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Whistleblower-Auftritte : Wie Edward Snowden von Moskau aus Kasse macht

  • -Aktualisiert am

Zugeschaltet: Edward Snowden. Bild: Reuters

Der Whistleblower Edward Snowden sitzt im russischen Exil fest. Doch er weiß, wie er sich von dort gen Amerika beamen lässt. Lukrativ ist das auch.

          Der Whistleblower Edward Snowden sitzt im russischen Exil in Moskau. In den Vereinigten Staaten droht ihm wegen Hochverrat eine lange Haftstrafe, ein von Bürgerrechtlern initiiertes Gnadengesuch wurde von der Regierung Obama abgelehnt. Donald Trump hält den einstigen NSA-Mitarbeiter für einen „Verräter“. Obwohl physisch nicht anwesend, ist Snowden in seiner Heimat präsent – in Gestalt eines Roboters.

          Wenn er in Amerika als Gastredner auftritt, verbindet er sich über das Internet mit einem Telepräsenz-Roboter und taucht auf einem Bildschirm auf. Der Zuschauer hat so die Vorstellung, Snowden säße direkt vor ihm. „Snowbot“, ein Kofferwort aus Snowden und Bot für Roboter, nennt sich die 15 000 Dollar teure Konstruktion. Schon 2014 erschien Snowden so bei einem TED-Talk, wo er über Überwachung und die Freiheit des Internets sprach. Der ehemalige „Wired“-Chefredakteur Chris Anderson führte das Gespräch mit dem „Snowbot“. Snowden kontrolliert von seinem Studio in Moskau aus die Bewegungen des Roboters und manövriert ihn zum Publikum oder Gesprächspartner, so dass die Illusion entsteht, man habe Augenkontakt. Snowden hat gelernt, in die Kamera zu schauen, das Gespräch eröffnet er gern mit einem Verweis auf „Big Brother“. Snowbot reiste zur Princeton University, wo er mit IT-Sicherheitsforschern sprach. In der Pause rollte er mit zum Kaffeeautomaten, hinterher posierte „Snowbot“ für ein Selfie mit der Forschergruppe. Harvard, Stanford, McGill – der Whistleblower hat eine Tournee an renommierten Unis absolviert.

          25.000 Dollar müssen drin sein

          Die Vorträge haben ihren Preis. Bis zu 25 000 Dollar bekomme Snowden für einen Auftritt, berichtete das „New York Magazine“ im vergangenen Jahr. Die Ohio State University überwies Snowden ein Honorar von 30 000 Dollar. Er wurde in den Hörsaal gebeamt und dozierte eine Stunde lang über Demokratie und Menschenrechte. Die University of Colorado zahlte 56 000 Dollar für eine Videokonferenz.

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          Laut einer Recherche, die der Journalist Michael Kelley vor ein paar Tagen bei „Yahoo Finance“ vorstellte, mit Verweis auf eine erste Veröffentlichung im Herbst 2016, soll Snowden in den vergangenen zwei Jahren für Reden und Interviews 200 000 Dollar Honorar erhalten haben. Organisiert werden die Auftritte von der Vermittlungsagentur American Program Bureau (APB), die unter anderen den südafrikanischen Menschenrechtsaktivisten und Geistlichen Desmond Tutu und den früheren amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter vertritt. Zwar versprach Snowden im Fall seines Auftritts an der University of Colorado, das Honorar an eine gemeinnützige Organisation, die sich für die Pressefreiheit einsetzt, zu spenden. Doch kam das Geld dort nach Informationen der „New York Post“ nie an.

          Die Vortragshonorare bringen die Institutionen umso mehr in Bedrängnis, als es sich hier teils um öffentliche Gelder handelt. Landen amerikanische Steuergelder bei Russlands Präsident Wladimir Putin, der den Whistleblower als eine Art Faustpfand hält? Wer verdient am NSA-Skandal-Nachlass? Bürgerrechtler, für die Snowden eine Galionsfigur ist, geraten in Erklärungsnot. „Es ist nichts Verwerfliches daran, dass Edward Snowden seinen Lebensunterhalt damit bestreitet, vor einem globalen Publikum über Überwachung und Demokratie zu sprechen“, sagte sein Anwalt Ben Wizner gegenüber „Yahoo“. Der Präsident der Bürgerrechtsorganisation Electronic Privacy Information Center (EPIC), Marc Rotenberg, meinte, Snowden habe „wichtige Fragen über das Ausmaß der amerikanischen Überwachungsprogramme gestellt“.

          Die Eventagentur Open Mic Productions, die Snowdens Auftritte auf Youtube und Twitter exklusiv vermarktet, preist den Redner in höchsten Tönen. „Edward Snowden ist zum meistdiskutierten Rede-Event unserer Zeit geworden“, heißt es. „Verpassen Sie nicht die seltene Gelegenheit, Geschichte auf ihrem Campus zu schreiben, indem Sie eine der interessantesten und provokativsten Figuren in den Nachrichten von heute einladen.“ Die Frage ist allerdings erlaubt, für wen Edward Snowden eigentlich spricht.

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