seine Nummer zwei bei den Redakteuren.

          BNP ist das Kürzel einer französischen Großbank, die Angestellten der Zeitung „Le Monde“ benutzen es für ihre Eigentümer Pierre Bergé, Xavier Niel und Mathieu Pigasse. Bei der Bestimmung des obersten Redaktionsleiters haben die Journalisten ein Mitbestimmungsrecht. Als mit Nathalie Nougayrède erstmals eine Frau an die Spitze einer großen Zeitung berufen wurde, hatte die langjährige Korrespondentin das Vertrauen der Eigentümer wie der Mitarbeiter. Doch im Mai 2014 musste Nougayrède, die über keine Redaktionserfahrung verfügte, auf das Amt verzichten. Seiter leitet Gilles van Kote das Blatt, das in den letzten fünf Jahren fünf Direktoren hatte, mit ruhiger Hand. Auch BNP beklagten sich keineswegs über seine Führung.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          Pierre Bergé aber, der sich mehr als seine Partner in redaktionelle Belange einmischt, wirft van Kote mangelnde Ausstrahlung und Präsenz außerhalb der Redaktion vor. Er ist nicht ständig im Radio und in den Talkshows. Weil sich BNP auf keinen der - internen wie externen - Kandidaten einigen konnten, brachten sie Jérôme Fenoglio ins Gespräch, den Leiter der Internetredaktion und Nummer zwei in der Hierarchie. Die Redakteure gaben ihm 55 Prozent ihrer Stimmen, erforderlich sind sechzig. Man kann es bedauern, dass sie nicht über den eigenen Schatten gesprungen sind. Hätte Fenoglio von sich aus kandidiert, wäre er problemlos abgesegnet worden. Unter seiner Leitung hat die Abendzeitung gerade eine attraktive Morgenausgabe „La Matinale“ für Mobiltelefone lanciert. In der angelaufenen Einführungsphase kostet das Abo 1,99 Euro.

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