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Werbefilme im Netz Für den Spot ist gesorgt

Dass Werbefilme für das Internet künftig an Bedeutung gewinnen werden, ist in der Branche inzwischen Konsens. Beim Werbefilmfestival in Ravensburg wurde jedoch deutlich, dass die großen Agenturen für diese Entwicklung noch nicht gerüstet sind. Filmstudenten stellten die Profis in den Schatten.

© HFF München Vergrößern Subversiver Doppelgänger von Alfons Schubeck im preisgekrönten Werbefilm von Münchner Filmstudenten

Der Fernsehkoch dekoriert das Dessert mit einem Bananenfächer und sagt im typischen Schuhbeck-Singsang ziemliche Ungeheuerlichkeiten. Die „kleinen Racker“, die dieses Obst in Nicaragua angebaut haben, hätten ja keine besonders große Lebenserwartung wegen dieser ganzen Pflanzenschutzmittel, doch, ja mei, „ein bisschen Schwund ist immer, vor allem in der Küche“. Darauf erhebt er sein Glas: Auf alle Menschen auf der anderen Seite der Welt ohne Geld oder Essen, die „die Grundlage schaffen für unser wunderbares Bananencreme-Chilli-Schokoladenpastetchen“.

Der Clip ist Teil der Internet-Werbekampagne „Thank you Third World“ und wurde von Studenten der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) produziert. Er soll auf die arrogante Ausbeutung von Entwicklungsländern aufmerksam machen - und wegen seiner kreativen Machart zählte er auf dem Ravensburger Werbefilmfestival Spotlight zu den Gewinnern. Obwohl die Kampagne nur mit studentischem Budget produziert wurde, war der Clip den meisten Einsendungen aus professionellen Agenturen deutlich überlegen. Er gewann Preise bei Publikum und Jury und wurde mit dem Visions Award der Hochschule Pforzheim ausgezeichnet.

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Eine kleine Erfolgsgeschichte im Web 2.0

Der Clip ist so erfolgreich, weil er mehr ist als ein klassischer Werbespot. Bei YouTube ist der Ausschnitt, der in den Kochstudios des Bayerischen Rundfunks gedreht wurde, unter den Namen „Skandal in TV-Kochshow“ abrufbar, man erkennt ihn nicht sofort als Werbung, in über hundert Kommentaren wird diskutiert, ob das nun Satire sei, oder ob da wirklich ein Koch die Grenzen des guten Geschmacks deutlich überschritten habe. Das Video wurde allein auf YouTube seit Mitte Februar knapp dreißigtausend Mal angeklickt und verweist auf die Website der Kampagne. Dort können Nutzer ihre eigenen Fotos mit Produkten aus Billigproduktion hochladen - und in einer Mischung aus Zynismus und Scham den dortigen Menschen danken, dass sie unseren Wohlstand erst möglich machen.

Das Kochvideo ist eine kleine Erfolgsgeschichte im Web 2.0, wird in Blogs diskutiert und schafft damit das, was viele Werber vergeblich versuchen: Die Werbung und ihr Inhalt sind zum Gesprächsgegenstand geworden. „Das macht eine gute Kampagne aus“, sagt Stefan Kolle, Vorsitzender der Jury des Spotlight Festivals, „es geht nicht mehr darum, Menschen eines gewissen Alters zu erreichen, sondern sie für Themen zu begeistern.“ Es besteht in der Werbebranche kaum Zweifel daran, dass sich das Internet, vor allem die partizipatorischen Kanäle der Blogs und Netzwerkseiten wie Facebook und MySpace besonders gut für solche Themen eignen - trotzdem hat das Spotlight-Festival gezeigt: Die Werbeagenturen können mit diesen Werbeflächen oft wenig anfangen.

Ansteckendes Potential

So hat die Jury von allen professionellen Einsendungen der Werbeagenturen nur einen einzigen Clip der Kategorie Web/Mobile für auszeichnungswürdig erachtet. Die Silber- und die Bronzemedaille wurden in diesem Jahr nicht vergeben, „es waren einfach nur normale TV-Spots ohne inhaltlichen Bezug zu den Möglichkeiten des Internets“, sagt Stefan Kolle. Ein krasser Unterschied zu den Einsendungen der Filmhochschulen, deren Beiträge der Kategorie Web/Mobile zu den absoluten Höhepunkten des Festivals zählten und von den zweitausend Besuchern oft mit Applaus belohnt wurden.

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