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Adblock Plus : Die Hausbesetzer vermieten jetzt selbst

Besetztes Haus in Berlin-Kreuzberg: So ging das 1980. Inzwischen ist Hausbesetzung auch online möglich. Bild: Picture-Alliance

Mafiöse Geschäftspraktiken unter dem Deckmäntelchen der Philanthropie: Wie Adblock Plus die Betreiber von Websites mit selbst verkaufter Werbung erpresst.

          Alleine beim populären Browser Firefox nutzen mehr als zwanzig Millionen Menschen Adblock Plus. Menschen, denen einst versprochen wurde, das Programm würde ihnen „nervige“ Werbung ausblenden, aber auf ausgewählten Websites weiterhin normale Werbung anzeigen. So konnten Nutzer zur Finanzierung von Seiten beitragen, die von Werbung leben.

          Doch auch Adblock Plus wollte sich durch Werbung finanzieren. Deshalb bot das Unternehmen Ende 2011 den Werbenden an, sie gegen Bezahlung auf die sogenannte Whitelist zu setzen. Nur Werbung, die auf der Whitelist steht, lässt der Adblocker durch. Google etwa soll 2014 dafür 25 Millionen Dollar gezahlt haben. Eyeo, die Firma hinter Adblock Plus, nannte das eine „Aufwandsentschädigung“. Die Hausbesetzer verlangten also selbst Miete und verdienten kräftig daran. Google sah keine andere Möglichkeit, als sich darauf einzulassen: Wie der „Business Insider“ berichtete, waren Google im Jahr 2012 887 Millionen Dollar Umsatz durch geblockte Werbung entgangen.

          Jetzt hat Eyeo verkündet, künftig selbst Werbung zu verkaufen – natürlich nur an jene, die auf der Whitelist stehen. Sie können Werbeplätze buchen und werden dann den Nutzern von Adblock Plus angezeigt, und zwar anstelle der Werbung, die die Websites sonst ausgespielt hätten. Eyeo nimmt also eine fremdfinanzierte Litfasssäule und kleistert sie mit anderer Werbung zu. Die ursprünglich gebuchten Werbekunden werden nicht angezeigt, bezahlen die Buchung also nicht.

          Übergriffige Regeln für Werbung

          Um sich einen konzilianten Anstrich zu geben, bietet das Unternehmen den Websites eine Partnerschaft an: Wer sich bereit erklärt, nur Werbung von der Whitelist zuzulassen, dessen Website wird permanent freigeschaltet und mit Werbung angezeigt. Dafür gibt es ein Wort, und es lautet: Erpressung. Adblock Plus besetzt nicht nur fremde Häuser und verlangt Miete von den Bewohnern, sondern es sucht die Mieter jetzt auch noch selbst aus und quartiert die anderen aus. Wenn die Eigentümer sich einverstanden erklären, bekommen sie immerhin einen Teil der Miete ab.

          Eyeo gibt all dem den Anstrich der Philanthropie: Das Ziel sei es, „akzeptable“ Werbung auf die Websites zu bringen. Offiziell ist mit akzeptabel gemeint, dass die Werbung unter anderem nicht sehr groß sein oder aufpoppen darf. Sogar die Plazierung schreibt der Adblocker vor: Ein Banner neben dem Text wird angezeigt, eines zwischen den Absätzen nicht. Wenn es genügen würde, dass eine Werbung diese übergriffigen Regeln erfüllt, könnte Eyeo sich vielleicht noch als Robin Hood des Internets gerieren – aber mit dem Wirtschaften in die eigene Tasche und seinen mafiösen Geschäftspraktiken hat das Unternehmen seine vorgegebenen hehren Ziele längst konterkariert.

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