13.10.2012 · Jüngst wurde im Fernsehen die Verfilmung von Uwe Tellkamps Roman „Der Turm“ ausgestrahlt. Anke Domscheit-Berg erzählt, was sie beim Zuschauen bewegte - und was sie durchlitt.
Von Anke Domscheit-BergRichtlinien für Lesermeinungen
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Ich gehöre zur selben Generation wie die Autorin..
..und habe Buch und Film mit Anteilnahme konsumiert. Rückblickend
verstehe ich immer noch nicht, warum gerade so viele Mediziner waren,
die ausgereist sind.
Sicher, die Chance in die westdeutsche Gebührenordnung ohne
staatsbürgerliche oder fachliche Einschränkung einwandern zu
können, mag eine Motivation gewesen sein, gerade Ärzten sagt
man aber auch eine hohe christliche und humanistische Haltung nach, die
sie vielleicht empfindsamer machte für die Ungerechtigkeiten der
DDR.
Aber hätte diese Haltung sie nicht auch auf ihrem Platz ausharren
lassen sollen, an der Seite ihrer Patienten?
der unpolitische "Turm" ist nicht die Seele der "DDR"
Der Film und der Artikel beschreiben die realsozialistischen Zustände in der DDR zutreffend. Die „Seele“ der DDR betreffen sie nur marginal. Es sind wieder nur die „dissidentischen Lernprozesse“derjenigen, die sich auf die neuen Zustände nach 1945 karrierefördernd eingelassen hatten und meinten, das Stalin die Zukunft sei. Diejenigen, die blieben, damit „wir“ den „Sowjets“ nicht alles überließen, fanden bisher keine Würdigung. Mein Vater rechtfertigte sich jedenfalls mir gegenüber, warum er bis 1961 nicht in den „Westen“ ging mit diesem „Deutschland“. Er erzählte von den Handwerkern, die zur Volksabstimmung 1969 mit Nein stimmten (im Vorfeld der Geburt der „DDR-Nation“ 1972). Es war dieser geschichtsbewußte Rest in der DDR, die in Plauen, Leipzig und Dresden und später überall auf die Straße pro Wiedervereinigung gingen – und die deutschen Zonen aus der atomaren Bedrohungslage brachten.
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 14.10.2012 23:17 Uhres hatte tatsächlich Pathos
denn, - Hallo Herr Fischer - obwohl die Eltern und 2 Kinder 1962 in Westen waren, kehrte die Familie in die DDR zurück. Mein Vater, Helfer in Steuersachen, für die letzten privaten Handwerker und Tante Emma-Läden in einer DDR-Kleinstadt erklärte, er könne auch seine Kunden nicht allein lassen...Mein Vater verstarb im Februar 1990. Über die Beerdigung hinaus verblieb ich knapp 5 Jahre in Sachsen. Das "Wiedervereinigungsmilieu" war stärker als vermutet (über 20% DSU-Wähler). Freilich, ethisch-blockflötenfrei und antitotalitär blieb keiner dabei - auch ich hatte DDR-Abitur... Mein Beitrag richtete sich gegen die niedliche Selbstäuschung, das dem Stalinismus ein anfänglicher Zauber innewohnte, der sich erst über die DDR-Zeit entschleierte. Das ist der linke Kindergeburtstags-Plot allzuvieler Geschichtchen. Und: Soziale Aufstiege gab es auch im 3. Reich - und ohne Westfernsehen.
Das ist vielleicht doch ein wenig pathetisch. Aber die Frage ist in der Tat interessant, warum
Menschen - die hierfür von '45 bis '61 Gelegenheit gehabt
hätten - nicht ihrer Kinder zuliebe einen von den Russen
drangsalierten Landstrich verlassen haben.
Haus, Hof, Freunde, Familie? Mag sein und partiell verständlich.
Aber des Widerstandes wegen? - niemals.
Weil die DDR ein Verbrecherstaat sein muss?
Ich sehe immer noch keine Erpressbarkeit bei Ihnen. (Twitter)
Mein Vater wurde 1976 von der Stasi verhaftet und zu sechs Jahren
verurteilt. Ihm wurden sämtliche Abschlüsse aberkannt. (Er hat
im Ardenne-Institut, später in Moskau gearbeitet. Nach der Haft in
einer Baufirma. Es gab keine Arbeitslosen in der DDR!) Meine Familie
wurde jahrelang überwacht. Das sagten die 15 Ordner aus, die wir
nach der Wende einsehen konnten. Ich durfte, obwohl ich keiner
Arbeiterfamilie entstammte, niemand in der Familie Mitglied der SED oder
Stasispitzel und mein Vater im Gefängnis war, 1978 Abitur machen
und studieren.
Es stand jedem frei, einen Ausreiseantrag zu stellen. Ich kenne sehr
viele, die es getan hatten und auch "ausgereist" wurden.
Einfach war es allerdings nicht. Aber das merkwürdigste ist
für mich, dass in meinem Umfeld alle eine besser DDR wollten, 1989.
Keine Einheit. Wir wurden nie gefragt.
Doch, doch, Frau Kube, Sie wurden gefragt und haben sich für den Beitritt entschieden.
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