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Frauen in arabischen Medien : Von wegen verschleiert

  • -Aktualisiert am

Die libanesische Nachrichtensprecherin Najwa Kassem ist bei Al Arabija auf Sendung – und einer der Stars des Kanals. Bild: Picture-Alliance

Wer arabisches Fernsehen einschaltet, sieht geschminkte und modern gekleidete Nachrichtensprecherinnen. Ein Blick in eine Parallelwelt, die von den Zuschauern akzeptiert wird, doch nicht Teil ihrer Realität ist.

          Nach den Überfällen von Köln wird viel über das Frauenbild diskutiert, das Flüchtlinge aus islamischen Ländern angeblich im Kopf haben. Richtig ist: In der arabischen Medienwelt geht es liberal zu. Wer arabische Fernsehsender einschaltet und verhüllte Frauen erwartet, wird staunen. Gefärbtes Haar, geschminkte Lippen, figurbetonte Kleider – so präsentieren sich die Nachrichtensprecherinnen.

          Diskussionen gab es, als die prominente Al-Dschazira-Moderatorin Khadija bin Qana 2003 ankündigte, beim Moderieren ein Kopftuch zu tragen. Die Algerierin erklärte, sie müsse ihrem Glauben folgen. „Ich habe den Teufel besiegt“, sagte sie. Seitdem moderiert sie als eine der wenigen Frauen im arabischen Fernsehen mit verhülltem Haar.

          Betrachtet man ausschließlich das Fernsehprogramm - ob in Ägypten, am Golf oder im Libanon -, könnte man meinen, es gäbe in diesen Ländern keine verschleierten Frauen. Doch was die Zuschauer sehen, führt nicht etwa zu einem modernen Frauenbild in der Realität. Für die meisten Menschen im arabischen Raum sind die Frauen, die ihnen im Fernsehen entgegentreten, unerreichbar. Solche Frauen gibt es auf offener Straße nicht, nicht im Beruf und auch nicht im Bekanntenkreis.

          Bilder einer Parallelwelt

          Was die großen Sender aus Dubai (Al Arabija), Doha (Al Dschazira) und Abu Dhabi (Sky News Arabia) in syrische, jemenitische oder sudanesische Haushalte bringen, sind Bilder einer Parallelwelt. Der Medienkosmos inszeniert ein gänzlich anderes Rollenbild, als es Frauen eigentlich zugedacht ist. Skandale und Gerüchte um Liebschaften landen in den arabischen Klatschblättern. Und weil die Frauen, die im Fernsehen auftreten, nicht Teil der Wirklichkeit zu sein scheinen, wird ihr Auftreten akzeptiert.

          Frauen in der arabischen Welt müssen sich stets fragen: Was signalisiere ich mit meiner Kleidung? Mit dem Kopftuch, dem Rock, den High Heels? Was die Gesellschaft denkt, ist das Maß aller Dinge. Dass von westlicher Kleidung das Signal „offen zum Anfassen“ ausgehe, lernen viele Menschen im arabischen Raum aus den Medien. Zugleich sind arabische Medien prüde. Tote, gefolterte Menschen, verstümmelte Kinder – all das ist täglich auf dem Bildschirm. Eine nackte weibliche Brust wäre undenkbar. Zu den sexuellen Übergriffen von Köln haben die Sender äußerst spärlich berichtet. Dafür ist Köln seit Anfang dieser Woche in den arabischen Medien präsent: In der Innenstadt wurden Pakistaner und Syrer angegriffen.

          Quelle: F.A.Z.

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