http://www.faz.net/-gqz-8vzfn

Vorwurf Verschwörungstheorien : WDR überarbeitet Wilders-Dokumentation

  • Aktualisiert am

Wer er ist, wer ihn wählt und wer ihn unterstützt, sollte eine WDR-Dokumentation zeigen: Geert Wilders am Donnerstag in Den Haag. Bild: EPA

Der WDR nimmt eine Dokumentation über Geert Wilders zeitweilig aus der Mediathek, um sie zu überarbeiten. Dem Sender wurde vorgeworfen, Verschwörungstheorien über eine jüdische Weltherrschaft Vorschub zu leisten.

          Nach dem Vorwurf, Verschwörungstheorien um Geert Wilders zu verbreiten, hat der WDR eine bereits im Fernsehen ausgestrahlte Sendung über den niederländischen Rechtspopulisten nachträglich überarbeitet. Am Mittwochabend hatte der Sender zwar via Twitter einen Fehler eingeräumt, zugleich aber erklärt, der am 8. März ausgestrahlte Film „Holland in Not - Wer ist Geert Wilders?“ sei „grundsätzlich nicht zu beanstanden“. Am Donnerstag indes war die Dokumentation im Internetauftritt zunächst nicht mehr abrufbar, bis am späten Nachmittag eine geänderte Fassung in die Mediathek eingestellt wurde.

          „Dies ist eine geänderte Version des Films. Verzichtet wurde auf die Äußerungen des Scheichs Yasin, dessen Auftreten und Einordnung wir für problematisch halten“, heißt es auf der entsprechenden Mediathekseite. Das medienkritische Portal „bildblog“ hatte dem WDR vorgehalten, den muslimischen Prediger Khalid Yasin in dem Film als beliebten „muslimischen Lehrer“ eingeführt zu haben, der gegen radikale Ideen eintrete. Dieser falle jedoch immer wieder mit hasserfüllten Aussagen auf. Yasin behauptete in den Beitrag demnach, Wilders benutze den modernen Zionismus, um Ansichten über Muslime zu verbreiten, die sich die Juden in Israel nicht zu sagen trauten.

          Klischees wie in klassischen Verschwörungstheorien

          Schon am Mittwochabend hatte sich der WDR selbstkritisch geäußert: „In der Tat hätte der Text einordnen müssen, dass der Prediger Yasin durchaus umstritten und in der Vergangenheit auch radikaler aufgetreten ist“, hieß es in dem bei Twitter verbreiteten Statement.

          Begleitend zu dem in der Mediathek geänderten Beitrag erläutert der WDR: „Den Vorwurf, in einer Passage des Films antisemitische Ressentiments zu schüren, weisen wir aber zurück.“ Die Passage stelle die Fakten korrekt dar. „Gleichzeitig mussten wir aufgrund einiger Rückmeldungen feststellen, dass hier teilweise ein missverständlicher Eindruck entstehen kann. Wir haben die Kritik ernstgenommen und aus diesem Grund entschieden, den Film auch an dieser Stelle zu bearbeiten“, erklärt der Sender.

          Der Doku-Film anlässlich der Wahl in den Niederlanden basiert laut „Bildblog“ in Teilen auf einem BBC-Beitrag von 2011, hinzu seien Szenen gekommen, in denen der Reporter Joost van der Valk den Politiker auf Wahlkampfveranstaltungen begleitet und mit Anhängern spricht. Kritisiert wurden von „Bildblog“ vor allem Passagen im letzten Drittel der 44-minütigen Dokumentation. Darin finden sich mehrere Hinweise auf die Beziehungen von Wilders zu Israel und auf mögliche Seilschaften zwischen Wilders und jüdischen Geldgebern. Der Film bediene dabei Klischees, die „auch in klassische Verschwörungstheorien zur jüdischen Weltherrschaft passen könnten“, heißt es.

          Quelle: EPD

          Weitere Themen

          Filmproduzenten gegen mehr Verbreitung

          Internetfernsehen : Filmproduzenten gegen mehr Verbreitung

          Die EU-Kommission wollte Grenzen im Internetfernsehen abbauen – und scheiterte ausgerechnet an denen, die davon profitiert hätten. Viele Auslandsdeutsche schauen demnächst wohl weiterhin illegal im Internet Filme.

          Im Rennen um einen Oscar Video-Seite öffnen

          Fatih Akins „Aus dem Nichts“ : Im Rennen um einen Oscar

          Die Wut über den NSU-Skandal inspirierte den Regisseur und Autor zu seinem jüngsten Film. In der Hauptrolle: Diane Kruger. Premiere feierte der Film auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes, jetzt wird er von Deutschland als Beitrag für den besten ausländischen Film bei den „Academy Awards“ ins Rennen geschickt.

          Jedem sein Superheld

          Kinocharts : Jedem sein Superheld

          Ein weiterer Neueinsteiger kann Elyas M’Barek nichts anhaben: „Justice League“ bleibt in den Kinocharts hinter „Fack ju Göhte 3“. In Nordamerika schafft er Platz eins – und enttäuscht dennoch.

          Moderator Rose wegen Vorwurf der Belästigung suspendiert Video-Seite öffnen

          Sexismus : Moderator Rose wegen Vorwurf der Belästigung suspendiert

          Die amerikanischen Fernsehsender PBS und CBS haben sich vom politischen Talkshow-Moderator Charlie Rose getrennt. Grund dafür sind Belästigungsvorwürfe von Kolleginnen. Er selbst gab zu, sich „zeitweise taktlos“ verhalten zu haben.

          Topmeldungen

          Jamie Dimon ist seit dem Jahr 2005 Vorstandsvorsitzender von Amerikas größter Bank.

          Neue Rangliste : Seine Bank ist die gefährlichste der Welt

          Infolge der Finanzkrise gibt es nun jedes Jahr eine offizielle Rangliste der Geldhäuser, von denen potentiell die größten Risiken ausgehen. Nun liegt eine Bank an der Spitze. Und ein deutsches Institut gehört zumindest zur Gruppe danach.

          Srebrenica : Das große Schweigen

          Vor der Urteilsverkündung gegen den als Kriegsverbrecher angeklagten ehemaligen General Ratko Mladic haben sich bosnische Serben und Muslime in Srebrenica wenig zu sagen. Die Erinnerungen an das Massaker von 1995 sind allgegenwärtig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.