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„Wetten dass ...?“ Voll auf Quote

Relevanz kann man kaufen: Warum sich das ZDF um jeden Preis eine Sendung wie „Wetten, dass . . .?“ leisten will und wie es sich dabei in seinen widerstreitenden Interessen verheddert.

© dapd Vergrößern Keine Schleichwerbung für Gabelstapler: Markus Lanz fährt Assistentin „Cindy aus Mahrzahn“ (Ilka Bessin) ins Studio

Es war, wenn man die Größe eines Skandals nach der seiner Wirkung beurteilt, höchstens ein mittelgroßer Schock, den die Titelgeschichte des „Spiegels“ in dieser Woche verursachte: Besonders neu war sie jedenfalls nicht, die Nachricht, dass es Schleichwerbung gebe bei „Wetten, das . . .?“, oder hinter welchen juristisch korrekteren Begriffen man die Marketingexperimente der Show auch immer verbergen will. Gummibärchen auf dem Tisch, internationale Stars in deutschen Autos, Gewinnspiele und Sponsoren gehörten zur Show wie Thomas Gottschalk (der in der Sache derzeit nur seinen Anwalt sprechen lässt). Und welche Wirkung die vom „Spiegel“ enthüllten Geheimverträge hatten, in denen sich angeblich der Autohersteller Daimler durch erschreckend konkrete Regieanweisungen zusichern ließ, wie lange ein Auto zu sehen zu sein hatte, lässt sich tatsächlich nur schwer nachweisen.

Dass die Empörung über die Zustände beim ZDF ein paar Tage später aber eher größer geworden ist, das ist vor allem den Reaktionen der Verantwortlichen zu verdanken. Sie nämlich scheinen zu glauben, auch sie könnten die Probleme schon dadurch aus der Welt schaffen, dass sie sich der allgemeinen Gleichgültigkeit anschließen. Die Vorwürfe des „Spiegels“ seien alt oder haltlos, so hieß es sinngemäß in einer ersten Stellungnahme, die Verträge kenne man nur als Entwurf, Gelder seien nur für Marketingrechte gezahlt worden, nicht für die Nennung von Markennamen in der Sendung - alles juristisch einwandfrei und legitim.

Bad Bank der ZDF-Buchhaltung

Sämtliche Probleme der „Kooperationspraxis“ habe man 2004 „nach einer kritischen Diskussion in der Öffentlichkeit und in den Gremien überprüft und geändert“, wobei man offensichtlich das Kunststück schaffte, die Kooperationen zu ändern, die Praxis aber beizubehalten. Heute würden Kooperationserlöse „ordnungsgemäß buchhalterisch erfasst und versteuert“ und im Abspann ausgewiesen, Problembewusstsein sieht anders aus. (Tatsächlich werden solche Einnahmen in der Jahresbilanz im Posten „Verwertungserlöse“ versteckt, zusammengerechnet mit Einnahmen aus dem Auslandsvertrieb der Programme oder aus Geräteabgaben.) Bemerkenswert ist auch das Instrument der Clearingstelle, die der heutige Intendant Thomas Bellut 2004 einführte, um gegen Schleichwerbung vorzugehen. Schon deren Existenz scheint Schleichwerbung performativ unmöglich zu machen: „Schleichwerbung ist im ZDF-Programm durch die Clearingstelle ausgeschlossen“, sagte Bellut in einem „Zeit“-Interview. Man kennt ja die mächtigen Effekte solcher Institutionen: Seit es Gerichte gibt, ist das Verbrechen bekanntlich so gut wie ausgerottet.

Wetten, dass..? in Offenburg © dpa Vergrößern Weltstars fürs Quoten-Popcorn: Denzel Washington am vergangenen Samstag in Offenburg

Das Schlimme ist: Vermutlich hat das ZDF tatsächlich jeden Grund, einer juristischen Auseinandersetzung gelassen entgegenzusehen. Sogar der Fall aus der „Wetten, dass . . .?“-Sendung im November 2007, in der Thomas Gottschalk ein „wunderschönes“ Auto präsentierte, das „frisch mit dem Goldenen Lenkrad ausgezeichnet“ war, ist für das ZDF allenfalls auch „grenzwertig“, weil es bei Gewinnspielen erlaubt sei, „auch positive Eigenschaften des Preises hervorzuheben, um den Lesern oder Zuschauern einen Anreiz zur Teilnahme zu geben“. Wer aber all die spitzfindigen Begründungen hört, mit welchen der Sender seine Kooperationspraktiken rechtfertigt, wird das Gefühl nicht los, dass sich die Werbeabteilung des ZDF in all den rechtlichen Grauzonen gar nicht so unwohl fühlt. Wenn jedenfalls im Sommer der Vertrag mit Christoph Gottschalks Firma „Dolce Media“ ausläuft, die jahrelang so etwas wie die moralische Bad Bank der ZDF-Buchhaltung war, dann kann man das wohl auch deshalb beruhigt tun, weil man längst auch in Mainz weiß, wie man Kooperationsverträge wasserdicht macht.

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